Zittel, 1877-1880. Studien über fossile Spongien. 1. Hexactinellida, 2. Lithistidae, 3. Monactinellidae, Tetractrinellidae und Calcispongiae

Abhandlungen der Königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften München. 13 (1): 1-63, 65-154; 13 (2): 3-48. Abb.: K.A. von Zittel über die Systematik fossiler Schwämme
I. Hexactinellidae.
Systematische Stellung der Hexactinelliden.
Unter den zahlreichen Entdeckungen O. Schmidts im Gebiete der Spongiologie hat in paläontologischer Hinsicht keine eine Bedeutung von so grosser Tragweite erlangt, wie die Aufstellung und Begrenzung der Ordnungen der Hexactinelliden und Lithistiden. 1 ) Es war zwar schon früher von Wyville Thomson2) auf die verwandtschaftlichen Beziehungen der Ventriculiten aus der englischen Kreide mit gewissen lebenden Kieselspongien hingewiesen worden, aber erst nachdem O. Schmidt gezeigt hatte, dass die sogenannten Glasschwämme (Vitrea) W. Thomson's zwei fundamental verschiedene Typen, die Hexactinelliden und Lithistiden enthalten, von denen jeder zahlreiche fossile Vorläufer besitzt, war für die Palaeontologie eine Grundlage geschaffen, auf welcher man fortbauen konnte.
1) Grundzüge einer Spongienfauna des Atlantischen Gebietes. Leipzig 1870.
2) The depth 5 of the Sea. Royal Dublin Society. April 1869 und 1873. S. 483.Wie ich in einer früheren Abhandlung 3) bereits nachgewiesen habe, wurde die Anregung der genannten Forscher von den Paläontologen wenig beachtet, man hielt nach wie vor an den verfehlten Systemen von d '0rbigny und Fromentel fest und obwohl schon früher durch Etallon,4) F. A. Roemer5) und neuestens durch Pomel6) schüchterne Versuche gemacht worden waren, den Strukturverhältnissen auch bei den fossilen Spongien einige Rechnung zu tragen, so blieben dieselben wegen der bisher fast ausschliesslich angewendeten makroscopischen UntersuchungsMethode beinahe resultatlos.
Mittlerweile ist die Kenntniss der lebenden Hexactinelliden und Lithistiden durch Carter, 7) W. Marshall, 8) Saville Kent9) Bowerbank, 10) Wyville Thomson, 11) Wright 12) u. A. so wesentlich gefördert worden, dass diese verhältnissmässig spät entdeckten Ordnungen der Spongien jetzt zu den am sorgfältigst studirten gehören.
Ueber die Abgrenzung der Hexactinelliden und Lithistiden, welche noch von Gray als Coralliospongia, von W. Thomson als Vitrea und von Bowerbank als Siliceo-fibrous Sponges vereinigt worden waren, besteht jetzt zwischen den meisten Kennern der lebenden Spongien keine nennenswerthe Differenz mehr. Die Unterscheidung beider Ordnungen ist in der That ungemein scharf und auch für die fossilen Formen mit gleicher Sicherheit durchführbar.
Bei den Hexactinelliden besteht nämlich das Kieselskelet aus Elementen, denen fast ausnahmslos drei rechtwinklich sich kreuzende Axen zu Grunde liegen, während bei den Lithistiden die Axen meist unter [...]
3) Ueber Coeloptychium. Abb. der k. bayr. Ak. II. Cl. Bd. XII. Abth III. 1876.
4) Actes de la societe jurassienne d'emnlation pendant 1858. Porrentruy 1860. S. 129.
5) Die Spongitarien des Norddeutschen Kreidegebirges. Palaeontographica XIII. 1864.
6) Paleontologie de la Province d'Oran. 5. fasc. Spongiaires. 1872.
7) Annals and Magazine nat. bist. 4. Ser. vol. XII. 1873. S. 349 n. 487.
8) Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie Bd. XXV. Supplem. u. Bd. XXVII. S. 113.
9) Monthly microscop. Journ. 1870. vol. IV. S. 241.
10) Monograph of the siliceo-fibrous Sponges. Proceed. zool. soc. Lond. part. I. 1869 S. 66 II. ibid. S 323. III. 1875. S. 272. IV. ibid. S 503 V. ibid. S. 558 VI. 1876. S. 535.
11) Annals and Mag. nat. bist. 4 Ser. vol. I. 1868. S. 110; The Depth of the Sea. 1873 u. Philos. transactions 1869. (on Holtenia) S. 701.'
12) Quart, journ. microscop. Soc. vol. X. 1870. S. 4.
Quelle: www.google.com/books?id=D3rNAAAAMAAJ (nur mit US-Proxy)
