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Deninger, 1905. Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation

tags: deninger, gastropoda, monographie
Deningers Werk zu den fossilien Schnecken der Kreide von Sachsen
Deningers Werk zu den fossilien Schnecken der Kreide von Sachsen
Karl Deninger, 1905. Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. Beiträge zur Paläontologie und Geologie Österreich-Ungarns und des Orients (Wilhelm Braumüller) Wien 18 : 1-35.

Abstract

DIE GASTROPODEN DER SÄCHSISCHEN KREIDEFORMATION
von
Dr. Karl Deninger.
(Mit 4 Tafeln.)

Mitteilung aus dem königl. mineralogisch-geologischen Museum in Dresden.

Im Jahre 1875 hat Hans Bruno Geinitz seine Erforschung der sächsischen Kreideformation mit dem Werke »Das Elbtalgebirge in Sachsen« abgeschlossen. Die Arbeit stützt sich auf das reichhaltige Material, welches Geinitz im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit für das kgl. Mineralog. Museum in Dresden gesammelt hat. Daß diesem verdienstvollen Werke eine Anzahl von Mängeln anhaften, dürfte den meisten Fachgenossen bekannt sein. Es fand deshalb bereits vor einigen Jahren eine Neubearbeitung der Ammoniten der sächsischen Kreide durch Petrascheck statt. Auf diesem Gebiet hatte sehr zahlreiches in den letzten Jahren gesammeltes neue Material eine Neubearbeitung besonders wünschenswert erscheinen lassen. Für die Gastropoden liegt der Fall etwas anders.

Was an neuem Material dieser Tierklasse seit der Veröffentlichung des »Elbtalgebirges« zum Vorschein gekommen ist, kann sich mit dem in diesem Werke bereits verarbeiteten durchaus nicht messen. Ganz besonders gilt dies von den Gastropoden des Cenomans. Die Fundpunkte, an denen in früheren Jahren die größte Zahl verschiedener Arten zum Vorschein gekommen ist, waren in der letzten Zeit entweder nicht mehr zugänglich (Fundpunkt am Forsthaus in Plauen, Tunnel von Oberau) oder befinden sich in einem Zustand, daß das Sammeln kaum mehr verlohnt (Gamighügel). Andere Fundpunkte, wie der Ratssteinbruch in Plauen, ergaben in der Hauptsache die häufigeren bereits bekannten Arten. In Strehlen ist gelegentlich eines Straßenbaues wieder eine hübsche Sammlung von Plänerfossilien zum Vorschein gekommen und in das kgl. Min. Museum in Dresden gelangt, aber ebenfalls hiebei fanden sich nur wenige für Sachsen neue Gastropodenarten.

Im Quadersandstein dagegen gehören bestimmbare Gastropoden zu den größten Seltenheiten. Obwohl nun unter diesen Umständen Herr Prof. Kalkowsky besonderen Wert auf den Ankauf älterer Sammlungen aus der sächsischen Kreide legte — so wurde z.B. die Sammlung des Apothekers Dr. Th. Lange (aus Dohna gebürtig) angekauft —, so muß doch das seit dem Erscheinen des »Elbtalgebirges« in das kgl. Min. Museum gelangte Gastropodenmaterial im Vergleich zu dem bereits vorhandenen als ziemlich unwesentlich bezeichnet werden. Auch das sonst in öffentlichen und privaten Sammlungen vorhandene Material, welches ich zu sehen Gelegenheit hatte, enthält nichts Neues.
Somit behandelt diese Arbeit in der Hauptsache das bereits von Geinitz im Elbtalgebirge bearbeitete Material. Daß hier eine Neubearbeitung notwendig geworden war, liegt wesentlich an dem zum Teile den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechenden Abbildungen im Elbtalgebirge. Bei der Herstellung dieser Abbildungen sind in den meisten Fällen Rekonstruktionen besonders der Mündungen vorgenommen worden, welche sich zum Teile als der Wirklichkeit nicht entsprechend ergaben. Auch sind die Skulpturen vieler Formen, besonders kleiner Formen stark schematisch wiedergegeben. Die Darstellung dieser kleinen Gastropoden, die durchwegs unter einer starken Lupe gezeichnet werden mußten, gehört sicher zu einer der schwersten Aufgaben für einen Zeichner, wodurch sich diese Ungenauigkeiten einigermaßen erklären. Auch einige andere merkwürdige Versehen sind vorgekommen. Ich möchte nur an die Elbtalgeb. I, Taf. 6o, Fig. I, wiedergegebenen Mundwülste von Cerithium Guentheri erinnern, welche sich als angeklebte Schalenstücke ergaben.
Aus diesen Gründen war die Benützung des Uberwiegenden brauchbaren Teiles des «Elbthalgebirges« in Bezug auf Gastropoden in hohem Grade erschwert und diesem Mangel abzuhelfen ist der Zweck der vorliegenden Arbeit.
Für die Anregung zu dieser Arbeit sowie für die Überlassung des Materials des kgl. Min.-Museums in Dresden sage ich Herrn Professor Kalkowsky an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank.
Hervorheben möchte ich, daß sich die Bestimmungen von Geinitz zum größten Teile aufrecht erhalten ließen. Einige schlecht begründete Arten mußten gestrichen und in zahlreichen Fällen Gattungsbestimmmungen geändert werden. Ferner ergaben sich manche Ergänzungen und Berichtigungen in der Synonymik. Wo neue Zusätze überflüssig erschienen, habe ich mich auf Zitieren des »Elbtalgebirges« beschränkt. Der Hauptwert wurde auf korrekte Abbildung der in der Hauptsache von Geinitz beschriebenen Arten gelegt und dabei zum großen Teile die Originale von Geinitz benützt.

