cenomane Brandungsklippe am Hohen Stein

Grafik: Gerd Schmahl Der Felsbuckel, Hoher Stein mit dem Aussichtsturm "Frohbergs Burg", ist ein Überbleibsel aus der Strandregion des ehemaligen Kreidemeeres. Die ehemalige Brandungsklippe ist im obersten Cenoman einzuordnen (Dölzschener Schichten/Plenus Zone), welches sich durch das Vorkommen bestimmter Foraminiferen und Ostracoden (Mikrofossilien) begründen lässt (Rompf, 1960).

Karte: Der historische Fundpunkt "Hoher Stein" im südlichen Teil von Dresden, oberhalb des Plauenschen Grundes.

Zeichnung vom Hohen Stein in Dresden-Plauen Die Erhaltung des Felsbuckels und des Aussichtsturmes ist mehreren glücklichen Umständen zu verdanken. So ging dieser Teil eines Steinbruches in Privatbesitz über und es wurde eine Gastwirtschaft mit eben diesem Turm errichtet. Doch auch nach der Errichtung suchten Sammler den Felsbuckel auf - der Turm war in Gefahr. Es wurde eingegriffen; seitdem ist das "Pickern verboten". Bis in die 1970er Jahre hinein verfiel der Aufschluss. Seit der Freilegung 1975 steht dieses wichtige Geologische Denkmal Sachsens unter Schutz. Seit  der Restaurierung des Turmes im Jahre 2003 ist es wieder möglich den Plauenschen Grund zu überblicken. Der gut sichtbare ehemalige Ratssteinbruch befindet sich auf der anderen Seite, oberhalb des Plauenschen Grundes.

Abb. [2]: In Geinitz, 1872 veröffentlichte Zeichnung der Brandungsklippe, mitsamt Frohbergs' Turm.

Geologie 

Der Fundpunkt war in den ersten Jahren seiner Entdeckung ein Gegenstand intensiver Erforschungen. Der ehemalige Direktor des Dresdner Mineralogischen Museums Hanns Bruno Geinitz legte umfangreiche Beschreibungen (1872) und veröffentlichte obige Zeichnung. Dem Monzonit a)  - in älterer Literatur auch unter "Syenit" oder "Syenodiorit" geführt - lagern unterschiedlich große, gerundete Konglomerate auf. Denen folgt ein kalkig-mergeliges Sedimentgestein b) (Obercenoman/plenus-Zone), welches sehr reich an zusammengeschwemmten Makro- und Mikrofossilien ist. Im Hangenden folgt der unterturone Pläner.

Die Tasche selbst ist durch die Wirkung der Brandungswellen im küstennahen Flachwasserbereich entstanden. Das Wasser wusch (geol. "auskolken") die bis zu 5 m tiefe und 3 m breite Tasche aus (siehe b). Anschließend erfolgte die Verfüllung mit Sedimenten und eingetragenen Fossilien.

Eine hohe Anzahl an unterschiedlichen Arten, einer Flachwasserfazies ("Klippenfazies") konnte im Verlauf der fast 150-jährigen Geschichte nachgewiesen werden. Der Begriff "Klippenfazies" wurde hier geprägt. Ein exzellentes Museumsstück stellt eine Austern-Gruppe mit dutzenden Exemplaren von Rastellum carinatum (Lamarck) dar. Diese befindet sich heute im Bestand des Museums für Mineralogie und Geologie Dresden (SNSD).

Brandungstasche - Bitte klicken für größeres Bild Brandungstasche
"pocket", "Kessel,...
Aussichtsturm und Brandungstasche - Bitte klicken für größeres Bild Aussichtsturm und Brandungstasche
restaurierter Aussichtsturm - Bitte klicken für größeres Bild restaurierter Aussichtsturm
Ausblick vom Hohen Stein - Bitte klicken für größeres Bild Ausblick vom Hohen Stein
Richtung Freital - im Hintergrund die Brücke der A17 im Plauenschen Grund
Cidaris sorigneti (Desor) - Bitte klicken für größeres Bild Cidaris sorigneti (Desor)
Von dieser Art sind nur die Stacheln bekannt, Slg. Göpfert
Cyphosoma cenomanense - Bitte klicken für größeres Bild Cyphosoma cenomanense
Slg. Göpfert
Cidaris vesiculosa (Goldfuß) - Bitte klicken für größeres Bild Cidaris vesiculosa (Goldfuß)
einer der häufigsten Seeigel der sächsischen Kreide, Slg. Göpfert
Pycnodonte vesicularis (Lamarck) (siehe Ostrea hippopodium in Wanderer) - Bitte klicken für größeres Bild Pycnodonte vesicularis (Lamarck) (siehe Ostrea hippopodium in Wanderer)
rechte Schale, Innen- und Außenseite, typisch für diese Art ist das dreieckige, gestreifte Feld (linkes Bild,oben), Slg. Göpfert
Kleinfauna - Bitte klicken für größeres Bild Kleinfauna
Handstück mit Austern, Seeigelstacheln und Bryozoen, Slg. Göpfert
Moltkia foveolata - Bitte klicken für größeres Bild Moltkia foveolata
kleine Oktokorallenkolonie vom Hohen Stein, Slg. Göpfert

Literatur

Beeger, Dieter; Quellmalz, Werner. 1994.
Sammlung Geologischer Führer Band 87: Dresden und Umgebung. 87 : 1-205.

Geinitz, Hanns B. 1871-1875.
Das Elbthalgebirge in Sachsen von Hanns Bruno Geinitz. 1. Theil: Der untere Quader. - Palaeontographica Stuttgart 20 : 1-310.

Tröger, Karl-Armin. 1956.
Über die Kreideablagerungen des Plauenschen Grundes (sediment- petrographische und biostratonomisch - paläontologische Untersuchungen). - Jahrbuch des Staatlichen Museums für Mineralogie und Geologie Dresden Dresden 2 : 22-124.

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  • Otto, 1856. Blatt-Abdruck aus dem Schieferthon des untern Quader von Paulsdorf bei Dippoldiswalde
  • Petrascheck, 1902. Die Ammoniten der sächsischen Kreideformation
  • Geinitz, 1893. Der Syenitbruch an der Königsmühle im Plauenschen Grunde bei Dresden
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Hannes
Posts: 1
Kommentar
Klippenfazies
Antwort #1 am : Fri January 11, 2008, 00:16:47
Also ich finde diesen Begriff auch ziemlich ungeschickt, da er erstens mit dem strukturgeologischen Begriff der Klippe kollidiert und zweitens diese Ablagerungen kaum einen faziellen, sondern mehr einen taphonomischen Hintergrund haben. Die Ablagerung ist allochthon, man weiß also wenig über die Faunen, die die Ablagerungen bildeten.

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