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Engelhardt, 1892. Über böhmische Kreidepflanzen

tags: engelhardt, böhmen, flora
H. Engelhardt, 1892: Über Pflanzen aus der tschechischen Kreide
H. Engelhardt, 1892: Über Pflanzen aus der tschechischen Kreide
Hermann Engelhardt, 1892. Über böhmische Kreidepflanzen. Mitteilungen aus dem Osterlande - Neue Folge (Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes) Altenburg 5: 86-118.

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Abstract

Treffliche größere Arbeiten des Herrn Dr. Velenovsky in Prag haben seit einigen Jahren die Augen der Geologen auf die Flora der böhmischen Kreideformation gerichtet. Wohl waren schon vorher durch mehrere Werke anderer Forscher einzelne Glieder derselben bekannt gegeben worden, doch ließen diese nicht einmal annähernd den Reichtum ahnen, den die böhmischen Kreideschichten in einer ziemlich zahlreichen Anzahl von Fundorten an solchen in sich bergen.

Das Vorhandensein von Kryptogamen und Gymnospermen überrascht uns an dieser Flora nicht, sind diese doch aus den älteren Formationen nur zu sehr bekannt, wohl aber das plötzliche und zugleich zahlreiche Auftreten von dikotyledonen Gewächsen. Es drängt sich uns dabei die Frage auf: Waren diese, wenn auch in geringerer Zahl der Arten, schon früher vorhanden? Wir wissen es nicht zu sagen; gefunden wurden wenigstens bis jetzt in älteren Schichten keine. Und trotzdem wäre die Möglichkeit ihres Bestehens während deren Bildungszeiten nicht ausgeschlossen. Bedenkt man, daß von der gewaltigen Fülle der Pflanzen, die die Jetztzeit aufzuweisen hat, nur ein verschwindend kleiner Rest in Schichten eingebettet wird, der Riesenanteil jedoch keine Spur von sich zurückläßt, und daß dies wohl von jeher so gewesen sein wird, so kann es uns nicht auffallen, wenn eine frühere Zeit, in welcher die Dikotyledonen, weil erst entstanden, nur sporadisch zerstreut und in kleinen Häuflein auftraten, uns keine Kunde von ihnen hinterließ, zumal wenn an ihren Wohnorten keine Gelegenheit zur Einreihung in die Archive der Erde sich bot. Und wäre es dennoch der Fall gewesen, könnten sie nicht während der auftürmenden, versenkenden und zerstörenden Arbeit der Erdbildung verschwunden oder unseren Blicken wenigstens entrückt sein?
Daß wir bis jetzt die vermeintlichen Urkotyledonen nicht aufzufinden vermochten, ist noch kein Beweis dafür, daß sie in Zukunft nicht aufgefunden werden könnten, hat ja der Mensch bis jetzt nur wenige Blätter in dem großen Erdrindenbuche umgeschlagen und sind ihm ganze Partieen derselben durch die Entstehung der heutigen Meere entrückt. Wie leicht kann da, wo heute ein solches ist, die Ursprungsstätte derselben gewesen sein. Bedenken wir weiter, dafs nach unserem Wissen jede Art ihr besonderes Schöpfungscentrum hat, von dem sie sich ausbreitet, wohin es ihr nur möglich ist, so müssen wir für diese Reisen in die Weite auch eine entsprechende Zeit annehmen, die nicht karg bemessen werden darf, da wir finden, daß an oft weit entfernten Stellen Überreste derselben Species aufbewahrt sind. Wohl giebt es Pflanzen, die sich binnen kurzer Zeit ein großes Terrain zu erobern imstande sind, doch gehören zu ihnen nicht die Dikotyledonen, die die Kreideschichten überlieferten. Müssen wir denn nicht, um Vorgänge in der Vorwelt zu enträtseln, unsere Augen auf die der jetzigen richten und erstere streng nach letzteren beurteilen? Und kann sich da, wenn solche nicht genau berücksichtigt werden, nicht leicht der Irrtum einstellen, Schichten, weil sie gleiche Species enthalten, für gleichzeitig auszugeben, obwohl sie nach einander sich gebildet haben? Vielleicht, daß uns noch einmal die Kunde vom Funde einer oder mehrerer zweisamenlappiger Pflanzen in älteren Perioden überrascht und den Satz von ihrem erstmaligen Auftreten während der Kreidezeit zu Nichte macht wie Ähnliches ja auch schon auf dem Gebiete der Zoopaläontologie erlebt worden ist. Wohl könnte man, um ihr plötzliches Erscheinen und ihre schnelle Ausbreitung zu erklären, auf uns unbekannte, wohl gar nur damals vorhandene Kräfte zurückgreifen, es hieße dies aber das Gebiet der Naturforschung verlassen und das Land der Wunder beschreiten. [...]

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