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Neues von der OPAL & Der Verfall von Aufschlüssen im Tharandter Wald

tags: tharandter wald, opal, göhler, steinbruch, verfall
T. Göhler 2010: vorläufige geologische Karte der Gegend von Haida (bei Niederschöna, Freiberg)
T. Göhler 2010: vorläufige geologische Karte der Gegend von Haida (bei Niederschöna, Freiberg)
Timo Göhler (Freiberg) hat kürzlich seine dritte Ausgabe des Informationsblattes zur Webseite kreidegeologie.de veröffentlicht. Neben einer vorläufigen geologischen Karte der Gegend bei Haida (Niederschöna, Freiberg) beschreibt er den Verfall der alten Sandsteinbrüche im Tharandter Wald. Bei Haida waren 2010 durch den Bau der Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung (OPAL) die Sedimente der 2003 erstmals beschriebenen Mobschatz-Formation (Obercenoman) in einem größerem Umfang aufgeschlossen.

Die Ablagerungen der Mobschatz-Formation (MF) beginnen mit einem Basiskonglomerat von geringer Mächtigkeit. Darüber lagern feine bis mittelkörnige Quarzsandsteine, sowie Sedimente einer schluffig-tonig-kalkigen Fazies. Die MF verzahnt sich mit von Sandsteinen geprägten gleich alten Sedimenten der Oberhäslich-Formation (OF), die von (groben) Sandsteinen geprägt ist. Im böhmischen Teil der Kreide sind die mittleren Abschnitte der Peruc-Korycany-Formation die zeitgleiche Einheit. Stratigraphisch liegen MF und OF im Obercenoman unterhalb der sog. Dölzschen-Formation (DF, oberstes Cenoman). Die Typuslokalität findet sich an der Autobahn A4 Dresden nach Chemnitz bei Dresden-Mobschatz und Dresden-Leuteritz.

Die für ihre Flora bekannt gewordene untercenomane Niederschöna-Formation (NF) konnte ebenfalls im Rohrleitungsgraben der OPAL beobachtet werden. Im Gegensatz zu den ehemaligen  historischen Fundstellen in Niederschöna konnten aber keine Pflanzen geborgen werden. Die historischen Funde von Blättern der Gattung Credneria und Co. stammen aus abgebauten Tonlinsen, die innerhalb der fluvialen Sedimente des sogenannten Niederschönaer Flusssystems abgelagert wurden.

Neben dem mittlerweile dritten Beitrag zur "OPAL-Kreide" bei Haida/Niederschöna hat T. Göhlerden Verfall der Aufschlüsse im Tharandter Wald zum Thema gemacht. Die mannigfaltige Geologie des  Gebietes Tharandter Wald hat seit Jahrhunderten Steinbrüche hervorgebracht. Neben den kleinen Schürfen, die bei "Versuchen auf Kohlen" entstandenen sind, existierte eine rege Sandsteinindustrie. Der feine Dünensandstein wurde für Mühlsteine genutzt. Die Goldene Pforte des Freiberger Doms wurde ebenfalls mit diesem Material erbaut.

Forstabfälle im Tharandter WaldHeute lassen sich viele Aufschlüsse im Gelände nur noch erahnen. Die forstliche Nutzung vermeintlich weniger bedeutender Gruben bzw. deren Reste beschleunigt die Einebnung - die Angleichung an die Umgebung. Konkret bedeuted das, dass Gruben und Schürfe verwildern oder als "praktische" Endlagerstätte für allerlei forstlichen Abfall genutzt werden.

 

Der berühmte, als Geotop ausgewiesene Sandsteinbruch am Flügel Jägerhorn in Grillenburg ist "[...] mehr Biotop, als ein Geotop" . Der Verfall hier scheint ein Ergebnis mangelnder Bereitschaft (seitens öffentlicher Stellen?) zu sein auch nur die geringste Restqualität zu wahren, die ein Geodenkmal zu einem Geodenkmal macht. Der Zugang über das sumpfige Gelände wurde früher mittels Holzbohlen gewährleistet. Heute ist der Zutritt in das überaus idyllische Steinbruchgelände nur noch über das Unterholz möglich. Der breiten Öffentlichkeit bleibt das Gelände wohl eher verschlossen.

Lichtblicke sind die Bemühungen einen existierenden geologischen Lehrpfad zu modernisieren. An bedeutungsvollen Orten wurde vom Förderverein "Geologie im Tharandter Wald e.V." ein gutes dutzend neuer Erläuterungstafeln aufgestellt. Diese stehen an den Porphyrfächern bei Mohorn oder an der Typuslokalität des Spechthausener Kugelpechsteins.

Die Artikel und mehr zur Geologie im Tharandter Wald und Umgebung gibt es im Informationsblatt "BGSK" auf www.kreidegeologie.de.

Quellen

  1. T. Göhler, 2010. Beiträge zur Geologie der sächsischen Kreide - Informationsblatt zur Webseite www.kreidegeologie.de (Freiberg). 2010 8/9.
  2. A. Uhlig, 1941. Die cenoman-turone Übergangszone in der Gegend von Dresden. - Mitteilungen der Reichsstelle für Bodenforschung Freiberg (21): 5-74.
  3. K.A. Tröger, 2003. Fazielle Differenzierungen des marinen Ober-Cenoman im Tharandter Wald zwischen Freiberg und Dresden sowie ihre Ursachen. - Göttinger Arbeiten zur Geologie und Paläontologie (Universität Göttingen, Geologisches Institut) 5: 95-101.
  4. LithoLex: Datenblatt zur Mobschatz-Formation

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