Richter, 1882. Der Ursprung des Wortes Pläner

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O. Richters Deutung zum Wortursprung Pläner - Bild: de.wikipedia.org (Benutzer: Lysippos); Lizenz: CC-by-sa 2.0/de (creativecommons.org)
Otto Richter, 1882. Der Ursprung des Wortes Pläner. Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis, Dresden e.V (Zeitschriftenband 1882/83 + Mitgliederverz. 1883): 13-14.

Abb.: O. Richters Deutung zum Wortursprung Pläner - Bild: de.wikipedia.org (Benutzer: Lysippos); Lizenz: CC-by-sa 2.0/de (creativecommons.org)

Der Ursprung des Wortes Pläner.

Den Namen „Pläner" pflegt man allgemein im Hinblick auf die tafelförmige Struktur dieses Gesteins von planus, plan, eben, herzuleiten und damit einen wissenschaftlichen Ursprung des Wortes vorauszusetzen. Nun ist aber bekanntlich die Benennung Pläner eine ursprünglich nur in der Dresdener Gegend verbreitete und dort ganz vulgäre gewesen, ein Umstand, der von vornherein weit eher auf eine locale Namenbildung hinweist und die obige Annahme unwahrscheinlich macht. Als ich daher bei der Durcharbeitung der im Dresdener Rathsarchive aufbewahrten ältesten Stadtrechnungen häufig einen „Plauener Stein" als Baumaterial genannt fand, kam ich sofort auf die Vermuthung, dass dieser Stein derselbe Pläner sei, welcher in der Gegend des Dorfes Plauen bei Dresden noch heute gebrochen wird. Bei näherem Eingehen auf die Sache ward diese Vermuthung zur Gewissheit.

Während des 15. Jahrhunderts wird das fragliche Gestein, welches stets von Bauern in Plauen, Löbtau und Cotta geliefert ward und in Dresden neben dem Sandstein („Gehörne" genannt) und Ziegeln das gewöhnliche Häuserbaumaterial bildete, in den Stadtbauamtsrechnungen (seit 1427) regelmässig „Plawener Stein" oder schlechthin „Plawener" genannt. Im Anfange des 16. Jahrhunderts (z. B. in der Brückenamtsrechnung von 1520 u. a.) findet sich die Form „Plaunerstein", die sich bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts erhält. Noch in einer Brauhaus-Baurechnung von 1646 kommt der „Plaunerstein", daneben aber auch die ganz verderbte Form „Blandterstein" vor, ein Zeichen, dass bereits damals das Bewusstsein von der eigentlichen Herkunft des Wortes nichtmehr lebendig war. Es ist vielleicht kein Zufall, dass dieses Schwinden der Ueberlieferung in die Zeit des dreissigjährigen Krieges fällt, wo die Bauthätigkeit stockte und nur wenige Steine aus Plauen bezogen wurden. Die weitere Entwicklung des Wortes ist aufs Deutlichste erkennbar. In der „Amenreich'schen Hausbaurechnung" von 1674 erscheint neben dem „Plaunerstein" die weiter abgeschwächte Form „Planerstein" und die Bartholomäihospital-Baurechnung von 1694 zeigt den Abschluss der Entwicklung, denn hier tritt gleichzeitig der „Planerstein" und der „Plänerstein" auf. Von da an behauptet der „Pläner" (im Plural „Plänerte") die Alleinherrschaft.

Die Identität jenes alten Plauener Steins mit unserem Pläner unterliegt keinem Zweifel. Es findet sich nirgends eine Spur davon, dass etwa der Syenit des Plauenschen Grundes, der als Plauener Stein bezeichnet worden sein könnte, im 15. und 16. Jahrhundert gebrochen und verwendet worden sei. (Dagegen wurde schon 1491 vom Maurer Merten Hogkschar in Plauen Kalkstein aufgefunden, wofür er vom Dresdener Rathe eine Belohnung von 10 Groschen erhielt, vergl, die Stadtrechnung von 1491.) Zum Pflastern der Strassen bediente man sich damals der sogen.„Wacken", freiliegender Feldsteine, die besonders am Elb- und Weisseritzufer aufgelesen wurden, wie ebenfalls aus den Stadtrechnungen hervor-geht. Für die ganz gleichartige Verwendung des „Plauener Steins" und des „Pläners" will ich aus drei verschiedenen Jahrhunderten je eine Belegstelle anführen. Es heisst

1. in der Brückenamtsrechnung von 1509: „1 Schock 131/2 Groschen Graell zcu Plawen vor 21 Fuder Plawner Steine, ein Fuder vor 31/2 Groschen, zcur Brücken, domit die Locher ausgefullet unnd vorzcwickt."
2. in den Bauzetteln von 1622 (Act. A. XV. 31 g.): „2 Gesellen und Handlanger haben in der . . . Badstuben die Daffelsteine ... von neuen aussgearbeidet und vorsezett, auch mit Blaunerstein und Schiefer vorzwicket ..."
3. in der Rathhausbau - Rechnung von 1741: „3 Ruthen gute und zum Wiederausgleichen und Verzwickung derer neuen Mauern dienliche Plänerte sind bey Abtragung derer alten abgebrochenen Mauern und eingeschlagenen Keller gefunden . . . worden."

Ich glaube damit den ausreichenden Beweis geliefert zu haben, dass der Name Pläner sich vom Dorfe Plauen bei Dresden herschreibt. Sonderbar ist es aber, dass gerade die Plauener Sorte, die dem ganzen Gesteineden Namen gegeben, die jenige Struktur am wenigsten zeigt, auf welche dieser Name bisher zurückgeführt wurde.

Dresden, im April 1882.

Dr. Otto Richter,
Rathsarchivar.

S. 13 & 14

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