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Hettner, 1887. Gebirgsbau und Oberflächengestaltung der sächsischen Schweiz

tags: hettner, geologie, monographie, elbsandsteingebirge, sächsische schweiz
Hettner, 1887. Gebirgsbau und Oberflächengestaltung der sächsischen Schweiz
Alfred Hettner, 1887. Gebirgsbau und Oberflächengestaltung der sächsischen Schweiz. Verlag von J. Engelhorn (Stuttgart): 1-245.

II. Gliederung und Lagerung der sächsischen Kreidebildungen.
Quadersandstein und Pläner.

Die Schreibkreide, welche der Kreideformation oder, wie wir nach den Beschlüssen des geologischen Kongresses jetzt eigentlich sagen müssten, dem Kreidesysteme den Namen gegeben hat, fehlt im Gebiete der sächsischen Schweiz vollständig. Die unbedingt vorherrschenden Gesteine sind hier der Quadersandstein und der Pläner, weshalb manche Autoren auch schon vorgeschlagen haben, den Namen Quadersandstein oder Plänerformation an die Stelle des Namens Kreideformation zu setzen, ein Vorschlag, der mit Recht zurückgewiesen worden ist, weil der Quadersandstein und der Pläner ebensogut wie die Schreibkreide nur lokale Vorkommnisse sind. Der Quadersandstein ist ein Quarzsandstein mit geringem thonigem oder eisenschüssigem Bindemittel, das seinen Namen von der eigentümlichen quaderförmigen Absonderung erhalten hat; er liefert das vorzügliche Baumaterial, welchem die Bauten Dresdens einen Teil ihrer Schönheit verdanken, und welcher elbabwärts auch nach Berlin und anderen Städten gebracht wird. Der Pläner ist meist durch eine plattenförmige Schichtung oder Absonderung ausgezeichnet 1) und tritt entweder als ziemlich reiner Kalkstein (bei Strehlen und Weinböhla) oder als Mergel auf oder geht auch in einen kalkigen, mergeligen oder thonigen Sandstein (Plänersandstein) über.

Gliederungsversuche.

Anfangs glaubte man, den Quadersandstein überhaupt als das untere, den Pläner als das obere Glied der sächsischen Kreideablagerungen ansprechen zu dürfen. Aber im Jahre 1838 zeigte Naumann 2), dass die Plänerdecke ,am östlichen Gehänge des Gottleubathales unter den dortigen Quadersandstein einkriecht, und dass die meisten Sandsteinmassen der sächsischen Schweiz nicht unter, sondern über den Pläner gelagert sind", und er sprach zugleich die Vermutung aus, dass der Pläner dem Gault, der darunterliegende Sandstein der unteren, der darüberliegende Sandstein der oberen Abteilung der Kreideformation anderer Länder, namentlich Englands, entsprächen. Römer und Geinitz erhoben aus paläontologischen Gründen gegen diese Auffassung Einsprache und parallelisierten den Pläner vielmehr mit dem englischen Chalk marl. Es darf heute als eine feststehende Thatsache gelten, dass die beiden unteren Abteilungen der Kreidezeit, nämlich Neocom und Gault, in Sachsen ebenso wie in  Schlesien, Böhmen und dem ausseralpinen Bayern, überhaupt fehlen, dass Quader und Pläner den Abteilungen des Cenoman, Turon und Senon angehören. Auch im einzelnen ist die Gliederung und Parallelisierung der sächsisch-böhmischen Kreideablagerungen durch die eingehenden Untersuchungen von Rominger, Reuss, Geinitz, Gümbel, Hochstetter, Jokely, Krejci, Fric, Schlönbach u. a. -wesentlich gefördert worden, obgleich sie noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden kann 1).

Als unterstes Glied der sächsisch-böhmischen Kreidebildungen werden von allen Autoren die pflanzenführenden Schichten betrachtet, welche an einzelnen Stellen dem unteren Quadersandstein eingelagertsind (Schichten von Niederschöna Geinitz, Perucer Schichten Krejci und Fric).

Darauf folgt oder damit gleichzeitig beginnt der eigentliche untere Quadersandstein, dem die untere Abteilung des Pläners teils auflagert, teils äquivalent ist: Unterer Quader und unterer Pläner (Geinitz), Unterplänersandstein und Unterplänermergel (Gümbel), Korycaner Schichten (Krejci und Fric), erste Zone oder Zone der Trigonia sulcataria und des Catopygus carinatus (Schlönbach). Bei Dresden liegt auf dem unteren Pläner, nur durch eine Thonschicht getrennt, der mittlere Pläner von Geinitz, der, wie Gümbel nachwies, nach Pirna hin in den Cottaer Bildhauersandstein (mittlerer Quader von Geinitz) übergeht. Gümbel selbst bezeichnet diese Stufe als Mittelplänersandstein, die böhmische Landesdurchforschung als Weissenberger. [...]

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