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Nessig, 1898. Geologische Exkursionen in der Umgegend von Dresden

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R.W. Nessig 1898: Geologischer Exkursionsführer für die Umgebung von Dresden
R.W. Nessig 1898: Geologischer Exkursionsführer für die Umgebung von Dresden
Robert Wilhelm Nessig, 1898. Geologische Exkursionen in der Umgegend von Dresden. Verlag von C. Heinrich (Dresden): 1-169.

Teil I & II

Abstract

6. Goldene Höhe

Die Exkursion soll uns als Tagestour in das Gebiet der Kreideformation führen, wie sie, nach einer jedenfalls erheblichen Erosion der turonen Schichten, noch heute auf dem elbthalgebirgischen Hange rechts der Weißeritz entwickelt ist. Wir beginnen unsern Marsch, am besten an einem klaren, sonnigen Herbsttage, wenn ein frischer Ostwind die Rauchmassen aus dem Elbthale fegt, in Leubnitz und wandern auf der Straße nach Goppeln aufwärts.
Dabei kommen wir aus dem Gebiet des Brongniartimergels, der jüngsten cretaceischen BIldung hier im Elbthale, in das Revier immer älterer, aber höher liegender Schichtgesteine, bis wir im Unterquader der goldenen Höhe die ältesten, cenomanen Schichten antreffen, welche das Döhlener Rotliegende diskordant überlagern.

Wir passieren die Müllersche Ziegelei, in deren Gruben der Labiatuspläner in der Tiefe angetroffen wird, und erreichen in Goppeln den Horizont der Carinatensandsteine, da nach der Höhe zu die Pläner durch Gröerwerden der Körner und Abnahme des Kalkgehaltes in Plänersandsteine und echte Sandsteine übergehen. Wenn wir bis zum Rittergute am Ostende des Dorfes und dann rechts ab nach dem THalgrunde gehen, so finden wir an dessen Hange einen verlassenen Bruch, in dem der dünnplattige Labiatussandstein von dem unterlagernden Carinatensandstein durch eine 1 1/4 m mächtige Thonsandschicht getrennt wird und die Schichten flach nach dem Elbthale zu einfallen. Zur Straße zurückgekehrt, wenden wir uns links und wandern westwärts das tiefe Thal begleitend, welches in das Rotliegende eingewaschen ist. Über dieser Formation lagert der Unterquader, in welchem zwei rechts befindliche, verlassene Brüche angesetzt sind, welche dieselben Lagerungsverhältnisse offenbaren wie der Aufschluß bei Goppeln. Auch am jenseitigen Thalhange, unterhalb Golberode, sind Anbrüche des Quaders mit gleichen Lagerungsverhältnissen erkennbar. Auf der Straße fortwandern passieren wir Rippien und den Beharrlichkeitsschacht, durch dessen Kohlenfeld die Verwerfungen des roten Ochsen und des Beckerschachtes hindurchsetzen, die das Absinken der hangenden Schichten nordwärts zur Folge hatten.
Der rote Ochse weist fünf Sprünge auf und eine Gesamtsprunghöhe von 120m. Im Süden, jenseits der Thalmulde, erhebt sich der Wilisch und im Sattel der Lugberg, während südostwärts, oberhalb der die Umgebung beherrschenden Babisnauer Pappel, der lange Rücken des aus Brongniartiquader aufgebauten Schneeberge den Horizont begrenzt. In der flachen Mulde vor uns, in welcher das Rotliegende auf den Feldern mit seiner charakteristischen Farbe allerorten hervortritt, bemerken wir die Anlagen des Becker- und des Berglustschachtes.

Bald geht rechts ab ein Fahrweg in einen mit Birkengehölz bewachsenen Steinbruch, in dem der über der Thonsandbank lagernde Labiatussandstein stark eisenschüssig ist und drei mürbe Lagen aufweist, die rotbraune bis bläulich-braune, meist hohle Nieren von Brauneisen in großer Zahl enthalten. Auch die THonsandbank ist reich an solchen BIldungen.

Der Thonsand erwies sich nach dem Aufweichen und Abschlämmen der thonigen Trübe aus kleinen, fast staubähnlichen QUarzkörnern bestehende, untermischt mit zarten, weißen Glimmerblättchen.

Aus dem Bruche führt uns eine Kirschallee auf den Weg nach der goldenen Höhe, man kann aber auch zur Straße zurückkehren und, nach etwa 300m Wegs, rechts abgehen nach einem Aufschluß im Felde, wo 1897 noch der letzte Rest des zum Ausstrich kommenden Rotliegenden in Gestalt von Gneis-Porphyr-Konglomeraten sichtbar war. Hier greift die mit 5-7° nach Nordost einfallende Quaderdecke diskordant auf das Rotliegende über, welches in der Tiefe aus arkoseartigem Sandstein besteht und eine vom Beharrlichkeitsschacht mit 8m Mächtigkeit durchstoßene Quarzporphyrdecke zwischen geschaltet enthält. Möglicherweise hat diese Decke mit der des, vom Glückaufschachte durchteuften, Quarzporphyrs von Kleinnaundorf einst in Zusammenhang gestandenen.

Wir gewinnen nunmehr den Weg, welcher zur goldenen Höhe hinaufführt und genießen von dort, bei klarem Wetter, eine herrliche Rundsicht nach der Elbe zu auf das sich sanft abdachende Gehänge, wie vor allem auf die Tafelberge der sächsischen Schweiz, vom Lilienstein bis zu dem langgezogenen hohen Schneeberge. Auch südwärts bietet das Landschaftsbild vielfache Abwechslung.

Wir gehen südwärts, um das Gasthaus herum und steigen über mit Briken bewachsene Schutthalden hinab in den langgestreckten Bruch von Mirus und Müller. Bei der bedeutenden Länge des durch den Aufschluß gebotenen Profiles (ca. 600m) kann man in seltener Deutlicheit das mit 5-7° stattfindene Einfallen der Sandsteinbänke nach dem Elbthale zu erkennen, ebenso wie die Gliederung des durch die Thonsandschicht in zwei Horizote geschiedenen Quadergebirges. [...]

Auszug S. 145 ff.

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Teil I erschien 1897, Teil II erschien 1898

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