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Eastman, 1894. Beiträge zur Kenntniss der Gattung Oxyrhina, mit besonderer Berücksichtigung von Oxyrhina Mantelli Agassiz

tags: eastman, fische, oxyrhina
C.R. Eastman: Dissertation über die fossilien Reste der Hai-Gattung Oxyrhina
C.R. Eastman: Dissertation über die fossilien Reste der Hai-Gattung Oxyrhina
Charles Rochester Eeastman, 1894. Beiträge zur Kenntniss der Gattung Oxyrhina, mit besonderer Berücksichtigung von Oxyrhina Mantelli Agassiz. Palaeontographica - Beiträge zur Naturgeschichte der Vorzeit. 41 (3-4) (E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung) Stuttgart: 149-191.

Abstract

Beiträge zur Kenntniss der Gattung Oxyrhina
mit besonderer Berücksichtigung von Oxyrhina Mantelli Agassiz

von
Charles R. Eastman.
Hierzu Tafel XVI—XVIII.

Historische Einleitung.

Die fossilen Haifischzähne des Lamnidae-Typus, welche Agassiz vor 50 Jahren mit grossem Scharfsinn in eine Anzahl Gattungen und Species zerlegte, gehören nicht allein zu den schönsten und best erhaltenen Fischüberresten, sondern auch zu den am längsten bekannten. Da sie fast überall in den tertiären Ablagerungen recht häufig sind, so verfehlten sie auch nicht, ihrer auffallenden Form und ihres Aussehens wegen, in fast jedem Land und Zeitalter die Aufmerksamkeit und das Staunen des Volkes zu erregen.

Dem praehistorischen Menschen, wenigstens in America, dienten sie als Pfeilspitzen und zu anderen Werkzeugen, und die Eingeborenen Brasiliens sollen sie auch bis zu unserer Zeit in ähnlicher Weise ver-wendet haben. — In Italien sind sie besonders häufig und unter dem gemeinsamen Namen Glossopetrae oder Ornithoglossae waren schon den alten Römern bekannt, denn sie werden von ihren Schriftstellern erwähnt, und von dieser Zeit an veranlassten sie eine Menge recht auffallender Theorien zur Erklärung ihrer Natur und Herkunft. Im Allgemeinen aber hielt man sie entweder für Naturspiele sammt den mit ihnen vorkommenden Petrefacten, oder man glaubte in ihnen die versteinerten Zungen von Vögeln, Schlangen und anderen Thieren zu erblicken. Indessen wurde eine Reihe recht sonderbarer Fabeln daran angeknüpft, welche immer eifrigst wiederholt wurden. Eine solche, welche erst im Mittelalter auftauchte hat sich sogar bis in dieses Jahrhundert erhalten. Sie gibt nämlich an, dass der Apostel Paulus auf Malta von einer Schlange gebissen worden sei, worauf er sie verfluchte und eine ungeheure Menge davon tödtete. Weiter berichtet die Legende, dass diese Schlangenzähne ein Schutzmittel gegen Gift und allerhand Krankheiten seien und daher findet man selbst in den Schriften der hervorragenden Aerzte des 16. Jahrhunderts Rathschläge über die Darstellung und den Gebrauch dieser trefflichen Arznei. Dass dieser Aberglaube keineswegs am Anfang des 17. Jahrhunderts verschwunden war, beweist die folgende, ganz ernst gemeinte Vorschrift des bekannten Carolus Lang in seiner „Historia lapidum figuratorum Helvetiae", welche drei Auflagen erlebte, die letzte im Jahre 1735.

Externea. Externe suspenduntur e collo puerorum auro vel argento inclusi, ad arcendam eonmi epilepsiam et pavorum, nonnunquam dentifriciis admiscentur ad dealbandos dentes, gingivarumque acidum absorbendum" p. 50, Aufl. 1708.

Der erste aber, der die Glossopetrae richtig deutete und zwar durch Vergleich mit Zähnen lebender Haie, war Favius Columna, oder Colonna, dessen „Dissertatio de Glossopetris" erst im Jahre 1616 veröffentlicht und als Anhang zu den drei lateinischen Auflagen von Augustinus Scilla's Werke,' „De Corporibus Marinis" herausgegeben wurde, und zwar 1747, 1752 und 1759.  

Scilla, der von Beruf Maler und Dichter war, zeigt sich in dieser durchaus wissenschaftlichen Arbeit als ein sehr scharfsinniger Beobachter und beweist gerade bei der Besprechung der Glossopetrae eine für seine Zeit fast erstaunliche Kenntniss dieses Gegenstandes. Er begründete schärfer und erweiterte durch die vergleichende Methode die Ansicht Columna's, so dass es ihm nicht allein gelang nachzuweisen, welche unter den recenten Haien ähnliche Zähne besitzen, sondern auch die Stellung zu bezeichnen, welche die fossilen im Gebiss einnehmen. Er sagt sogar:

„Ja die Haifischzähne sind auf solche Weise neben einander gefügt, dass man leicht angeben kann, zu welcher Seite ein jeder gehört, welche dem Halse am nächsten stehen, welche neben der Schnauze, welche zur rechten und welche zur linken liegen, und da in dem Gebiss eines Haifisches die Zähne der linken Seite nicht denen der rechten entsprechen, noch die oberen den unteren, so lässt sich bei jedem beliebigen Zahn ohne weiteres bestimmen, in welchen Kiefer und Kieferast er gehört."

Fast zur gleichen Zeit mit Scluis erschien auch die Abhandlung des dänischen Gelehrten Steno, der viele Jahre in Italien lebte. In dieser Arbeit beleuchtete er die Anatomie eines Haifisches aus dem Mittelmeer und es war darin unter anderem betont, dass die Zähne dieses Fossils ganz genau übereinstimmten mit jenen aus den Erdschichten von Toscana. Ferner versuchte er, recente und tertiäre Muscheln mit einander zu vergleichen und stellte eine ganz zureichende Erklärung des Fossilisationsprocesses auf. Im Allgemeinen ist sein grosses Werk sehr wissenschaftlich, und da der Verfasser eine merkwürdige Einsicht in die Geologie besitzt, bietet es ein besonderes Interesse.

Ebenso wie Scilla's Arbeit erlebte auch jene von Steno drei Auflagen, wovon eine in die englische Sprache übersetzt wurde. In Folge der Verbreitung dieser drei grundlegenden Werke einestheils und durch fortwährend neue Entdeckungen unter Anwendung der vergleichenden Methode anderntheils hörte der Glaube an Schlangenzungen allmählich auf. Dass jedoch die Frage gern disputirt wurde, beweist die grosse Anzahl mehr oder weniger eingehender Abhandlungen darüber, welche nicht allein in Italien, sondern auch in England, Frankreich und insbesondere in Deutschland erschienen. [...]

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