Bahntrasse am ehemaligen Oberauer Eisenbahntunnel. Blick Richtung S/SE. Das Tunneldenkmal (mitte links) markiert das ehemalige südöstliche Tunnelportal - im Rücken des Betrachters das nordwestliche Ende.Als einer der ersten Eisenbahntunnel Deutschlands befand sich der 1839 fertiggestellte Oberauer Tunnel im nordwestlichen Teil der Elbtalkreide. Heute erinnert an das 1933 abgetragene Bauwerk eine Gedenksäule, sowie eine alte überwachsene Halde oberhalb der Bahntrasse. Bereits H.B. Geinitz beschrieb in seinen frühen Werken die Geologischen Verhältnisse der Gegend um Oberau. Abb.: Bahntrasse am ehemaligen Oberauer Eisenbahntunnel. Blick Richtung S/SE. Das Tunneldenkmal (mitte links) markiert das ehemalige südöstliche Tunnelportal - im Rücken des Betrachters das nordwestliche Ende.
Abstract
The outcrop at the former Oberau railway tunnel, built in 1836-39 and broke down in 1934 has been studied already by famous local Geologist Hanns-Bruno Geinitz. Oberau/Niederau is a small village 10km of to Meißen and Weinböhla; and in the north of Dresden. H.B. Geinitz described the Cenomanian-Turonian setting and made a profile in his first part of "Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsischen Kreidegebirges" in 1839. Today there are a few overgrown tips next to railway track. Just a few new fossil records are known.
Records of Hamites cimarronensis where described in 2004 by S. Köhler. H. cimarronensis is also known from the lower Turonian of Colorado, US.
Oberau in Niederau bei Meißen
Gük400: 1:250.000 der Elbtalkreide - Im Norden der Elbtalkreide der ehemalige Oberauer Eisenbahntunnel
Im nördlichsten erhaltenen Teil der Elbtalkreide befindet sich Oberau, der Teil der kleinen Gemeinde Niederau ist. Östlich davon befindet sich die Stadt Meißen, im Süden Radebeul und Dresden. Der historische Fundpunkt, mit seiner 170 jährigen Geschichte ist über die S177 (Radeburger Str.) zu erreichen.
»Der Tunnel erstreckt sich [...] in einer Weite von 904 sächsische Ellen.« (H.B. Geinitz, 1839)
Geinitz 1839: Beschreibung des Tunnels - Charakteristik der Schichten und Petrefacten
Der Bau des Tunnels war für die
Erforschung der sächsischen Elbtalkreide ein Glücksfall. Durch K.C. Leonhard (1834) und C. S. Weiß (1827) wurden erste Arbeiten über eine »Klippe« in Meißen-Zscheila und Jura-Kreidevorkommen an der Lausitzer Überschiebung in Hohnstein (Sächsische Schweiz) veröffentlicht. Abb. 2: Ausschnitt aus Geinitz' Beschreibung zum Oberauer
Eisenbahntunnel von 1839.
In der ersten großen monograpischen Bearbeitung zur Elbtalkreide überhaupt, »Charakteristik der Schichten und
Petrefacten des sächsischen Kreidegebirges«, veröffentlichte der Direktor des »königlich mineralogischen Museums«, Hanns Bruno Geinitz (1839) ein Profil des damals neu errichteten Oberauer Eisenbahntunnels.
Stich von 1840 - nordwestliches Portal des Oberauer Tunnels; Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Oberauer_Tunnel
Als einer der ersten Eisenbahntunnel Deutschlands überhaupt, wurde der über hundert Meter lange Tunnel zwischen 1836 und 1839 von Freiberger Bergleuten im Vortrieb erbaut. Gut hundert Jahre später begann man 1933 mit dem Rückbau der Anlage. Das Bauwerk wurde den Anforderungen des Eisenbahnbetriebes nicht mehr gerecht. Abb. 3: Das nördliche Tunnelportal um 1839/40 auf einem
Stich. Quelle: de.wikipedia.org [L1]
Heute säumen überwucherte Abraumhalden die tief eingeschnittene Trasse und eine gemauerte Gedenksäule erinnert an das geschichtsträchtige Bauwerk. Auch heute führt die Eisenbahnlinie Reisende auf dieser Strecke von Dresden nach Leipzig.
Stratigraphie
Geinitz 1839: Profil am Tunnel - Geognostisches Profil eines Theils des Tunnel der Leipzig-Dresden Eisenbahn zu Oberau
Geinitz besuchte die Tunnelbaustelle mehrere Male und legte sein Hauptaugenmerk auf die Verhältnisse von Gneis/Granit (Granodiorit) und den kreidezeitlichen Ablagerungen. Am nordwestlichen Portal (siehe Abb. 3), liegen untercenomane Konglomerate (Gneis- und Granodioritgerölle) dem Basisgneis auf. Abb. 4: "Geognostisches" Profil aus Geinitz (1839) am ehemaligen westlichen Tunneleingang.
Darüber folgen direkt Pläner aus dem Obercenoman und Unterturon (plenus-Zone), die anfänglich glaukonitreich sind, nach oben hin jedoch ärmer an Glaukonit werden (Dietze, 1961). Marine Schichten aus dem mittleren Cenoman fehlen gänzlich. Erst nach einer erneuten Transgression im oberen Cenoman wurden marine Sedimente abgelagert.
Geologische Übersichtskarte GÜK400 - Geologische Verhältnisse an der Bahntrasse
Abb. 5: Geologische Übersicht bei Oberau auf Grundlage der
Geologischen Übersichtskarte Sachsen 1:400.000 (mit quartären
Sedimenten). Cenomane und turone Sedimente (KC-T - grün) lagern Gneisen (stellenweise dem Granodiorit des Lausitzer-Granitoid-Komplexes) oberflächennah auf.
Profil & geologische Karte - Gallwitz, 1935: Profil am abgetragenen Tunnel
Nach der Tunneleröffnung 1839 blieb das Profil für knapp hundert Jahre dem Betrachter verborgen. »Erst durch den Abtrag des Tunnels wurden neue Aufschlüsse geschaffen, die im wesentlichen die Geinitzsche Darstellung der Verhältnisse bestätigten.«(Gallwitz, 1935). Abb. 7: Geologisches Profil des Abschnittes am ehemaligen Oberauer Tunnel von Gallwitz, 1935.
Nach Gallwitz veröffentlichten Dietze (1961) und Köhler (1993, 2004) Arbeiten zum historischen Fundpunkt »Oberauer Eisenbahntunnel«. In Köhler wurde die Cephalopodenfauna vorgestellt. Das Material dazu, wurde auf den stark verwachsenen Halden gesammelt.
Paläontologische und stratigraphische
Untersuchungen der Klippenfazies von Oberau und Meissen (Sächsische
Oberkreide). - Jahrbuch des Staatlichen Museums für Mineralogie und
Geologie Dresden. Dresden Jhrg. 1960: 12-34.
Gallwitz, H. 1935.
Das Pliocän von Oberau in Sachsen. Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS (Warnatz & Lehmann) Dresden. 1933/34: 82-95.