cenomane Brandungsklippe am Hohen Stein

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Grafik: Gerd Schmahl
Der Felsbuckel, Hoher Stein mit dem Aussichtsturm "Frohbergs Burg", ist ein Überbleibsel aus der Strandregion des ehemaligen Kreidemeeres. Die ehemalige Brandungsklippe ist im obersten Cenoman einzuordnen (Dölzschener Schichten/Plenus Zone), welches sich durch das Vorkommen bestimmter Foraminiferen und Ostracoden (Mikrofossilien) begründen lässt. Abb.: Grafik: Gerd Schmahl

Karte: Der historische Fundpunkt "Hoher Stein" im südlichen Teil von Dresden, oberhalb des Plauenschen Grundes. Der Felsen ist ein Überbleibsel eines Monzonit-Steinbruches.

Zeichnung vom Hohen Stein in Dresden-Plauen
Zeichnung vom Hohen Stein in Dresden-Plauen - nach H.B. Geinitz, 1872
Die Erhaltung des Felsbuckels und des Aussichtsturmes ist mehreren glücklichen Umständen zu verdanken. So ging dieser Teil eines Steinbruches in Privatbesitz über und es wurde eine Gastwirtschaft "zum Hohen Stein" mit eben diesem Turm errichtet (1864). Doch auch nach der Errichtung suchten Sammler den Felsbuckel auf - der Turm war nach Beendigung des Steinbruchbetriebes erneut in Gefahr. Es wurde eingegriffen; seitdem ist das "Pickern verboten". Bis in die 1970er Jahre hinein verfiel jedoch der Aufschluss, nebst Wirtschaft.

Abb. 2: In Geinitz' Elbthalgebirge (1872) veröffentlichte Zeichnung der Brandungsklippe, mitsamt Frohbergs' Turm.

Ratsteinbruch
Ratsteinbruch - Ratssteinbruch
Seit der Freilegung des Felsens 1975 steht dieses wichtige geologische Denkmal Sachsens unter Schutz. Seit der Restaurierung des Turmegebäudes 2003, ist es möglich den Plauenschen Grunde von der "Frohbergsburg" zu überblicken. Auf der anderen Seite des engen Weißeritztales sind  ähnliche geologischen Strukturen einer sogenannten "Schwellenfazies" am ehemaligen Ratssteinbruch zu sehen.

Abb. 3:  Der Ratssteinbruch auf am linken Ufer der Weißeritz, die den Plauenschen Grund durchfließt. Zu erkennen sind die gelblichen Pläner, die auf dem rötlich gefärbten Monzonit lagern.

Geologie 

Hanns-Bruno Geinitz
Hanns-Bruno Geinitz - Der Begründer der sächsischen Kreideforschung
Der Fundpunkt war in den ersten Jahren seiner Entdeckung Gegenstand intensiver Erforschungen. Der ehemalige Direktor des Dresdner königlichen mineralogischen Museums Hanns Bruno Geinitz legte umfangreiche Beschreibungen an (1872) und veröffentlichte obige Zeichnung in seinem Hauptwerk "Das Elbthalgebirge" - einer Monographie zu den Fossilien der sächsischen Kreide.

Abb. 4: H.B. Geinitz gilt als Begründer der sächsischen Kreideforschung. Er untersuchte den Hohen Stein ausführlich.

Während einer Transgression im oberen Cenoman wurde in einem  küstennahen Meeresbereich das Liegende des ehemaligen Festlandes, bestehend aus Monzonit a)  aufgearbeitet. Den Amphibol-Quarz-Monzonit des Plauenschen Grundes findet man in älterer Literatur unter der Bezeichnung "Syenit" und "Syenodiorit". Diesem lagern unterschiedlich große, aufgearbeitete (gerundete) Monzonitgerölle auf. In einem Konglomerat aus Geröll und kalkig-mergeligem Sediment finden sich zahlreiche Makro- und Mikrofossilien b). Im Hangenden folgt der unterturone, fossilärmere Pläner.

Die mit kalkig-mergeligen Sedimenten gefüllte Tasche
Die mit kalkig-mergeligen Sedimenten gefüllte Tasche - Brandungstasche am Hohen Stein
Die Tasche (Kessel) selbst, ist durch die Wirkung der Brandungswellen im küstennahen Flachwasserbereich entstanden. Das Wasser wusch (geol. "auskolken") die bis zu 5 m tiefe und 3 m breite Tasche aus (siehe Abb. 2 - b). Anschließend erfolgte die Verfüllung mit Sedimenten und eingetragenen Fossilien.  Neben der eigentlichen Tasche findet sich ein mit Sedimenten verfülltes Spritzloch.

Abb. 5: Brandungstasche unterhalb des Aussichtsturmes. Das helle Gestein ist der fossilreiche , kalkige Mergel.

Mithilfe von Foraminiferen und Ostracoden (Muschelkrebse), die in der Brandungstasche gefunden wurden (Rompf, 1960) konnte die Fazies in die Biozone des Praeactinocamax plenus (Leitfossil im oberen Cenoman) gestellt werden.

Eine hohe Anzahl an unterschiedlichen Arten, einer Flachwasserfazies ("Klippenfazies") konnte im Verlauf der fast 150-jährigen Geschichte nachgewiesen werden. Der Begriff "Klippenfazies" wurde an dieser Typuslokalität geprägt. Ein einwandfreier Rückschluß auf  die tatsächliche Faunenzusammesetzung kann aber nicht (ausschließlich) aufgrund der vorgefundenen Arten  gemacht werden (siehe Kommentar von Hannes unten).

Ein exzellentes Museumsstück ist eine Austern-Gruppe mit dutzenden Exemplaren von Rastellum carinatum (Lamarck). Diese Stufe befindet sich heute im Bestand des Museums für Mineralogie und Geologie Dresden (SNSD) [Bild, Detail].

Literatur

Beeger, Dieter & Quellmalz, Werner. 1994.
Sammlung Geologischer Führer Band 87: Dresden und Umgebung. 87 : 1-205.

Geinitz, Hanns-Bruno. 1839.
Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsischen Kreidegebirges. Erstes Heft. Der Tunnel bei Oberau in geognostischer Hinsicht und die dieser Bildung verwandten Ablagerungen zwischen Oberau, Meißen und dem Plauen'schen Grunde bei Dresden   : 1-28. E-BOOK

Geinitz, Hanns-Bruno. 1871-1875.
Das Elbthalgebirge in Sachsen von Hanns Bruno Geinitz. 1. Theil: Der untere Quader. - Palaeontographica Stuttgart 20 : 1-310.

Rompf, I. 1960.
Foraminiferen aus dem Cenoman von Sachsen, unter besonderer Berücksichtigung der Umgebung von Dresden - Freiberger Forschungshefte (Akademie-Verlag) Berlin C89 : 5-123.

Tröger, Karl-Armin. 1956.
Über die Kreideablagerungen des Plauenschen Grundes (sediment- petrographische und biostratonomisch - paläontologische Untersuchungen). - Jahrbuch des Staatlichen Museums für Mineralogie und Geologie Dresden Dresden 2 : 22-124.

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Hannes
Posts: 1
Kommentar
Klippenfazies
Antwort #1 am: Freitag, den 11.01.2008 um 00:16:47 Uhr
Also ich finde diesen Begriff auch ziemlich ungeschickt, da er erstens mit dem strukturgeologischen Begriff der Klippe kollidiert und zweitens diese Ablagerungen kaum einen faziellen, sondern mehr einen taphonomischen Hintergrund haben. Die Ablagerung ist allochthon, man weiß also wenig über die Faunen, die die Ablagerungen bildeten.

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