Federn, Spinnen, Schnecken und andere Fossilien im französischen Kreidebernstein

Wissenschaftler der Universität Rennes (Frankreich) haben in Zusammenarbeit mit dem European Synchroton Radiation Facility (ESRF) kreidezeitlichen Bernstein untersucht. Mithilfe von Synchrotonstrahlung entlockten Sie dem undurchsichtigen Bernstein dessen Geheimnisse. Insgesamt konnten über 350 Reste von Insekten, Spinnen und Ameisen entdeckt werden. Bei weiteren Untersuchungen wurden fossile Federn im Bernstein dreidimensional untersucht. Abb.: Insekten, Feder, Spinne und Schnecke im Kreidebernstein

Etwa 80% des gefundenen Kreidebernsteins stammt aus Schichten des Alb/Cenoman von Charentes (SW-Frankreich). Bisher war das Innere des milchigen und undurchsichtigen Bernsteins mit herkömmlichen Methoden im sichtbaren Licht nicht sichtbar.

Forscher der Universität Rennes haben in Kooperation mit dem Europäischen Synchrotron-Strahlen Labor (Grenoble) den Bernstein mit der Phasenkontrast-Mikroradiografie-Methode untersucht. Die Methode basiert auf den Eigenschaften von Synchrotonstrahlung. Diese intensive Strahlung weist ein sehr breites kontinuierliches Spektrum auf - bis hin zum Bereich der Röntgenstrahlung.

brüchiger Bernstein

Bernstein ist brüchig und von Rissen durchzogen. Daher legten die Forscher die zu untersuchenden Stücke in Wasser. Das Wasser drang in die Risse und Hohlräume vor. Da Wasser und dieser Bernstein eine ähnlich große Dichte besitzen, verhinderten Sie so, dass sich die Röntgenwellen an den Grenzflächen brechen und unbrauchbare Abbilder entstehen.

Insgesamt wurden 640 Stücke von Bernstein untersucht. Dabei konnten bis zu 53% der Funde (mehr oder weniger genau) identifiziert werden. Alle Stücke enthielten nur kleine und sehr kleine Fossilien von verschiedenen Insekten, Spinnen/Milben und pflanzlichen Resten.

Dies hat einen einfachen Grund: Größere Lebewesen konnten sich aus dem klebrigen Harz befreien und finden generell nur sehr selten ihr Grab im Bernstein (Eidechse im Bernstein).

Einige der Funde wurden drei-dimensional erforscht und dargestellt (Video dazu auf esrf.eu).

Lak, M. Néraudeau, D., Nel, A., Cloetens, P., Perrichot, V., Tafforeau, P. 2008. Phase Contrast X-ray Synchrotron Imaging: Opening Access to Fossil Inclusions in Opaque Amber. Microscopy and Microanalysis. Microscopy Society of America. doi:10.1017/S1431927608080264.

Fossile Federn im Bernstein

Mit der gleichen Methode konnten sieben Reste von Federn im (hier durchsichtigen) Bernstein begutachtet werden. Um die frühe Evolution der Vögel zu verstehen, wurden hier aus den Funden weitere 3D-Modelle erstellt.

Perrichot, V., Marion, L., Néraudeau, D., Vullo, R., Tafforeau, P. 2008. The early evolution of feathers: fossil evidence from Cretaceous amber of France. Proceedings of the Royal Society. Biological Sciences. 275 (1639). 1197-1202. doi:10.1098/rspb.2008.0003.

Quelle & weitere Informationen: esrf.eu/news/general/amber/amber

Artikel bewerten:
  • Momentan1/5 Sterne
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertungen: 6
Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar verfassen

  • Pflichtfelder sind mit * markiert.

Sollte der Sicherheitscode unleserlich sein, kann durch einen Klick auf das Bild ein neuer Sicherheitscode erzeugt werden.
 
Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, auf dem Server von kreidefossilien.de im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert wird. Die Angabe einer E-Mail-Adresse ist freiwillig. Weder E-Mail-Adresse, noch IP-Adresse sind öffentlich sichtbar und werden nicht an Dritte übermittelt. IP-Adressen werden nach 30 Tagen gelöscht.

Top 10 Artikel