Velenovsky, 1885. Die Gymnospermen der böhmischen Kreideformation

VORWORT
Seit einer Reihe von Jahren mit dem Studium der Flora der böhmischen Kreideformation beschäftigt veröffentlichte ich bereits in den „Beiträgen zur Palaeontologie Oesterreich-Ungarns" von E. von Mojsisovics und Neumayr in Wien einen Theil meines Werkes „Die Flora der böhmischen Kreideformation", welcher in vier Heften die Dicotyledonen mit 25 Familien und 80 beschriebenen und abgebildeten Arten enthält.
Nachdem ich dann die Gymnospermen bearbeitet habe, sah ich, dass ich in Hinsicht auf den Umfang und die Unkosten, mit welchen die Veröffentlichung dieser Arbeit verbunden sein würde, auf die Publication in den oben genannten Beiträgen zur Palaeontologie lange warten müsste, aus welchem Grunde ich mich entschloss diese Partie meines Werkes selbständig zu veröffentlichen.
Da die allgemeinen Resultate sowie die vergleichenden Beziehungen der einzelnen Pflanzenarten der böhmischen Kreideformation erst im letzten Theile meiner Flora behandelt werden sollen, beschränkte ich mich auch in dieser Partie nur auf den beschreibenden Theil der darin enthaltenen Arten.
Der erste, welcher über die Kreide-Gymnospermen Böhmens geschrieben hat, war der berühmte Gelehrte Graf Kaspar von Sternberg, welcher einige Coniferen beschrieben hat, dieselben aber zumeist für Meeresalgen hielt. Etwa 10 Arten hat Corda in Reuss' „Versteinerungen der böhmischen Kreideformation" veröffentlicht, von welchen aber einige schlecht erhalten und im Sinne der beschreibenden Botanik werthlos sind.
Ein Verzeichniss der Namen der Gymnospermen der böhmischen Kreideformation hat auch Dr. 0. Feistmantel zusammengestellt (Sitzungsber. der k. böhm. Ges. der Wiss. J. 1872) und K. Renger in seiner Abhandlung über die Kreidepflanzen Böhmens in „Ziva" J. 1866, besonders die Krannera mirabilis Corda ausführlich besprochen hat. Kleinere Nachrichten über die böhmischen Kreidegymnospermen findet man in Geinitz' „Das Quadersandsteingebirge oder Kreidegebirge in Deutschland".In der vorliegenden Arbeit sind 40 Gymnospermen beschrieben, von welchen 2 Arten incertae sedis sind, 10 Arten die Cycadeen und 28 die Coniferen enthalten.
Während des Druckes dieser Arbeit wurden in den Kreideschichten Böhmens noch 10 neue Coniferen entdeckt, welche hier nicht berücksichtigt werden konnten, welche aber gleichzeitig mit einer Reihe neuer Dicotylen in dem siebenten Theile meiner Flora noch beschrieben werden. Die folgende (sechste) Abtheilung ist den Farnen gewidmet, welche in den „Beiträgen zur Paläontologie Österreich-Ungarns" noch am Ende dieses Jahres zur Publicirung gelangen dürften.
Die Abbildungen dieses Theiles sind lithographisch ausgeführt. Hie und da, wo es sich für die bessere Veranschaulichung der Zapfen oder Zweigtheile vortheilhaft zeigte, habe ich möglichst treue oder wenigstens der Wirklichkeit ziemlich gut entsprechende Restaurationen hinzugefügt.
Die Veröffentlichung dieser Arbeit war nur durch die Subvention des löblichen Comite für die naturwissenschaftliche Durchforschung Böhmens ermöglicht, welchem ich an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank ausspreche.
Mit dem herzlichsten Danke bin ich auch im grössten Masse dem Herrn Prof. Dr. Ant. Fric verpflichtet, welcher nicht nur die Veröffentlichung der vorhandenen Arbeit förderte, sondern mir auch überall bei dem Studium des grösstentheils von ihm zusammengebrachten Materiales mitseinem werthen Rath zur Hand stand.
PRAG, den 1. Juli 1885.
Dr. JOSEF VELENOVSKY.
Quelle: http://www.archive.org/details/gymnosperm00goog und http://catalog.hathitrust.org/Record/009222152

