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Pelz, 1904. Geologie des Königreichs Sachsen in gemeinverständlicher Darlegung

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A. Pelz über die Geologie von Sachsen
A. Pelz über die Geologie von Sachsen
Alfred Pelz, 1904. Geologie des Königreichs Sachsen in gemeinverständlicher Darlegung. Ernst Wunderlich (Leipzig): 1-161.

Abstract

XV. Das Kreidemeer.

In verschiedenen Zeitperioden wurden die Gebirge von innen heraus wirkenden Kräften aufgewölbt und durch die äußeren Einwirkungen der Sonnenwärme, des Frostes, der atmosphärischen Niederschläge, der Flußläufe, des Windes, der Tiere und Pflanzen wieder zerstört. Man hat berechnet, daß im letzten Jahrtausend von jedem Flecklein deutscher Erde eine mindestens 250 m hohe Wassersinle abgelaufen ist, wodurch jährlich 10 cbm Gestein in .den Flüssen zum Meere verfrachtet und das zum Ozean entwiisserte Land in 10000 Jahren um 1 m abgetragen wird. So führt der Rhein seiner Mündung jährlich 5 8/4 Millionen, der Ganges aber gar 520 000 Millionen Kubikmeter Schlamm zu. Die EIbe entführt jährlich Böhmen ca. 1200000 cbm fester Substanzen. Bei solchen Zahlen ist es nicht wunderbar, daß im Laufe langer Zeiten selbst die höchsten Gebirge zerstört und ihr Material dem Ozean zugetragen wird.

Füllt man ein Glas mit trübem Flußwasser, so setzt sich die Trübe nur langsam zu Boden. Vom Rheinwasser wird berichtet, daß es sich erst nach 12 Monaten aller seiner Bestandteile entledigt. Setzt man aber dem trüben Flußwasser etwas Salz zu, so schlägt sich die gesamte Flußtrübe in einer halben Stunde zu Boden.

Dieser Vorgang wiederholt sich im größten Maßstab in dem Einmündungsgebiet der Flüsse. Unter dem Einßuß des Salzgehaltes des Meeres sinken die trübenden Bestandteile des Flußwassers auf den Grund. Sie können darum nicht weit mit in das Meer hinausgenommen werden, und man findet sie deshalb längs der Küsten in einem 100-600 km breiten Saum, dem Gesetz der Schwerkraft nach sortiert, als geröIlführenden, sandigen oder tonigen Kontineotalseblamm von meist graublauer oder grüner Farbe abgelagert. Lokal ist derselbe auch gelb (Gelbes Meer) oder rot (Mündung des Amazonenstromes), je nach den Gebieten, die die Flösse durchströmten. Bald beherbergt er eine große Fülle von Muscheln, Würmern und anderen Tieren und ist reichlich mit Algen bewachsen, bald ist er unbewohnt. Durch die beständige Wasserbewegung werden die tonigen Bestandteile des Schlammes allmählich ausgewaschen, während die Sandkörner zurückbleiben. Bei Ebbe liegt die sandige Fläche trocken. Der Wind trägt die Sandkörnchen der Küste zu und reinigt sie immer mehr vom Staub. So wachsen längs der Küste hohe Sandwälle, die Dünen, aus dem Meere heraus. Im. Mündungsgebiet der Flösse heben sich die Schlammassen in vielen Fällen über den Meeresspiegel in die Höhe, sodaß es zur Deltabildung kommt. Hier stellen sich bald mancherlei Pflanzen ein, die das neugebildete Land vor der Wiederabschwemmung schützen. An der tropischen Küste ist es die Mangrove, welche den Verlandungsvorgang auf das kräftigste unterstützt.
Weiter hinaus, wo der Sand feiner wird und die tonigen Bestandteile reichlicher auftreten, siedeln sich Austern in ganzen Bänken an. Hier leben auch andere kalk,schalige Tiere. Die Schalen der abgestorbenen Individuen sammeln sich am Boden und werden von den Wogen zu Kalksand zerrieben, der sich mit dem Schlamme mischt. Der Kalksand kann schließlich so überhandnehmen, daß er allein den Boden des Meeres bedeckt. So ändert der Kontinentalschlamm, je weiter von der Küste entfernt, seine Beschaft'enheit. Er ist zunächst grobkörnig und führt einzelne Gerölle, wird feinkörnig-sandig, tonige Bestandteile werden häufiger, kalkige stellen sich ein und dominieren schließlich.

Wo sich die Wogen in felsigem Terrain immer nene Gebiete erobern, unterhöhlen sie die Felsen der Küste, bis Stück um Stück herabstürzt. In der Brandung werden die Blöcke so durcheinander geschüttet und gerieben, daß sie bedeutend verkleinert und abgerollt oder gar in Sand und Schlamm aufgelöst werden. Einzelne Felsen bleiben stehen. Sie umgeben als unterseeische oder überseeische Klippen die Küste mit einem gefährlichen Kranz. An ihnen und, soweit sie nicht über den Spiegel des Wassers bei Ebbe hervorragen, auf ihnen, siedelt sich eine reiche Tierwelt von besonderem Charakter an. Da die hier lebenden Tiere beständig der Gefahr ausgesetzt sind, von den Wellen mit fortgerissen und an ihnen nicht zusagende Stellen des Meeresgrundes versetzt zu werden, so sind sie mit Haftapparaten ausgestattet. Es finden sich festsitzende Korallen und Schwämme, dnrch Fäden angeheftete Zweischaler , besonders Austernart.en. Andere Stellen sind angebohrt von Bohrmuscheln oder Seeigeln, die sich so ein sicheres Haus bauen. Dazwischen bemerkt man viele Armfüßer und kleine Napfschnecken. Letztere hängen so fest an der Wand, daß man 8 kg daranhängen müßte, um sie abzulösen. Auf den Muschelschalen, den Korallen und Schwämmen bant sich die Serpnla spitzzulaufende wnrmförmige Röhren, oder fertigen die Mooskorallen (Bryozoen) ihre zierlichen Geflechte. Viele Fische halten sich in der Nähe auf und beweiden die 80 gescha:ffenen Nahrungsplätze.

Einzelne Korallenstücke werden losgerissen und in Verein mit den Schalen verendeter Tiere in der am Ri:ff sehr lebhaften Brandung zerrieben, so daß das Wasser daselbst meist von Kalkschlamm getrübt ist. Zwischen den tierischen Bauten wird derselbe zu einem Kalkmergel angehäuft, in dem oft auch die . widerstandsfähigen Teile der Fische, Zähne und einzelne Knochen begraben werden. Oft. werden durch deu Kalkschlamm ganze Bänke von Zweischalern erstickt. Er dringt auch in die Kelchö:ft'nungen der Korallen, so daß sie zugrunde gehen müssen; neue Generationen entstehen, und so häufen sich im Laufe der Zeiten ganze Schichten, bestehend aus Kalkmergel mit eingebetteten vollständigen Resten der Tiere, die das Material zu jenem lieferten. Um den Fuß der Klippe aber können sich genau wie sonst auf dem Boden der Flachsee die normalen Schichten des Kontinentalschlammes ansammeln. Verhärten die Lagen des oben beschriebenen Kalksandes oder die eben geschilderten Kalkabsätze, 80 entstehen Kalksteine, wie sie sich in allen Formationen der Erde finden.

Auszug S. 87ff.

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