Hanns Bruno Geinitz (*1814 in Altenburg; †1900 in Dresden)

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Portrait von H.B. Geinitz
Prof. Dr. Hanns Bruno Geinitz verstarb am 28. Januar 1900 im Alter von 85 Jahren. Er war ein bedeutender Geologe und Paläontologe - vor allem für Sachsen. Er war Direktor des königlichen Mineralogischen Museum Dresden und veröffentlichte über 400 geologische Publikationen.
Darunter für die sächsische Kreide sehr wichtige Standardwerke: z.B. Das Elbthalgebirge in Sachsen (1871-75). Abb.: Portrait von H.B. Geinitz

Der Sohn eines Baurates wurde am 16. Oktober 1814 in Altenburg (Sachsen) geboren. Mit fünf Geschwistern wuchs er in seiner Geburtsstadt auf und lernte 2 Jahre in einer örtlichen Apotheke. Dort arbeitete Geinitz weitere 2 Jahre, bis er 1834 sein Studium an der TU Berlin begann. Die Vorlesung Geognosie und Petrefaktenkunde hörte er bei F.A. Quenstedt. Sein Abitur holte er während dieser Zeit nach und machte 1836 seine Reifeprüfung am Gymnasium. H.B. Geinitz wendete sich dazu dem Latein und dem Griechischen zu.

Ein Jahr später wechselte er Jena und promovierte zum Dr. phil. mit einer Arbeit über den Thüringer Muschelkalk. In der Zeit bis 1847, als er Inspektor des Königlichen Naturalienkabinettes wurde, arbeitete Geinitz als Lehrer für Naturwissenschaften, Mathematik, Physik und Chemie. Bereits in diesem Zeitraum besuchte er unzählige Male die Kreide in und der Umgebung von Dresden.

Forschung & Arbeit am Museum in Dresden ab 1847

Als Inspektor des Königlichen Naturalienkabinetts - der "Vorgängereinrichtung" des Königlichen mineralogischen Museums - begann Geinitz mit der Katalogisierung der bis dahin vernachlässigten paläontologischen Sammlung. Dem Zwingerbrand im Mai 1849 fiel ein Großteil eben dieser Abteilung zum Opfer.

Danach baute er die verlorengegangene paläontologische Sammlung neu auf, füllte die Bibliothek mit Schriften und pflegte gute Kontakte zu namhaften Geologen und Paläontologen der damaligen Zeit (Cotta, Barrande, Reuss, Quenstedt, Corda). Der sächsische Teil der Sammlung wurde unter seiner Leitung gesondert geführt.

Grab auf dem Alten Annenfriedhof Dresden-Südvorstadt
Grab auf dem Alten Annenfriedhof Dresden-Südvorstadt - Foto: Benutzer Paulae auf de.wikipedia.org; Lizenz: CreativeCommons CC-BY-SA 3.0
Auch die Ausweitung auf weitere Ausstellungsflächen im Zwinger geschah unter seiner Führung. Durch ihn wurde die Institution zu einer der "[...] renomiertesten Sammlungen Europas ausgebaut." (Hebig, 2000. S. 12)

H.B. Geinitz liegt auf dem alten Annenfriedhof in Dresden-Südvorstadt begraben. Foto rechts: von de.wikipedia.org (CC-Lizenz)

Zum 100. Todestag fand am 28. & 29. Januar 2000 das Internationale Hanns-Bruno-Geinitz-Symposium in Dresden statt. Die Geologica Saxonica, eine Abhandlung des Museums für Mineralogie und Geologie Dresden, bündelt im Band 46/47 alle Beiträge dieses Treffens.

H.B. Geinitz und die obere Kreide

K.A. Tröger hat in seinem Beitrag zum Symposium die Bedeutung von Hanns Bruno Geinitz für die (heutige) Oberkreideforschung erläutert.

1. Geinitz hat als Erster eine monographische Bearbeitung der sächsischen Kreidefaunen vorgenommen (Charakeristik der Schichten und Petrefacten, Elbthalgebirge).

2. Er unterteilte die Oberkreide in Insel- & Festlandsnahe Bereiche mit 5 lithostratigrafischen Abschnitten. Außerdem stelle er Vergleiche von Profilen der Kreide zwischen Aachen und Opole (Polen) her.

3. Vergleich mit der französischen Gliederung der Oberkreide (nach A. d'Orbigny) mit der des Elbtales in heute internationale Gliederungen: Cenoman, Turon (Senon).

