Brücke über das Seidewitztal, Meusegast bei Dohna

von Markus (01.10.2004)
bearbeitet am: 11.07.2010
Seidewitztalbrücke im Frühjahr 2005 Das wohl markanteste Merkmal dieser Fundstelle, war ihr sehr interessantes Profil (Flachwasserfazies); Grauwacken (?), gefolgt von obercenomanen/unterturonen Konglomeraten und darüber Pläner mit teils sehr ästhetischen Schwämmen. Seit Freigabe der A17 ab dem Abschnitt Pirna ist dieser Fundort nicht mehr zugänglich - die Halde abgetragen, die Böschung mit dem Profil überwachsen.

Abstract

The outcrop at the Seidewitz valley near the small village Meusegast does exist during 2004/2005. A a bridge over the river Seidewitz for the motorway A17/D8 Dresden-Prague were built and made it possible to study the cretaceous in the southeast of Dohna, (Pirna). Numerous different sponges were collected at this remarkable former outcrop with an interesting geological setting/profile in the saxonian cretaceous. 1. proterzoic basement 2. conglomerats 3. marls/marly siltstone - 4. calcareous siltstone (Pläner)

Aufschluss im Herbst 2004

Im dritten und letzten Abschnitt (ab AS Pirna) wurde im Spätsommer 2004 der Bau der Seidewitztalbrücke begonnen. Ein unerwartet interessanter Kreide-Aufschluss wurde dadurch geschaffen. Der Aufschluss befand sich am nordöstlichen Ende des Seidewitztals bei Meusegast. Meusegast liegt in circa 2-3 km Luftlinie von Dohna entfernt und wurde 1999 zur Stadt Dohna eingemeindet.

Abb. 2: Brückenbaustelle vom rechten Flussufer (südlich) in RIchtung Norden fotografiert, Herbst 2004.

Aufschluss am 15.04.2006

Seit Freigabe der Autobahn ist der Aufschluss nicht mehr zugänglich. Die Böschung ist bewachsen und die ehemals ergiebige Halde abgetragen.

Abb. 3: montiertes Panoramafoto der Baustelle, 2005. 

Geologische Situation

Geologische Übersichtskarte 1:400.000

Wie groß die Ausdehnung der vermutlich obercenomanen/unterturonen Schichten am Fundort tatsächlich ist, kann in der GK25 Blatt Pirna eingesehen werden.

Darstellung der Daten auf Grundlage der Geologischen Übersichtskarte von Sachsen GÜK400 (1:400.000) des sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), OpenStreetMap.org, WISE (eea.eu).

Abb. 4: Geologische Karte im Maßstab 1:10.000 auf Grundlage der GÜK400digital von Sachsen und eigenen Ergänzungen.

Profil vom 21.10.2004

Dem präcenomanen Untergrund lagern Konglomerate und Plänermergel auf, teilweise in alternierdender Reihenfolge. Sie sind sehr reich an Schwämmen. Im Hangenden folgt ein kalkiger Pläner. In dessen unteren Bereichen fanden sich ebenfalls noch sehr viele (gut erhaltene) Schwämme von teils beachtlicher Größe.

Abb. 5: erstelltes horizontales Profil - ca. 120 Meter in S-N-Richtung.

Die Gesteinsabfolge vom Liegenden zum Hangenden an einigen Stellen im Profil: 

Profil am Seidewitztal 1. proterzoisches?/ordovizisches? Grundgestein
2. darüber Konglomerate (teilweise Quarze)
3. Mergel oder mergeliger Pläner
4. Pläner mit zahlreichen, "lagenweise" abgelagerten Schwämmen
5. Hangschutt/Boden

Abb. 6: Profil (Basis - Konglomerate - Konglomerate und Mergel traten ineinander verzahnt (im Wechsel) auf. Darüber ein kalkiger Pläner.

Die Profilfolge scheint hier die Transgression im oberen Cenoman, an der Basis des Turons zu belegen. Allerdings wurden außer den zahlreichen Schwämmen kaum weitere Fossilien gefunden.

 

aufgelagerte Konglomerate Mikropaläontolgische Untersuchungen wurden noch nicht vorgenommen. Funde von Leitfossilien blieben aus. Eine umfangreiche horizontierte Aufsammlung konnte nicht realisiert werden. Viele Funde wurden auf der angelegten Halde gemacht.

Abb.7: Der präcenomanen Basis direkt aufgelagerte Konglomerate (Phylittgerölle?, Quarze) - Zeugnisse der obercenomane Transgression?

Hervorzuheben ist neben der Geologischen Situation vor allem die Quantität und Qualität der gefundenen Schwämme.

