Danzig, 1875. Das Quadergebirge südlich von Zittau

Emil Danzig, 1875. Das Quadergebirge südlich von Zittau. - Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS (Warnatz & Lehmann) Dresden 6 (1874-1875): 8-20. Abb.: Emil Danzig: Zittauer Kreide

[...] Es bleibt uns nun noch Übrig, so weit es nicht schon im bisherigen Verlauf der Betrachtung geschehen ist, einiges über die oberen Schichten des oberen Quaders anzuführen. Die petrographischen und Lagerungs-Verhältnisse sind schon beschrieben worden. Wir führen nur noch einmal an, dass sie entweder auf die tieferen Schichten aufgelagert sind, z. B. nördlich und östlich von Lückendorf, sowie bei Chriesdorf, oder aber eine Anlagerung an die letzteren bilden, so z. B. am auffälligsten zwischen Hayn und Oybin, ferner bei Nieder-Lichtewalde und östlich vom Plissenberge ungefähr an der Grenze zwischen Johnsdorf und Schanzendorf. Den angeführten Verhältnissen nach würden die Grenzen dieser oberen Abtheilung gegen die untere des oberen Quaders etwa folgende sein: im Westen etwa eine Linie vonder Mitte zwischen Johnsdorf und Waltersdorf, südlich bis zum Nordfuss des Plissenberges gezogen, nördlich und östlich eine Linie am nördlichen Fusse der östlichen Gebirgshälfte (mit Ausnahme der Strecke von Pass bis Pankratz, an der der untere Quader das Gebirge gegen Norden abschliesst) bis Chriesdorf, von hier aus westlich dürfte die Südgrenze auf eine kurze Entfernung, etwa bis Seifersdorf, mit der südlichen Grenze des Gebietes zusammenfallen, während eine von dieser Ortschaft nordwestlich bis in die Mitte des Strassberges reichende Linie, die sich von da ein Stück in nördlicher Richtung bis zum Lückendorfer Forsthaus etwa wenden und dann westlich am Süd-usse der Brandberge und am nördlichen Abhang des Hochwaldes hin bis zum Nordfusse des Plissenberges geben würde, ihre Abgrenzung vervollständigt. — Wie schon gesagt wurde, sind Fossilien selten und oft undeutlich. Lima canalifera Goldf. findet sich in den Mühlsteinbrüchen von Johnsdorf und im Quader zwischen Johnsdorf und Oybin nicht selten; am „Weissen Stein" östlich von Johnsdorf findet sich Ostrea frons Park., die sich durch ziemlich bedeutende Grösse von der in den tieferen Schichten häufig vor-ommenden, die immer nur klein bleibt, auszeichnet. Im grobkörnigen Quader bei Pass, an der Grenze des oberen und unteren Quaders, findet sich Exogyra Columba Lam., wenn er nicht noch zu den Schichten des letzteren gehört, was wegen mangelnder Aufschlüsse und leitender Versteinerungen schwer zu entscheiden ist.

Zum Schlusse sei noch folgende kurze Bemerkung gestattet. Dem südlichen Tbeile des böhmischen Quadergebirges, in der Gegend von Leitmeritz und Teplitz, fehlt der obere Quader; das oberste Formationsglied bildet daselbst der obere Pläner, und erst nördlich hiervon tritt jener auf. Nimmt man nun an, dass das norddeutsche Kreidemeer, von dem ein Meerbusen nach Sachsen, Schlesien und Böhmen eindrang und hier seine Niederschläge absetzte, von Süden nach Norden zurückgewichen sei infolge der Erhebung der südlichsten Strecken des Meeresgrundes, so würde die Anlagerung der obersten Schichten des oberen Quaders an die südlich davorliegenden tieferen hiermit in vollstem Einklang stehen.

Auszug S. 20

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