Das Vorkommen von Gastropoden ist in der sächsischen Kreide im wesentlichen an zwei Horizonte geknüpft; und zwar entstammt die Mehrzahl aller Arten dem cenomanen Pläner, wie er im plauenschen Grunde und am Gamighügel entwickelt ist. Er liegt hier bekanntlich transgredierend auf dem älteren Gebirge meist Syenit auf und läßt deutlich erkennen, daß seine Ablagerung in geringer Meerestiefe erfolgt ist. Die Fazies ist ziemlich wechselnd und schwankt zwischen groben Syenitkonglomeraten und feinen Mergelschichten. Von besonderem Interesse sind für uns hier die geologischen Verhältnisse einiger Lokalitäten, von denen das Hauptmaterial der cenomanen Gastropoden stammt.

Die wichtigsten von diesen, der Fundpunkt am Forsthaus in Plauen, ist leider jetzt nicht mehr zugänglich. Was etwa von Pläner dem Bahnbau nicht zum Opfer gefallen ist, liegt tief unter Schutt vergraben, und ich kann deshalb nur auf die Beschreibung von Geinitz verweisen, der eine charakteristische Abbildung von dieser Lokalität gibt. (Elbtalgeb. I, S. 13.) An der Basis des Pläners fanden sich hier als Ausfüllung zwischen Syenitblöcken Mergellagen, die noch einzelne Gerölle von Syenit umschlossen. Diese Mergel ergaben neben einer reichen Ausbeute von kleinen Muscheln, Tafeln von Seesternen, Seeigeln, Korallen und Bryozoen eine merkwürdige Mikrofauna von Gastropoden. Von den in dieser Arbeit aufgeführten 89 Gastropodenarten aus dem Cenoman wurden nicht weniger als 72 an dieser Lokalität gefunden, von denen der überwiegende Teil von anderen Fundpunkten noch nicht bekannt ist. Die hier vorkommenden Arten sind durchwegs sehr kleine Formen und da solche Mikrofaunen aus dem Cenoman anderwärts nicht beschrieben worden sind, erklärt es sich, daß sich so außerordentlich wenige Beziehungen zu Arten anderer Fundpunkte auffinden ließen. So konnte ich z. B. von den zahlreichen Cerithien-Arten, die hier die stattliche Entfaltung von 28 Arten aufweisen, nur 6 mit denen anderer Fundpunkte identifizieren. In einigen wenigen Fällen ließen sich mit den Zwergformen des Forsthauses übereinstimmende große Exemplare in cenomanen Plänerschichten an anderen Fundpunkten nachweisen.

Wo sonst fossilführende cenomane Plänerschichten vorkommen, wie im Ratsteinbruch in Plauen und in Koschütz, enthalten sie meist in zahlreichen Exemplaren aber meist recht schlecht erhalten eine Anzahl von Gastropoden wie Pleurotomaria Geinitzi, Nerita nodosa, Turbo- und Trochusarten. Betrachten wir nun die Beziehungen der cenomanen Gastropodenfauna zu derjenigen anderer Gegenden, so sind, wie schon erwähnt, die Anknüpfungspunkte nicht sehr zahlreich. Vor allem ist auffallend wie wenig Arten (nur 6) sich bisher in der böhmischen Kreide nachweisen ließen. Diese gehören wesentlich dem cenomanen Hippuritenkalk von Koriczan an.

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Taxonomic ranks shown on mouse-hover may differ from the taxonomic alignment in the publication. Because of the multiple appearances of genera in different taxonomic kingdoms (e.g. Siphonia is a genus in Protozoa→Granuloreticulosea and Animalia→Demospongea) you should verify the taxon (its rank) with the publications description or the link to the Paleobiology Database. Additionally, due to the lack of data at the source "Catalog of Life" perhaps no further data for an extinct taxon is provided here at all.

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