Beachtliche Fossilfunde

So waren becherförmige Schwämme der Gattung ?Chonella mit einer Größe von 10-20 cm häufig. Einige Schwammarten sind bisher wohl nur in der böhmischen Kreide (Gebiet um Kutna Hora bei Kolin)  beschrieben worden und im sächsischen Teil bisher nicht präsent.

Andere Fossilien, wie etwa Seeigelstacheln, (?Cidaris sp. und Cidaris sorigneti) oder Austern (Exogyra sp.) und vereinzelt Muschelreste (Spondylus und Inoceramen), sowie ein unbestimmter Brachiopode stellten aber auch schon den Rest der vorgefundenen Fauna. Auch einige unbestimmbare Pflanzenreste konnten geborgen werden.

Chonella sp.: Basis abgebrochen Bei überwiegend allen Schwämmen fehlte die Basis. Diese wurden jedoch vereinzelt isoliert aufgefunden.
Ein längerer Transport der Schwämme, vor der Einbettung, fand wohl nicht statt. Dagegen spricht die überwiegend gute Erhaltung vieler Spongien. Ein großer Teil der Stücke sind stark verdrückt.

Abb. 8: Sehr gut erhaltener "Becherschwamm" - evtl. Chonella oder Seliscothon sp. Durchmesser ca. 25cm, Slg. Fengler.

Fossilliste:

Chonella
Craticularia
Guettardiscyphia
Mytiloides
Siphonia
Seliscothon
Stellispongia
?
Ventriculites
Verruculina phillipsi
(Reuss)

 

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Mytiloides sp. - Bitte klicken für größeres Bild Mytiloides sp.
Neben den dominanten Schwämmen zählten Muscheln eher zu den Raritäten auf der ehemaligen Halde, Slg. Göpfert
"Chonella" im Konglomerat - Bitte klicken für größeres Bild "Chonella" im Konglomerat
Slg. Fengler
Konglomerate - Bitte klicken für größeres Bild Konglomerate
diverse Gerölle (Phyllite?,...) mit kalkigem Pläner
Verruculina ?phillipsi (Reuss) - Bitte klicken für größeres Bild Verruculina ?phillipsi (Reuss)
aus der Ordnung der Steinschwämme (Lithistida), Slg. Fengler
Verruculina phillipsi (Reuss) - Bitte klicken für größeres Bild Verruculina phillipsi (Reuss)
Schwammkörper in typischer ohrenförmiger Ausbildung, Slg. Göpfert
Chonella sp. - Bitte klicken für größeres Bild Chonella sp.
mittelgroßer Becherschwamm, Slg. Göpfert
Craticularia (Laocoetis) sp. - Bitte klicken für größeres Bild Craticularia (Laocoetis) sp.
Slg. Göpfert
Guettardiscyphia sp. - Bitte klicken für größeres Bild Guettardiscyphia sp.
Slg. Göpfert
Guettardiscyphia sp. - Bitte klicken für größeres Bild Guettardiscyphia sp.
zwei weitere Schwammbasen, Slg. Göpfert
Guettardiscyphia sp. - Bitte klicken für größeres Bild Guettardiscyphia sp.
Slg: Göpfert
Chonella sp. - Bitte klicken für größeres Bild Chonella sp.
Schwamm mit aufgewachsener Muschel der Gattung Spondylus, Slg. Göpfert
Stellispongia - Bitte klicken für größeres Bild Stellispongia
Doppelansicht einer kleinen Schwammkolonie, Slg. Göpfert
Chonella oder Seliscothon sp. - Bitte klicken für größeres Bild Chonella oder Seliscothon sp.
komplettes Stück in zwei Ansichten, Slg. Göpfert
Stellispongia - Bitte klicken für größeres Bild Stellispongia
kleine Schwammkolonie, Slg. Göpfert
unbestimmt - Bitte klicken für größeres Bild unbestimmt
ein weiterer noch nicht näher bestimmter "Böhme", Slg. Göpfert
Stellispongia ? - Bitte klicken für größeres Bild Stellispongia ?
einer jener "böhmischen Schwämme" in zweifacher Ansicht. Slg. Göpfert
Craticularia (=Laocoetis) sp. - Bitte klicken für größeres Bild Craticularia (=Laocoetis) sp.
Slg: Göpfert
Chonella oder Seliscothon sp. - Bitte klicken für größeres Bild Chonella oder Seliscothon sp.
dickwandiger Schwamm mit grobem Porenmuster und auffälliger Randwulst, Slg. Göpfert
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Gast
Posts: 1
Kommentar
Re: Brücke über das Seidewitztal, Meusegast bei Dohna
Antwort #1 am: Mittwoch, den 02.04.2008 um 15:56:59 Uhr
Sehr schöne Schwämme.

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