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Über die in "Naturgeschichte der Versteinerungen..." (Walch, 1768-1773) abgebildete Fossilien aus der sächsischen Kreide

tags: walch, knorr, schlotheim, schulze, plauenscher grund, historie, elbsandsteingebirge, inoceramidae
Über im 18. Jahrhundert beschriebene Fossilien der sächsischen Kreide
Über im 18. Jahrhundert beschriebene Fossilien der sächsischen Kreide
Das Werk von Johann Ernst Immanuel Walch, Die Naturgeschichte der Versteinerungen zur Erläuterung der Knorrischen Sammlung von Merkwürdigkeiten der Natur erschien zwischen 1768 und 1773 in 4 Bänden. Die von Georg Wolfgang Knorr erstellten Kupferstiche zeigen unzählige (vermeintliche) Fossilien -darunter auch Stücke aus den Sandsteinbrüchen bei Pirna und aus dem Plauenschen Grund. Walch beschrieb die von Knorr willkürlich zusammengestellten Tafeln u.a. anhand des Originalmaterials eingehender.

Update:

Bei dem als Ostracites labiatus abgebildeten Stück handelt es sich um den ursprünglichen Holotypus von "Inoceramus" labiatus (Schlotheim, 1813). Das Original ist verschollen.

Anmerkungen zur Recherche:
Das Digitalisat der Bände 1-4 ist in sehr guter Qualität unter http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-10246 (=Bildquellen, TOS) erreichbar. Teil 1 und 2 von Band 2 sind über Google Books (=BSB[1] [2,1]  [2,2]) verfügbar. Die auf Google Books vorhandene Texterkennung der Frakturschrift ist vergleichsweise gut, so dass eine Volltextsuche eigentlich nur hier brauchbare Ergebnisse liefert.

 

Inoceramen aus dem unteren Turon der ehemaligen Steinbrüche bei Pirna

Im "Zweyten Theil, erster Abschnitt" von 1769 wird im vierten Kapitel ("Von verschiedenen versteinten Muschel-Arten") auf S. 84 "Ein Ostracit aus dem[sic] Pirnischen-Sandstein-Brüchen" beschrieben und auf Tafel B.II.b**, Figur 2 abgebildet.

TAB. B. II. b**

Nr. 2. Ein Ostracit aus dem Pirnischen Sandstein-Brüchen von derjenigen Gattung, die man füglich mit dem Nahmen der quer gefalteten Ostreopinniten, wovon unten ein mehrers. Er ist in einem groben Sandstein, und so ist auch die gefaltete Fläche pur sandartig, so daß man keine Spur von der schaligten Substanz mehr wahrnimmt. Da nun diese und der gleichen Auster-Schalen auf der innern Seite ihrer Schale glatt sind, so tan dieses Petrefact unmöglich ein bloser Stein-Kern seyn. Es wird daher durch solches unsere schon eben geäusserte Muthmassung bestärket, daß oft an die Stelle der nach und nach gänzlich entweichenden Muschel-Theilgen, Theilgen der Matrix so genau eintretten, daß sie die ganze Schalen-Fläche der Muschel mit allen ihren Zügen, Erhöhungen und Vertiefungen abbilden, wenn gleich nicht das geringste mehr von den wesentlichen kalkartigen Muschel-Theilgen übrig blieben.

[Bd. 2, Teil 1, S. 84]

Das Wort Ostracit, ist seinem Ursprunge nach Griechisch (οστρεον oder ορακον). Ostreum/Ostrea/Ostracum bedeutet eigentlich eine Schale, womit ein Fisch bedeckt wird, oder auch eine Scherbe, testa.

"Dieser Bedeutung nach könnte nun zwar eine jede Muschel diesen Nahmen führen, man belegte aber sehr frühzeitig diejenigen mit diesen Nahmen, deren Schalen gleichsam aus lauter dünnen Scherben oder Lamellen bestehen."
(Oeconomische Encyclopädie, 1807, Band 105)

historische Abbildung von Mytiloides labiatus (Schlotheim, 1813) aus den Sandsteinbrüchen bei PirnaDas Stück im Detail

Tatsächlich handelt es sich um eine Inocerame, genauer um Mytiloides labiatus (Schlotheim, 1813). Schlotheim beschreibt 1813 in "Beitraege zur Naturgeschichte..." auf S. 93 das Exemplar als Ostracites labiatus.

Um welchen Steinbruch bei Pirna es sich genau handelt ist  unklar. Die als Pirnaer Steinbrüche bezeichneten Brüche erstreckten sich vom heutigen Stadtgebiet (Pirna-Copitz: Postaer Steinbrüche) bis nach Jessen (Liebethaler Brüche). Die Zuordnung zu M. labiatus lässt den Fund in das Unterturon (Schmilka-Formation) rücken.

