Gümbel, 1868. Beiträge zur Kenntniss der Procän- oder Kreide-Formation im nordwestlichen Böhmen in Vergleichung mit den gleichzeitigen Ablagerungen in Bayern und Sachsen

Gümbel über die Kreide von Sachsen-Bayern und Böhmen

Carl Wilhelm von Gümbel, 1868. Beiträge zur Kenntniss der Procän- oder Kreide-Formation im nordwestlichen Böhmen in Vergleichung mit den gleichzeitigen Ablagerungen in Bayern und Sachsen. Abhandlungen der mathematisch-pyhsikalische Classe der königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften München 10 (2): 499-577.

Weisser Berg bei Prag.

Sobald wir über den Badschin hinaus durch das Strauber Thor vor die Stadt treten, begegnen wir sofort sandigen Schichten, welche auf Silurschiefer auflagernd der Reihe der Procängebilde angehören. Gleich vor dem genannten Thore südwärts geht man über weissliche und gelbliche, ziemlich lockere Sandsteinbildungen, in welchen rechts von dem zur Höhe führenden Fahrwege jetzt verlassene Steinbrüche sichtbar sind, in der Richtung gegen die grossen, jetzt noch in Betrieb stehenden Steinbrüche des weissen Bergs, deren Gestein das Baumaterial für Prag liefert. Die unmittelbare Grenze zwischen der Unterlage, die aus Silurschichten besteht, und dem erwähnten Sandstein ist hier nicht deutlich entblösst. Dagegen fand ich diese Grenzschichten an zwei Punkten aufgeschlossen, nämlich in einem kleinen Hohlwege der vom Dorfe Dejwitz aufwärts gegen die Kapelle auf die Höhe des weissen Bergs führt und an einem Punkte des steilen nördlichen Gehängs, wo der weisse Sand des lockeren Gesteins zum Streuen und Putzen gegraben wird.

An dem zuerst erwähnzen Hohlwege, neben dem eine breite und tiefe, durch starken Regen zufällig ausgewaschene Rinne den Gebirgsaufschluss vervollständigt, beobachtet man von oben nach unten folgende Schichten:

1) brüchlichen, dünngeschichteten, grauen, dunkelgefleckten, durch Verwitterung hellgelblich gefärbten Mergel mit nicht näher bestimmbaren Inoceramen- und Ostreen-Steinkernen und zahlreichen Exemplaren von Flabellaria cordata

2) weichen, thonigen, dünngeschichteten Grünsand

3) löcherig-porösen Grünsandstein in dickeren Lagen, stark verwitternd mit algenartigen weissen Streifen

4) festen, in Bänken geschichteten, normalen Grünsandstein

5) weichen, weisslichen, gelbstreifigen, Kaolin-haltigen, ziemlich grobkörnigen Sandstein, welcher nach unten in grobkörnigere und Rollstücke aufnehmende Lagen mit ausgezeichneten, zur Schichten stark geneigten Anwachsstreifen übergeht

Unterlage: Silurschichten.

Die obersten, in diesem Profil blossgelegten Schichten tragen einen Charakter an sich, der in einer auffallenden Weise mit dem Verhalten des über dem Hauptgrünsandstein bei Regensburg ausgebreiteten Mergels übereinstimmt. [...]

S. 506f. aus dem Digitalisat

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