Literatur & Quellen:

1839. Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsischen Kreidegebirges. Erstes Heft. Der Tunnel bei Oberau in geognostischer Hinsicht und die dieser Bildung verwandten Ablagerungen zwischen Oberau, Meißen und dem Plauen'schen Grunde bei Dresden : 1-28. E-BOOK

1840. Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsischen Kreidegebirges. Zweites Heft. A. Das Land zwischen dem Plauen'schen Grunde bei Dresden und Dohna. B. Fische, Crustaceen, Mollusken : 31-62. E-BOOK

1842. Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsich-böhmischen Kreidegebirges. Drittes Heft. Die sächsisch-böhmische Schweiz, die Oberlausitz und das Innere von Böhmen : 63-116. E-BOOK

1843. Die Versteinerungen von Kieslingswalda und Nachtrag zur Charakteristik des sächsisch-böhmischen Kreidegebirges : 1-23. E-BOOK

1844. Die Inoceramen der Sächsischen Kreide-Formation - Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde (E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung) Stuttgart : 148-151. E-BOOK

1848. Über obern Quader - Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde (E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung) Stuttgart : 778-780. E-BOOK

1849. Das Quadersandsteingebirge oder Kreidegebirge in Deutschland : 1-292. E-BOOK

1850. Das Quadergebirge oder die Kreideformation in Sachsen, mit besonderer Berücksichtigung der glaukonitreichen Schichten - Preisschriften - gekrönt und herausgegeben von der Fürstlich Jablonowski'schen Gesellschaft zu Leipzig Leipzig (2): 1-44. E-BOOK

1850. Über die Zusammensetzung und Lagerung der Kreide-Formation in der Gegend zwischen Halberstadt, Blankenburg und Quedlinburg - Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde (E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung) Stuttgart : 133-138. E-BOOK

1868. Die fossilen Fischschuppen aus dem Plänerkalke in Strehlen : 1-18. E-BOOK

1872. Geinitz: Das Elbthalgebirge in Sachsen 1. Theil: Der untere Quader - Palaeontographica - Beiträge zur Naturgeschichte der Vorzeit (E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung) Stuttgart 20 (8): 1-319. E-BOOK

1873. Dr. August Emanuel von Reuss - K. K. Universitäts-Professor der Mineralogie in Wien - Leopoldina (E. Blochmann & Sohn) Dresden 9 (1,2): 67-72. E-BOOK

1873. Über Inoceramen der Kreideformation - Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie (E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung) Stuttgart 7 : 7-21. E-BOOK

1875. Geinitz: Das Elbthalgebirge in Sachsen 2. Theil: Der mittlere und obere Quader - Palaeontographica - Beiträge zur Naturgeschichte der Vorzeit (E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung) Stuttgart 20 (8): 1-245. E-BOOK

1877. Liste cenomaner Versteinerungen von Zscheila - Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS (Warnatz & Lehmann) Dresden 7 : 17;74. E-BOOK

1878. Über Versteinerungen aus dem oberen Quadersandstein an der Hackkuppel bei Saupsdorf - Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS (Warnatz & Lehmann) Dresden 1878 : 144. E-BOOK

1882. Ueber Versuche nach Kohlen im Quadergebirge Sachsens - Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS (Warnatz & Lehmann) Dresden 10 : 68-71. E-BOOK

1882. Über Leitfossilien des Quadersandsteins - Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS (Warnatz & Lehmann) Dresden 1882 : 69-71. E-BOOK

1895. Der Syenitbruch an der Königsmühle im Plauenschen Grunde bei Dresden - Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS (Warnatz & Lehmann) Dresden 13 (1892-1895): 30-33. E-BOOK

1896. Funde aus der Kreideformation des Plauenschen Grundes - Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS (Warnatz & Lehmann) Dresden 1896 : 10-11. E-BOOK

Literatur:

  1. Pfannenstiel, Max, 1964.
    „Geinitz, Hanns Bruno“, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 151 f. [Onlinefassung]
  2. Klemmer, Ingrid, 2001.
    International Hanns Bruno Geinitz Symposium. Proceedings of the symposium in honour of Hanns Bruno Geinitz, Dresden, Saxony, January 28 - 30, 2000. Geologica Saxonica - Journal of Central European Geology (Museum für Mineralogie und Geologie Dresden) Dresden 46/47.
  3. Geinitz, F. Eugen. 1900.
    Hanns Bruno Geinitz - Ein Lebensbild aus dem 19. Jahrhundert - Leopoldina (E. Blochmann & Sohn) Dresden 36 (4/5): 59-70,85-89,98-104. E-BOOK
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