Dohna: Brücke über das Müglitztal, Südende

von M. Fengler (17.06.2011)
bearbeitet am: 04.11.2011
kreidefossilien.de
Brücke über das Müglitztal - der Betrachter steht am südlichen Ende und blickt in Richtung Meuschaer Höhe
Während des Baus der A17 Dresden-Prag wurde im Sommer 2004 am südlichen Ende der A17-Brücke über das Müglitztal bei Dohna ein für das Obercenoman charakteristischer Aufschluss geschaffen. Das Profil zeigt die rasche Überflutung einer Felsküste während des mittleren Obercenomans (Basis der M. geslinianum-Zone). Abb.: Brücke über das Müglitztal - der Betrachter steht am südlichen Ende und blickt in Richtung Meuschaer Höhe

Abstract

A small outcrop in Dohna (Heidenau near Dresden) with sediments of the upper Cenomanian transgression (M. geslinianum Biozone). The profile consits of nearshore-shallow water sediments: a) basement (Granite), b) conglomerates, followed by a breccia c) and sponge-rich siltstones (Pläner) d).

obercenomane Transgressionsabfolge
obercenomane Transgressionsabfolge - Profil an der Böschung; Juni 2011
Am Profil in der Böschung (Abb. 2) ließen sich an der Basis der Dohnaer Granodiorit (a), gefolgt von Konglomeraten (b, 50cm ø und mehr) beobachten. Die gerundeten Gerölle bestehen aus Granodiorit des Untergrundes und vereinzelt aus Quarzkieseln (Abb. 4 & 5). Die Matrix wird von einem Kalk gebildet, in dem besonders Bruchstücke dickschaliger Austern dem Betrachter auffallen. Über diesem Konglomerat lagert eine Art Muschelbrekzie (c, Kalkmergel?), mit zahlreichen Schalenbruchstücken (unbestimmte Weichtierschalen, Austern, Stacheln von Cidaris vesiculosa). Im Hangenden folgt ein heller nicht sandiger Pläner (d, Abb. 6) in dem besonders im unteren Bereich zahlreiche Schwämme zu finden sind. Die Erhaltung Dieser ist leider sehr schlecht. Es handelte sich oftmals nur um reine Steinkerne, ohne erhaltene innere Struktur.

Abb. 2 links: Profil am Zufahrtsweg zum Wasserhaltebecken

Aufschluss an der Müglitztalbrücke
Aufschluss an der Müglitztalbrücke - Profil an der Böschung; Juni 2011
Gerölle (Granodiorit & Quarze) der Schicht b
Gerölle (Granodiorit & Quarze) der Schicht b - Konglomerat; Hammerspitze zeigt auf dickschalige Auster
Gerölle (Granodiorit & Quarze) der Schicht b
Gerölle (Granodiorit & Quarze) der Schicht b - Konglomerate im Wasserbeckenaufschluss, Sommer 2005

Abb. 3-5: Böschungsaufschluss 2011; Konglomerate (Schicht b) 2011 (mitte) und 2005 (rechts).

Abb. 6 unten: Pläner (Schicht d) mit zahlreichen Schwämmen

spongiolithischer Pläner
spongiolithischer Pläner - Schwammlagen im Pläner (Schicht d), Autobahnböschung, 2004
Dieses Setting spricht für die zweite cenomane (obercenomane) Transgression, bei der der präcenomane Untergrund aufgearbeitet, Gerölle abgelagert wurden und es im weiteren Verlauf verhältnismäßig zügig zu einem erheblichen Meeresanstieg gekommen ist. Dabei wurde der Untergrund nicht nivelliert (durch Erosion eingeebnet), sodass eine ehemalige felsige Küste "ertrunken" und dadurch bis heute erhalten geblieben ist (Voigt et all 1994).

Die feineren Sedimente im Hangenden zeugen von einer größeren Wassertiefe; grobe Gerölle fehlen in diesem. Ob die Pläner noch dem oberen (obersten) Cenoman angehören, oder aber schon dem unteren Turon konnte nicht belegt werden. Im obersten Cenoman wird von einer erneuten Absenkung des (relativen) Meeresspiegels ausgegangen (Tröger 2003).

Im 500 Meter entfernten ehemaligen Steinbruch am Kahlebusch wurden die Belemnitenart Praeactinocamax plenus (Blainville) nachgewiesen (Wilmsen 2010). Die Abfolge dort lässt sich also in die Zone des Ammoniten Metoicoceras geslinianum (plenus-Event) einordnen. Das der Aufschluss an der Müglitztalbrücke ebenfalls auch in diese Sequenz einzuordnen ist, scheint naheliegend.

Die geslinianum-Biozone markiert die Basis der Dölzschen-Formation (die sogenannte "Klippenfazies" gehört hierher). Das jüngste Obercenoman (oberste Obercenoman) mit dem Leitammoniten Neocardioceras juddii wurde nicht nachgewiesen (siehe oben).

Aufschluss an der A17-Müglitztalbrücke in Dohna
Aufschluss an der A17-Müglitztalbrücke in Dohna - Geologie der Dohnaer Umgebung (mit Quartär)

Darstellung der Daten auf Grundlage der Geologischen Übersichtskarte von Sachsen GÜK400 (1:400.000) des sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Geodaten © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA, WISE (eea.eu).

kreidefossilien.de
herausgewitterte Schwämme, Slg. Sahm
Heute befindet sich an dieser Stelle ein Wasserbecken - allerdings lässt sich an der Böschung des Zufahrtsweges das Profil noch sehr gut beobachten. Zahlreiche heraus gewitterte Schwämme (Abb. 7 links, Siphonia geinitzi, "?Chonella",...) ließen sich während des Baubetriebes (2004-2006) aufsammeln. Der aktuelle Aufschluss birgt mangels ausreichenden Materials wohl kaum (ansehnliche) Fossilien.

Literatur

  1. Voigt T., Voigt, S. & Tröger, K.-A., 1994. Fazies-Entwicklung einer ertrunkenen Felsküste - die obercenomane Monzonitklippe westlich von Dresden [Facies Development of a Drowned Rocky Coast - the Upper-Cenomanian Monzonite-Cliff near Dresden]. Freiberger Forschungshefte (Akademie-Verlag) Berlin. 12 S., 8 Abb., 1 Taf.
  2. Tröger, K.A., 2003. The Cretaceous of the Elbe valley in Saxony (Germany) - a review. Carnets de Géologie/Notebooks on Geology. 14 S., 7 Abb. PDF
  3. Wilmsen, M., 2010. Ablagerungen der Elbtalkreide zwischen Dresden und Schöna. [Exkursionsführer Naturwissenschaftliche Gesellschaft ISIS Dresden e.V. 5. Juni 2010) - unveröffentlicht.
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  • Schulze, 1760. Kurze Nachricht von dem so genannten Petrefactenberge ohnweit Dresden
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