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Dresden-Lockwitz: ehemaliger Steinbruch

tags: lockwitz, steinbruch, cenoman, turon
Die Grube im September 2006: Profil mit kristallinem Basement und obercenoman-unterturone transgressive Abfolgen
Die Grube im September 2006: Profil mit kristallinem Basement und obercenoman-unterturone transgressive Abfolgen
Der ehemalige Steinbruch im Stadtteil Dresden-Lockwitz wird seit vielen Jahren als Deponie verwendet. Von der Entsorgungsfirma AMAND wurde die Grube mehrmals erweitert. Das Gelände der Abfallgrube erstreckt sich mittlerweile bis an die Trasse der A17 und deren Anschlussstelle Heidenau.

Der ehemalige Steinbruch in Dresden-Lockwitz war für seine zahlreichen Ammonitenfunde des unteren Turons (M. nodosoides-Biozone) und teilweise des mittleren Turons (Zone des C. woollgari) bekannt (Heidrich, 1983 und Heidrich, 1986). Die Nutzung als Deponie durch die Firma AMAND Umwelttechnik hat seit etwa 2005 dazu geführt, dass ältere Schichten der Dölzschen Formation (mittleres - oberes Obercenoman, M. geslinianum-Zone, P. plenus-Event) in einem weitreichenden Profil beobachtet werden konnten. Das kristalline Basement, ein paläozoischer Syenit, gefolgt von einer transgressiven kretazischen Abfolge konnte über eine große laterale Ausdehnung erforscht werden.

Im Sonderband "Festschrift zum 80. Geburtstag von Prof. Karl-Armin Tröger" (Freiberger Forschungshefte C540, 2011) ist ein Artikel von M. Wilmsen, R Vodrazka & B. Niebuhr erschienen. In "The Upper Cenomanian and Lower Turonian of Lockwitz (Dresden area, Saxony, Germany): lithofacies, stratigraphy and fauna of a transgressive succession" wurde über die bisher in Dresden-Lockwitz nicht aufgeschlossene cenoman-turone Abfolge berichtet.

Durch die fortschreitende Verfüllung ist das in dem Artikel behandelte Profil derzeit (2011) nicht zugänglich. Eine erneute "Aufdeckung" ist wohl nicht wahrscheinlich. Die Erweiterung der Grube ist nach Auskunft der Firma AMAND nicht geplant.

Der Aufschluss liegt innerhalb des Elbtaltroges, in dem sich großflächig marine Sedimente der unteren Oberkreide (Cenoman-Coniac) erhalten haben. In den nördlichsten Ablagerungen des Sächsischen Kreidebeckens (=Teil des Böhmischen Kreidebeckens) bei Meißen finden sich kalkig-mergelige, siltige Schichten ("Pläner") und dem Elbsandsteingebirge im Süd/Südosten grobe Sandsteine; dazwischen mitunter eine Übergangsfazies. Marine Schwellen im ehemaligen küstennahen Flachwasserbereich, Inselzonen mit "Klippen" und ein tieferes Schelfmeer bilden die "Landschaft" von vor etwa 99-85 ma; geprägt von (globalen) Meeresspiegelschwankungen und den damit verbundenen veränderlichen "Ablagerungsmilieus".

grau: Festland, hellblau: Flachwasser, dunkelblau: Offshore

Die Grube zwischen Sommer 2004 und Frühjahr 2011

Die Abfolge ab etwa 2005

Die Abfolge beginnt mit einem groben Basalkonglomerat (Einheit B) der Dölzschen-Formation (mittleres bis obereres Obercenoman), aus dessen Matrix eine reiche Fauna bestehend aus Muscheln, Brachiopoden, Kieselschwämmen, Bryozoen, Echinodermen und Haizähnen geborgen werden konnte. Das Fehlen der Oberhäslich-Formation weist Lockwitz eine Schwellenposition während des frühen Obercenoman zu (Calycoceras naviculare-Zone). Das Basalkonglomerat wird überlagert von einer lentikulären Kieselschwammbank (Einheit C) und einer dunklen, tonigen Siltsteinschicht (Einheit D), die eine weitere rasche Eintiefung dokumentieren. Der obere Teil der Dölzschen-Formation besteht aus mergelig–siltigen (Einheit E) und dickbankig–sandigen Plänern (Einheit F), die eine langsame Verflachung des Ablagerungsraumes anzeigen.

Faunistisch lassen sich die Einheiten B–E dem mittleren Obercenoman (Metoicoceras geslinianum-Zone) zuordnen, der oberste Teil der Formation könnte dem obersten Obercenoman angehören. An einem scharfen Fazieswechsel wird die Dölzschen-Formation von unterturonen Mergeln der Brießnitz Formation (Einheit G) überlagert, die reich an Ammoniten und inoceramiden Muscheln sind, und deren Ablagerung in tieferem Wasser erfolgte.

Auszug Wilmsen et al. 2011 S. 27.

 

Beschreibung

Ein Großteil der unteren Abfolgen (Cenoman) ist nicht mehr sichtbar, Stand Mai, 2011.

Literatur
Funde

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