Ebenfalls in diesem Band 2 werden zwei weitere Stücke aus den "Pirnaischen Steinbrüchen" abgebildet.

TAB. D.X.

Nr. 1. und 2. Die hier vorgelegte Auster-Art ist oben Tab. B. II. b. ** von uns vorgelegt worden. Sie kommt mit derselben genau überein, nur daß die gegenwärtigen weit gröser, als die obige sind. Sie haben auch einerley Lager gehabt, und das sind die Pirnaischen Steinbrüche gewesen. Die hier vorgelegten haben ihre Schale noch erhalten. Unserm Bedünken nach läßt sich diese Muschel-Gattung am allerschicklichsten unter die Ostreo-Pinniten rechnen, gesetzt auch, daß ihre beyde Hälften der Größe nach wenig oder fast gar nicht von einander unterschieden wären. Doch wollen wir nicht entgegen seyn, wenn man sie zu einer besondern Pinniten-Art machen will.

[Bd. 2, Teil 1, S. 152]

 

ein größeres Exemplar aus den Pirnaer-SandssteinbrüchenDie Zuordnung zu M. labiatus von Figur 2 ist meiner Meinung nach ebenfalls wahrscheinlich. Figur 1 scheint lediglich der Abdruck eines Steinkerns zu sein - möglicherweise des Figur 2 zugrunde liegenden Stückes.
Leider fehlt auch hier die Größenangabe, wobei Knorr Figur 1 und 2 als "weit größer" als das auf Taf. B. II. b**, Fig. 2 abgebildete Stück beschreibt.

In Schlotheim, 1820. "Die Petrefactenkunde ..."  wird auf S. 303 auf eben diese abgebildeten Exemplare verwiesen. Dort allerdings als "Pinnites diluvianus" bezeichnet.  

 

XVI. Pinniten.

1. Pinnites diluvianus.

Ein Exemplar mit beyden über einander liegenden, nur etwas verschobenen Hälften, größtentheils vollständig, aus Quadersandatein von Pirna. Gegen 5 Zoll lang. (I Ex.)
Knorr P. II. I. T, D. X fig. I. 2.
Diese Versteinerung kömmt zwar ziemlich häufig in dem angegebenen Sandstein vor, aber höchst selten vollständig, und fast nie mit Überresten der Schaale. Die angeführte Abbildung ist übrigens so richtig, daß keine ausführlichere Beschreibung erforderlich wird.

[S. 303]


Figur 1 und 2 sind also Abdruck und Steinkern ein und desselben Exmplares. Ob Schlotheim tatsächlich das Knorrsche Exemplar im Original vorliegen hatte wird nicht deutlich.

BEMERKUNG: Bereits 1813 verweist Schlotheim auf S. 93 auf die Knorrschen Figuren 1 und 2 (S. 93) und bezeichnet beide als Pinnites diluvianus. Wie bereits oben erwähnt, dürfte es sich, meiner Meinung nach zumindest bei Figur 2 jedoch um M. labiatus handeln.

Ein Fund aus dem Plauenschen Grund, Dresden-Dölzschen

Von den weichen pflanzenähnlichen See-Geschöpfen,
im Reiche der Versteinerung.
(von den Coralliolithen)

TAB. F. VII. b.*

Diese Tafel zeigt eine, von dem Hrn. Licentiat Christian Friedrich Schulzen in dem Plauischen Steinbruche im Jahr 1765. entdeckte Ceratophyten-Art, die, wie der Augenschein weiset, zu derjenigen Gorgonien, Gattung gehöret, welche vom Hrn. Pallas Gorgonia flabellum, in seinen Zoophyt. p. 169. genennet, von uns aber oben unter dem Namen der netzförmigen Ceratophyten beschrieben worden. Die uns von diesem Petrefact mitgetheilte Nachricht des obgedachten Hrn Lic. Schulzens wollen wir hier einrücken, wie wir sie von ihm erhalten haben. Hier ist sie: Die gegen Abend und Mittag gelegenen Anhöhen bey Dresden, bestehen fast durchgängig aus einem weißlichen oder graulichen Mergelsteine, welcher an verschiedenen Orten zu Tage aussetzet, an den meisten aber 2. bis 3. Ellen Damm-Erde über sich hat. Der in dergleichen Flözen vorhandene Stein bricht schichtweise, und in einiger Teufe in Tafeln, so 1/4 bis 1/3 Elle dicke sind, allein diese Tafeln sind durchgängig von einem dichten Gewebe, dergestalt, daß sich an selbe keine blätterichte Lagen veroffenbahren.

