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ehemaliger Eisenbahntunnel bei Oberau, Meißen

tags: oberau, tunnel, cenoman, geinitz
Bahntrasse am ehemaligen Oberauer Eisenbahntunnel. Blick Richtung S/SE. Das Tunneldenkmal (mitte links) markiert das ehemalige südöstliche Tunnelportal - im Rücken des Betrachters das nordwestliche Ende.
Bahntrasse am ehemaligen Oberauer Eisenbahntunnel. Blick Richtung S/SE. Das Tunneldenkmal (mitte links) markiert das ehemalige südöstliche Tunnelportal - im Rücken des Betrachters das nordwestliche Ende.
Als einer der ersten Eisenbahntunnel Deutschlands befand sich der 1839 fertiggestellte Oberauer Tunnel im nordwestlichen Teil der Elbtalkreide. Heute erinnert an das 1933 abgetragene Bauwerk eine Gedenksäule, sowie eine alte überwachsene Halde oberhalb der Bahntrasse. Bereits H.B. Geinitz beschrieb in seinen frühen Werken die geologischen Verhältnisse der Gegend um Oberau.

Oberau in Niederau bei Meißen

Gük400: 1:250.000 der ElbtalkreideIm nördlichsten erhaltenen Teil der Elbtalkreide befindet sich Oberau, der Teil der kleinen Gemeinde Niederau ist. Östlich davon befindet sich die Stadt Meißen, im Süden Radebeul und Dresden. Der historische Fundpunkt, mit seiner 170 jährigen Geschichte ist über die S177 (Radeburger Str.) zu erreichen.

Darstellung der Daten auf Grundlage der Geologischen Übersichtskarte von Sachsen GÜK400 (1:400.000) des sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Geodaten © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA, WISE (eea.eu) (siehe folgende Karten

»Der Tunnel erstreckt sich [...] in einer Weite von 904 sächsische Ellen.« (H.B. Geinitz, 1839)

Geinitz 1839: Beschreibung des TunnelsDer Bau des Tunnels war für die Erforschung der sächsischen Elbtalkreide ein Glücksfall. Durch K.C. Leonhard (1834) und C. S. Weiß (1827) wurden erste Arbeiten über eine »Klippe« in Meißen-Zscheila und Jura-Kreidevorkommen an der Lausitzer Überschiebung in Hohnstein (Sächsische Schweiz) veröffentlicht.
Abb. 2: Ausschnitt aus Geinitz' Beschreibung zum Oberauer Eisenbahntunnel von 1839.

In der ersten großen monograpischen Bearbeitung zur Elbtalkreide überhaupt, »Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsischen Kreidegebirges«, veröffentlichte der Direktor des »königlich mineralogischen Museums«, Hanns Bruno Geinitz (1839) ein Profil des damals neu errichteten Oberauer Eisenbahntunnels.

Stich von  1840Als einer der ersten Eisenbahntunnel Deutschlands überhaupt, wurde der  über hundert Meter lange Tunnel zwischen 1836 und 1839 von Freiberger Bergleuten im Vortrieb erbaut. Gut hundert Jahre später begann man 1933 mit dem Rückbau der Anlage. Das Bauwerk wurde den Anforderungen des Eisenbahnbetriebes nicht mehr gerecht.
Abb. 3: Das nördliche Tunnelportal um 1839/40 auf einem Stich. Quelle: de.wikipedia.org [L1]

Heute säumen überwucherte Abraumhalden die tief eingeschnittene Trasse und eine gemauerte Gedenksäule erinnert an das geschichtsträchtige Bauwerk. Auch heute führt die Eisenbahnlinie Reisende auf dieser Strecke von Dresden nach Leipzig.

Stratigraphie

Geinitz 1839: Profil am TunnelGeinitz besuchte die Tunnelbaustelle mehrere Male und legte sein Hauptaugenmerk auf die Verhältnisse von Gneis/Granit (Granodiorit) und den kreidezeitlichen Ablagerungen. Am nordwestlichen Portal (siehe Abb. 3), liegen obercenomane Konglomerate (Gneis- und Granodioritgerölle) dem Basisgneis auf.
Abb. 4: "Geognostisches" Profil aus Geinitz (1839) am  ehemaligen westlichen Tunneleingang.

Darüber folgen Pläner aus dem (?oberes — oberstes CenomanM. geslinianum Zone, plenus-Event), die zunächst glaukonitreich, zum Hangenden hin jedoch ärmer an Glaukonit werden.

Geologische Übersichtskarte GÜK400

Abb. 5: Geologische Übersicht bei Oberau auf Grundlage der Geologischen Übersichtskarte Sachsen 1:400.000 (mit quartären Sedimenten). Cenomane/turone Sedimente (KC-T) lagern Gneisen (stellenweise dem Granodiorit des Lausitzer-Granitoid-Komplexes) oberflächennah auf.

Profil & geologische KarteNach der Tunneleröffnung 1839 blieb das Profil für knapp hundert Jahre dem Betrachter verborgen. »Erst durch den Abtrag des Tunnels wurden neue Aufschlüsse geschaffen, die im wesentlichen die Geinitzsche Darstellung der Verhältnisse bestätigten.« (Gallwitz, 1935).
Abb. 7: Geologisches Profil des Abschnittes am ehemaligen Oberauer Tunnel von Gallwitz, 1935.

Nach Gallwitz veröffentlichten Dietze (1961) und  Köhler (1993, 2004) Arbeiten zum historischen Fundpunkt »Oberauer Eisenbahntunnel«. Die Veröffentlichungen von Köhler umfassen hauptsächlich die Cephalopodenfauna des Fundpunktes. Das Material wurde auf den stark verwachsenen, aber noch zugänglichen Halden gesammelt.

Beschreibung
keine Beschreibung verfügbar
Literatur
Funde

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