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Obst, 1909. Die Oberflächengestaltung der schlesisch-böhmischen Kreide-Ablagerungen

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E. Obst über die postkretazische Oberflächengestaltung
E. Obst über die postkretazische Oberflächengestaltung
Erich Obst, 1909. Die Oberflächengestaltung der schlesisch-böhmischen Kreide-Ablagerungen (Ein Beispiel für die Einwirkung der Diluvialperiode auf das Relief der deutschen Mittelgebirge). Mitteilungen Der Geographischen Gesellschaft in Hamburg ( L. Friederichsen & Co.) Hamburg XXIV: 85-191.

Kapitel I.

Der geologische Aufbau der schlesisch-
böhmischen Kreideformation.

Grundlegend für alle späteren Arbeiten über die Geologie unseres Gebietes waren ohne Zweifel die vorzüglichen Forschungen Beyrichs, wenngleich ihn auch teilweise der Mangel an genügenden Aufschlüssen zu irrigen Vorstellungen über den Bau des Kreidegebirges führte. —

Er nahm an, dass in der Zeit zwischen dem Rotliegenden uud dem Absatz der Kreideformation — die Zeit glaubte er wegen des Fehlens der dazwischen liegenden Formationen nicht näher bestimmen zu dürfen — grosse Veränderungen in den Formen des kristallinischen Gebirges eingetreten seien, und dass also beim Hereinbrechen des Cenomanmeeres die Kreide in fertigen Buchten und Mulden zum Absatz gelangte. In diesem Sinne schreibt er:1) „Von Neu-Tscherbeney (nördlich von Cudova) bis über Neu-Biebersdorf hinaus sieht man die Kreideformation in unmittelbarer Berührung mit den von Graniten durchsetzten kristallinischen Schiefern, welche das böhmisch-glätzische Grenzgebirge zusammensetzen, und findet dann weiter die Kreideformation über die relativ niederen Teile dieses Gebirges ausgebreitet wie eine unregelmässig begrenzte Decke, die nur zwischen Neu-Biebersdorf und Pohldorf jenseits Nesselgrund mit dem bedeutendsten Teil der Kreideablagerungen, dem Kreidegebiet Glatz-Schildberg, zusammenhängt; dieser mittlere Teil füllt also Busen und Buchten des kristallinen Schiefergebirges aus, während der östliche Teil der Kreideablagerungen, von Oberschwedeldorf und Putsch anfangend, die golfartig bis Schildberg reichende Gebirgseinsenkung erfüllt." — Die späteren Arbeiten haben allerdings zu dem Ergebnis geführt, dass diese Vorstellung nicht ganz den wirklichen Verhältnissen entspricht, dass die Kreideschichten nicht in fertigen Buchten des

1) Beyrich in Roths Erläuterungen zu der geognostischen Karte vom Nieder-
schlesischen Gebirge. Berlin 1867

Urgebirges zum Absatz gelangten und in diesen dann in ihrer ursprünglichen Lagerung verblieben sind, sondern vielmehr starke tektonisehe Störungen nach Ablagerung der Kreidesedimente stattgefunden haben, bei denen die Kreideschichten ohne wesentliche
Veränderung der horizontalen Lagerung in die Tiefe sanken, wo sie der Verwitterung und Abtragung widerstehen konnten, während die auf den hochgelegenen Gebirgsschollen verbleibenden Reste bald der Zerstörung anheimfielen. Eine genaue geologische Zeitbestimmung dieser Bruchperiode, welche übrigens das gesamte Sudetengebirge erfasste, ist schwierig; absolut genau ist nur die Angabe postcretaceisch und präglacial. Da nun die glacialen Studien Partschs zu dem Resultat geführt haben, dass die heutigen Talsysteme im Diluvium bereits vorhanden waren, so wird man folgern dürfen, dass das durch tertiäre Schollenbewegung geschaffene Gebirge während der Pliocänperiode vollkommen Zeit zur Ausgestaltung gehabt hat. Für die hauptsächlichsten Dislokationen ist also die jüngste Tertiärzeit (Pliocän) zweifellos auszuschliessen'). Wenn man weiterhin mit Frech die sudetischen Brüche mit den nordwestböhmischen Dislokationen und Massenausbrüchen in Verbindung bringt, so gelangt man zu dem Schluss, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Bruchbildung etwa in der zweiten Hälfte des Miocän zum Abschluss gelangt ist und man somit ein oligoeänes Alter der Verwerfungen annehmen darf. Zu demselben Resultat kommen übrigens auch Kalkowsky 2),
Petraschek 3) und Gürich. 4)

In ihrem geologischen Aufbau stellen die schlesisch-böhmischen Kreidesedimente keineswegs eine Einheit dar, so dass es zweckmässig erscheinen wird, eine Gliederung einzuführen und folgende drei Gebiete nacheinander zu behandeln:

a. das Kreidegebiet von Adefsbach-Weckelsdorf,
b. das Heuscheuergebirge und die Reinerz-Nesselgrunder Höhen,
c. das Neissegebiet.

a. Das Gebiet von Adersbach-Weckelsdorf kann kurz gekennzeichnet werden als eine ausgeprägte Mulde ohne jegliche tektonische

[...]

1) Vergleiche hierzu F. Frech: Über den Bau der schlesischen Gebirge. Geogr. Zeitschrift Bd. 8, 1902. Heft 10. Seite 558.
2) E. Kalkowsky: Über einen oligocänen Sandsteingang an der Lausitzer Überschiebung bei Weinböhla in Sachsen. Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden, 1897. Seite 86.
3) W. Petraschek: Über eine Diskordanz zwischen Kreide und Tertiar bei Dresden. Ebenda 1901. Seite 108.
4) Gürich: a. a. 0. Seite 173.

Auszug S. 90f.

Quelle & Download: http://archive.org/details/dieoberflaecheng00obst

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