Da nun diese Steine, von den hiesigen Landleuten aufgesucht, und zum Bauen angewendet werden; so sindet man hier an vielen Orten dergleichen Steinbrüche, in welchen man so lange arbeitet, bis der Stein zum brechen entweder zu hart, oder die Arbeit durch das Wasser verhindert wird. Aus dieser Ursache läst sich von der Mächtigkeit dieser Flöze nichs gewisses bestimmen; dieses aber ist zu vermuthen, daß dieselben, wegen der an vielen Orten hervorragenden Felsen-Klippen, auf einem Grunde von gleicher Beschaffenheit, ruhen mögen. Wann ich jedoch die Mächtigkeit derselben, nach dem Mase einer steilen Anhöhe, die sich hier bey dem Dorfe Briesniz und nahe an der Elbe befindet, so aus dergleichen Steinen bestehet, beurtheilen sollte; so möchte sich dieselbe wohl an vielen Orten, auf 60. bis 70. Ellen erstrecken. Die obersten Lagen dieser Flöze sind, unter der Damm-Erde, insgemein sehr kurzbrüchig, und die daselbst befindliche Platten selten über 2. Zolle dicke, da man denn an eben diesem Orte, zugleich Abdrücke von verschiedenen Schal-Thieren und Seegewächsen antrift. Der gegenwärtige Stein stammt aus einem solchen Steinbruche her, der sich, zur Seite des plauischen Grundes, auf einer der größten, um Dresden vorhandenen, felsichten Anhöhe befindet, wo selbst ich in einem Umfange von 30. bis 40. Quadratschuhen, 40. bis 50. Stücke von den gleichen Abdrücken, unter einem 3. Ellen mächtigen, gelben, sündigten Boden angetroffen habe. Alle diese Abdrücke waren insgesamt von einerley Beschaffenheit, und nur in ihrer Gröse von einander unterschieden. Die kleinesten waren nicht grösser, als der längliche Durchschnitt eines Hünereyes, da hingegen die grösseren über eine halbe Elle zum Mase ihrer Höhe hatten. Wenn man die Abbildung eines gewissen Seegewächses, die sich im 6. T. des vom Rumphen herausgegebenen Herb. amboin. befindet, gegen die Beschaffenheit dieser Abdrücke hält; so zeiget sich zwischen beyden die gröste Gleichheit, dergestallt, daß mir fast kein Zweifel übrig bleibet, daß dieselben nicht von eben diesem hornartigen Seegewächse, welches Linnaus gorgoniam venulinam nennet, herstammen sollten. Im übrigen habe ich auf diesen Abdrücken niemals Spuren einer würklichen Versteinerung ausfindig machen können. Die zusammen gehörigen Platten, stelleten, so wie bey dem in Schiefer eingeschlossenen Kräutern, auf der einen Seite den Abdruck erhaben, auf der andern aber vertieft vor: und ob sich gleich auf einigen dieser Platten , die ich der freyen Luft, eine Zeit lang, ausgestellet hatte, hin und wieder etwes von den Abdrücken abblätterte; so läst sich doch nicht füglich behaupten, daß diese abgefallene Blätterchen eine Versteinerung verrathen sollten, indem an denjenigen Orten, wo solches erfolgete, der Abdruck fast gänzlich verschwand. Wie endlich diese ursprüngliche Seegewächse an diesen Ort gekommen, läst sich wohl mit Gewißheit nicht bestimmen. Hingegen läst sich auch nicht begreifen, daß durch eine Überschwemmung 40. bis 50. Stücke von einerley Gewächse, und zwar sowohl grose und kleine, in einer so kleinen Gegend sollten seyn zusammen geworfen worden. Es überführen mich verschiedene Umstände, daß unsere Gegend einmal den See-Grund müsse abgegeben haben, und wenn ich dieses annehme, so möchten sich diese Seegewächse damals an diesem Orte erzeuget und fortgepflanzet haben, zumal da sich die von diesen Gewächsen nachgehends zuwegegebrachten Abdrücke über einer Stein-Lage befunden, welche in Ansehung ihrer Schichten vermuthen läst, daß sie ihren Ursprung keinem ungestümen und in Bewegung gesetzten Wasser zu danken haben.

[Bd. 2, Teil 2, S. 63f.]

unbestimmtes (vermeintliches) Fossil aus dem Plauenschen Grund
Um was es sich handelt ist unklar. Die sichtbaren Strukturen werden in der Mitteilung von C.F. Schulze als  Abdrücke von Pflanzen gedeutet (er verweist auf den 6. Teil des "Herbarium amboinense" von Georg Eberhard Rumpf [BHL]). Möglicherweise handelt es sich um einen Schwamm.

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