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ehemaliger Steinbruch am Kahlebusch, Dohna

tags: kahlebusch, cenoman, steinbruch, rhyolith, dohna, klippenfazies, porifera
Rhylolithgerölle in einer der unteren Brandungstasche am Kahlebusch, 2005
Rhylolithgerölle in einer der unteren Brandungstasche am Kahlebusch, 2005
Die Umgebung von Dohna bietet, wie "[...] kaum ein zweites Vorkommen cenomaner Ablagerungen eine solche Mannigfaltigkeit petrographischer Ausbildung [...] " (Häntzschel, 1933). Während viele Aufschlüsse nur von relativ kurzer Beständigkeit waren, erhebt sich der Rhyolithhärtling bis heute über der Stadt Dohna. Bis 2005 sehr stark verwachsen und verwildert, ist das ausgewiesene Naturdenkmal heute wieder leicht für Jedermann zugänglich.

Blick in den ehemaligen Steinbruch
Blick in das Gelände am Kahlbusch — eine Anhöhe oberhalb von Dohna, 2005

Steinbruchbetrieb 1930er - Blick Richtung StadtWie die Brandungsklippe "Hoher Stein" in Dresden Plauen, ist auch der ehemalige Steinbruch am Kahlbusch ein Zeugnis der obercenomanen Transgression. In älterer Literatur finden sich auch die Bezeichnungen «Kahlebusch», auf einer Karte von 1781 «Der kahle Busch», sowie «Galgenberg.  Im 19. & 20. Jahrhundert wurden an der  oberhalb vom Stadtzentrum Dohna gelegenen Anhöhe ein Steinbruch betrieben (Foto um 1930; Abb. links). Dabei wurden mehrere taschenförmige Vertiefungen im Porphyr/Rhyolith freigelegt, die vom Abbau verschont wurden. Der ehemalige Steinbruch ist heute ein geologisches Denkmal — das «Pickern» ist also verboten.

Die im oberkarbonischem Rhyolith enthaltenen Brandungstaschen  enthalten zahlreiche Fossilien der sogennanten «Klippenfazies» (Beck, 1892; Petrascheck, 1899). Diese sind Zeugnisse einer küstennahen Flachwasserfazies. Neben unmittelbar autochthonen Biozönosen (Austern-Cluster an der Taschenbasis) finden sich in derartigen Taschen auch allochthone, d.h. aus der (näheren) Umgebung eingespülte Elemente. Die eigentliche (ursprüngliche) Bedeutung von «Klippenfazies» lässt sich daher wohl nur bedingt anwenden.

Neben den beiden größten, mit groben, gut gerundeten Geröllen gefüllten Taschen (bis zu 5 m tief; Beeger & Quellmalz 1994) finden sich an der Abbaukante am östlichen Hange drei weitere Vertiefungen, die im Gegensatz dazu mit feinen Sedimenten verfüllt sind (Voigt, 1994).

Lage der Brandungstaschen, nach Voigt, 1994«Brandungskessel finden sich auf fast allen Klippen der plenus-Zone. Sie sind entweder vollständig mit Konglomeraten (Kahlebusch bei Dohna), Schill-Kalken (Hoher Stein) oder Mergeln (Kahlebusch, obere Taschen) gefüllt.» (Voigt, 1994). Abb. links: Profilskizze. Die schwammreichen Mergel (geringer Mächtigkeit oberhalb der unteren Tasche sind nicht eingezeichnet.

Diese feinen Ablagerungen finden sich auch im verschütteten/bewachsenem Bereich oberhalb der bereits erwähnten größeren Taschen (eigene Beobachtungen, 2011). Die gräulichen Mergel enthalten eine sehr reiche Schwammfauna. Walter Häntzschel untersuchte die Taschen 1931 und erwähnt Funde von Astrobolia plauensis (Geinitz), Siphonia geinitzi Zittel, Craticularia sp. und Chonella sp. Auch Austern, wie sie auch "[...] von allen Fundpunkten der Klippenfazies bekannt [...]"(Exogyra halitoidea, E. sigmoidea) sind.

Funde in den (unteren) Taschen von Metoicoceras geslinianum und des Belemniten Praeactinocamax plenus  bezeugen, dass die Füllung während des obersten Cenomans erfolgte (Petrascheck, 1899 & Voigt, 1994).  Die Verfüllung der oberen (mit Mergel gefüllten) Taschen erfolgte vermutlich im späteren Verlauf des obersten Cenomans, «[...] als die ehemalige Klippe als untermeerische Schwelle unter höherer Wasserbedeckung lag; [...]» (Wilmsen, 2010).

Beschreibung

als geologisches Naturdenkmal ausgewiesen

Literatur
Funde

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