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Reuss, 1854. Loliginidenreste in der Kreideformation

tags: reuss, cephalopoda, bila hora, teuthoidea
A.E. Reuss: Beschreibung einer neuen Tintenfischart (Teuthoidea) aus der Bila Hora Formation
A.E. Reuss: Beschreibung einer neuen Tintenfischart (Teuthoidea) aus der Bila Hora Formation
August Emanuel Reuss, 1854. Loliginidenreste in der Kreideformation. Abhandlungen der königlichen böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (königl. böhmische Gesellschaft der Wissenschaften) Prag: 29-32.

Von
Prof. Dr. August Em. Reuss in Prag.

Aus der Reihe der fossilen dibranchiaten Cephalopoden sind es nur die Belemniten, welche sich einer weitern Verbreitung in horizontaler und verticaler Richtung erfreuen. Zuerst im Lias auftauchend reichen sie mit sehr grosser Artenfülle durch die gesammte Juraperiode bis in die obersten Kreideschichten, wo sie mit der Gattung Belemnitella erlöschen. Es gibt kein Land, in welchem Glieder der genannten Formationen abgelagerts ind, welches nicht zugleich Belemniten aufzuuweisen hätte, und an manchen Orten sind sie in erstaunlicher Menge zusammengehäuft. Alle übrigen fossilen Acetabuliferen erscheinen nur mit sparsamen Arten und in sehr geringer Individuenauzahl.

Sie sind zugleich in ihrem Vorkommen auf sehr enge Grenzen beschränkt. Auch sie kommen zuerst im Lias zum Vorschein mit den Gattungen Loligo, Teuthopsis und Beloteuthis aus der Gruppe der Loligienen. Aus der Familie der Teuthiden ist die Gattung Belemnosepia fast durchgängig ebenfalls dem Lias angelıörig. Auch in den Juraschchichten fehlen die Acetabuliferen nicht, und vorzugsweise sind es die lithographischen Schiefer von Solnhofen und Eichstädt, welche ihre Trümmer beherbergen. Unter den Loliginiden begegnen wir der Gattung Leptoteuthis aus der Familie der Teuthiden den in älteren Schichten bisher nicht vorgefundenen Gattungen Enoploteuthis, Acanthoteuthis und Ommastrephes. Zu ihnen gesellen sich aber auch noch Reste aus der Gruppe der Sepiaden, der vollkommensten unter den zehnarmigen Dibranchiaten, und zwar Reste aus der jetzt noch lebenden Gattung Sepia.

In der Tertiärperiode scheinen schon alle die genannten Gattungen ausgestorben gewesen zu sein, bis auf die letzterwähnte. Die sparsamen Sepientrümmer finden sich in den alten Tertiärschichten Frankreichs und Englands. Zum ersten Male treten aber in dieser Epoche die Spiruliden auf mit den Gattungen Beloptera, Belemnosis und Spirulirostra, die ersteren auf die eocänen Schichten Frankreichs und Englands, die letzte auf die miocänen Turins beschränkt, also ebenfalls in sehr geringer geographischer Verbreitung.

Überblickt man die eben in flüchtigen Umrissen dargelegte Vertheilung der Acetabuliferen mit Ausschluss der Belemniten etwas genauer, so muss es Jedem auffallen, dass, während sie im Lias und Jura einerseits und in den Tertiärgebilden andererseits vertreten sind, sie in der zwischen den genannten mitten inne liegenden Kreicleformation ganz fehlen. Es wird diess um so auffallender, wenn man erwägt, dass manche ihrer Gattungen aus dem Lias oder Jura bis in die jetzige Schöpfung herüberreichen, wie z. B. Sepia, Loligo, Ommastrephes, und daher gerade nur für die Zwischenzeit, während welcher sich die verschiedenen Kreideschichten ablagerten, aus der Reihe der lebenden Wesen verschwunden sein müssten. Es wird unwillkürlich die Hoffnung rege, dass hieher gehörige Reste in der Kreideformation doch noch werden entdeckt werden und dass das bisherige Nichtauffinden derselben vielmehr in ihrer Seltenheit und ihrer leichten Zerstörbarkeit, als ein ihrem gänzlichen Mangel während einer ausgedehnten Zeitepoche seinen Grund haben dürfte.

Diese Vermuthung hat wenigstens theilweise schon ihre Bestätigung gefunden dadurch, dass es mir gelang, eine Species aus der Gruppe der Loliginiden unter den Versteinerungen der mittleren Kreide zu entdecken. Ich erkannte dieselbe in einer Versteinerung, welche vor Kurzem in den grossen Plänersteinbrüchen des Weissen Berges beil Prag gefunden wurde, und die Herr Hofrath Bitter von Sacher-Masoch mit gewohnter Liberalität dem hiesigen Nationalmuseum schenkte.

Ich lasse hier zuerst eine ausführliche, von einer treuen Abbildung begleitete Beschreibung derselben folgen, um daran sodann einige kurze Bemerkungen über ihre etwaige Stellung im Systeme zu knüpfen. 

Glyphiteuthis ornata nov. gen. et spec.

[...]

Quelle: http://kramerius.lib.cas.cz/kramerius/PShowPageDoc.do?id=1177610

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