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Ettingshausen, 1867. Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen

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C. von Ettingshausen über die Kreidefloren der Niederschönaer Schichten
C. von Ettingshausen über die Kreidefloren der Niederschönaer Schichten
Constantin von Ettingshausen, 1867. Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen, ein Beitrag zur Kenntniss der ältesten Dicotyledonengewächse. - Sitzungsberichte der Königlich-Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe Wien 55 : 235-264.

Abstract

Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen,

ein Beitrag zur Kenntniss der ältesten Dicotyledonengewächse.
Von dem с. M. Prof. Dr. Const. Freih. v. Ettingshausen.

(Mit 3 Tafeln.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 17. Jänner 1867.)

Die Pflanzenreste führenden Schichten des Schieferthones im unteren Quader von Niederschoena bei Freiberg sind schon seit Langem bekannt. Sternberg beschrieb in seinen Beiträgen zur Flora derVorwelt sechs Pflanzenarten aus denselben. Seither erweiterten Zenker, Bronn, Geinitz u. A. die Kenntniß über diese fossile Flora. Doch sind bisher hauptsächlich nur Filices, Cycadeen und Coniferen, im Ganzen 13 Arten dieser interessanten Kreideflora, hingegen die zahlreichen Reste von Dicotyledonen, welche zu den ältesten der Erde gehören, noch nicht genauer untersucht und bestimmt worden.

Da ich nun durch die Güte des Herrn Prof. Beyrich in Berlin die vielen im königl. Museum daselbst aufbewahrten aus der Cotta'schen Sammlung stammenden Pflanzenfossilien von Niederschoena zu untersuchen in die Lage gekommen bin, so glaube ich dem Wunsche des hochverehrten Senders dadurch am besten zu entsprechen, daß ich das Resultat der Untersuchung und die von mir bestimmten neuen Arten als einen Beitrag zur Kenntniss dieser vorweltlichen Flora der Öffentlichkeit übergebe.

Die allgemeinen Resultate der Untersuchung sind:

1. die fossile Flora von Niederschoena ist eine Landflora mit rein tropischem Charakter.
2. Von den 42 Arten, welche ich unterscheiden konnte, fallen auf die Thallophyten 3, auf die Acotyledonen 4, auf die Gymnospermen 5, auf die Monocotyledonen 2 Arten. Die Dicotyledonen zählen 28 Arten und zwar die Apetalen 16, die Gamopetalen 1, die Dialypetalen 11 Arten. Die Artenzahl der Gymnospermen und niederen Dicotyledonen verhält sich demnach zu der der höheren nahezu wie 2:1. Im gleichen Verhältnisse steht die Zahl der ausgestorbenen Gattungen zu jener der recenten.

3. Die Flora von Niederschoena hat mit anderen fossilen Floren I6 Arten gemein. Von diesen sind 14 bezeichnend für die Flora der Kreide-Periode; Eine Art kommt auch in der Wealden- und Eine in der Tertiärformation vor. (Siehe die beifolgende Tabelle.)

4. Die Analogien dieser vorweltlichen Flora mit der Flora der Jetztwelt sind in nähere und entferntere abzutheilen. Zu den ersteren gehören jene fossilen Pflanzenarten, welche nicht nur jetztlebenden Geschlechtern eingereiht, sondern zu welchen auch jetztlebende Arten derselben als unverkennbar verwandte Ähnlichkeiten gefunden werden konnten. Ich will hier nur als die wichtigsten hervorheben: Pteris Reichiana, welche der P. Kinghiana Endl., einer auf der Insel Norfolk wachsenden Art, Aspidium Reichianum, welche dem auf den Philippinen einheimischen A. ligulatum Kunze am meisten entspricht; Ficus bumelioides, der ostindischen F. nitida Thunb., Rhopala primaeva, der brasilianischen R. inaequalis Pohl; Ranksia longifolia, der neuholländischen R. spinulosa R. Brown, am meisten analog.

Die Mehrzahl der Arten ist jedoch den entfernteren Analogien beizuzählen. Für viele derselben konnten die Familien bestimmt werden, welchen sie angehörten und für einige auch die nächst verwandten Gattungen wenigstens muthmaßlich bezeichnet werden.

5. In der Kreideflora von Niederschoena sind folgende Vegetationsgebiete der Jetztwelt repräsentirt:

a) Neuholland durch eine der Gattung Frenela verwandte Cupressinee, durch eine auch in der Flora der Tertiärperiode vorkommende Ranksia-Art, durch zwei mit Dryandra, durch eine mit Lomada und durch eine der Gattung Conospermum nahe verwandte Proteaceen;
b) Ostindien durch einige Ficas-Arten und durch eine Laurus-Art;
c) Südafrika durch eine Gleicheniacee, eine Protea-Art und durch eine der Gattung Pterocelastrus nahe verwandte Celastrinee;
d) Brasilien, Westindien und Nordamerika durch je Eine Art.

6. Bei der Vergleichung der in dieser Flora erscheinenden ältesten Dicotyledonen-Formen mit jenen anderer fossiler Floren fand ich für die Mehrzahl der Arten die nächst verwandten Analogien in der Flora der Tertiärperiode.

Am auffallendsten ist die Verwandtschaft von Fagus prisca mit Fagus Feroniue; von Ficus protogaea mit Ficus lanceolata; von F. bumelioides mit einer in der fossilen Flora von Sagor vorkommenden noch nicht beschriebenen Ficus-Art; von Artocarpidium cretaceum mit A. integrifolium aus der fossilen Flora von Sotzka; von Daphnogene cretacea mit D. polymorpha; von Dryandroides latifolius und D. Zenkeri mit den in der älteren Tertiärflora verbreiteten Dryandroides hakeaefolius und D. acuminatus; von Apocynophyllum cretaceum mit A. haeringianum ; von Acer antiquum mit A. decipiens der Tertiärflora der Schweiz; von Callistemophyllum Heerii mit C. melaleucaeforme der tertiären Flora von Häring; von Palaeocassia lanceolata mit Cassia Phaseolites der fossilen Floren von Sotzka und Radoboj ; von Inga Cottai mit I. europaea der fossilen Flora von Häring.

Von anderen Abtheilungen des Pflanzenreiches sind einige bisher für die Tertiärflora aufgestellte Gattungen wie Xylomites, Frenelites, Culmites, Caulinites auch in der Kreideflora von Niederschoena durch eigenthümliche Arten repräsentirt.

7. Durch das Vorherrschen der Proteaceen (mit 6 Gattungen und 7 Arten) der Gymnospermen (mit 3 Gattungen und 5 Arten) und der Leguminosen (2 Gattungen und 3 Arten) nähert sich diese Flora ihrem Charakter nach einerseits den Floren von Neuholland und Oceanien, andererseits der Flora der älteren Tertiärperiode. Durch die verhältnißmäßig reichlichere Repräsentation der Gymnospermen und Filices aber ist sie von beiden verschieden und schließt sich den älteren Secundärfloren an. [...]

Auszug S. 235-237

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