Katzer, 1892. Geologie von Böhmen

Einleitung
Mit Recht führt Böhmen den Beinamen der Perle in der Kaiserkrone Oesterreichs; denn an Schönheit und Reichthum überragt es thatsächlich alle übrigen Länder. Wäre es uns möglich von seinem Herzen aus uns so hoch zu erheben, dass wir es mit einem Blicke umfassen könnten, wir würden staunen ob der Fülle, Mannigfaltigkeit und Pracht dessen, was hier auf verhältnissmässig beschränktem Räume vereint erscheint. In lieblichem Wechsel reihen sich kuppenreiche, waldbedeckte Berggegenden an weitgestreckte Plateaus mit einförmig sanft welliger Oberfläche und dem ruhigen Aussehen einer Feldlandschaft, die jedoch weder reich sind an tief eingeschnittenen Thälern von eigenartiger Schönheit. Berg und Thal, Fels und Ackerkrume, Fluss und Teich, Dorf und Stadt, — Alles verbindet sich in Böhmen zu einem Gesammtbilde, das den Vergleich mit keinem anderen Lande zu scheuen braucht.
Oberflächenbeschaffenheit, landschaftliche Schönheit. Fruchtbarkeit, Reichthum seines Gebietes, die Entwicklung seiner Industrie, ja selbst Eigenheiten seiner Bevölkerung — Alles steht im Zusammenhange mit dem geognostischen Aufbaue, dessen Kenntniss und Verständniss daher die einzig richtige Grundlage für eine entsprechende Beurtheilung des ganzen Aussehens des Landes, sowie der Beschaffenheit aller Theile desselben bildet.
Es ist klar, dass mit Rücksicht hierauf die genaue geologische Durchforschung und die Zugänglichmachung ihrer Ergebnisse für die weitesten Kreise von besonderer Wichtigkeit ist. In diesem Sinne haben auch die k. k. geologische Reichsanstalt in Wien und das Comite zur naturwissenschaftlichen Landesdurchforschung in Prag ihre Aufgabe aufgefasst und in der That —jene seit den 50ger Jahren dieses neuerer Zeit — in Bezug auf die geologische Erforschung Böhmens sehr Erspriessliches geleistet.
Auch sonst hat sich seit F. A. Reuss (Vater), in welchem wir den ersten Geologen verehren, der sich mit einigen Gegenden Böhmens wissenschaftlich genauer beschäftigt hat, eine bedeutende Anzahl von Fachmännern mit der geologischen Erforschung einzelner Landestheile befasst. So namentlich von den älteren F. X. Zippe, Leop. Von Buch, Gumprecht, Riepl, Nöggerath, Klipstein, Naumann, Cotta, Geinitz, Barrande; unter den jüngeren neben A. E. Reuss (Sohn) allen voran die Geologen der k. k. geolog. Reichsanstalt Ferdinand V. Hochstetter, M. V. Lipold, R. v. Zepharovich, J. Jokely, D. Stur, H. Wolf, V. Lidl^ v. Andrian, M. Paul u. a.; ferner von den heimischen Forschern J. Krejci, A. Fric, G. C. Laube, K. und O. Feistmantel, R. Helmhacker, sowie viele Andere, deren Namen weiterhin genannt und deren Arbeiten benützt werden sollen.
Die Ergebnisse der Einzelforschungen sind auch einigemal in übersichtliche Beschreibungen des ganzen Landes zusammengefasst worden, und zwar 1822 von L. A. Dlask in dessen kleiner „Orognosie Böhmens'';*) dann bedeutend wissenschaftlicher und mit der, diesem ausgezeichneten Forscher eigenen Klarheit 1831 von F. X. M. Zippe in der „Uebersicht der Gebirgsformationen in Böhmen"; **) ferner 1854 von Aug. Em. Reuss in einer „Kurzen Uebersicht der geognostischen Verhältnisse Böhmens" ; ***) 1860 von J. Krejci in einem Werke, f) das, obwohl allgemeineren Charakters, Böhmen in erster Reihe berücksichtigen sollte, aber leider nur bis zur Beschreibung der Silurformation gedieh. Hierauf verfasste ebenfalls in böhmischer Sprache A. Fric ein kleines Buch, welches 1869 erschien und in populärer Weise neben allgemeineren Fragen besonders die geognostischen Verhältnisse Böhmens bespricht. In demselben Jahre erfolgte die Veröffentlichung von Franz R. von Hauer's Begleitworten zu dem I. und II. Blatte der geologischen Uebersichtskarte der österreichischen Monarchie,*) auf welchen das ganze Königreich Böhmen nebst Theilen der Nachbarländer dargestellt ist. Diese Begleitworte sind in Wirklichkeit eine kurz gefasste Geologie Böhmens.**) Ein Decennium später, 1879, wurde von J. Krejci dessen umfangreiche Geologie ***) beendet, welche schon am Titel besagt, dass sie mit besonderer Berücksichtigung des Cechoslavischen Gebietes verfasst wurde und thatsächlich Böhmen in so eingehender Weise behandelt, dass sie häufig rundweg als Geologie von Böhmen bezeichnet zu werden pflegt. 1882 gab J. De Morgan ein hübsch ausgestattetes Buch über unseren Gegenstand heraus, welches strengeren Anforderungen in allen Stücken zwar nicht entspricht, aber immerhin Brauchbares enthält. Einer in böhmischer Sprache verfassten, kurzen Skizze der geologischen Entwickelung Böhmens, die ich im Jahre 1885 und 1886 erscheinen liess, möchte ich nur nebenbei erwähnen. [...]
Auszug S. 1-3
Quelle: www.google.com/books?id=N8y_AAAAIAAJ (nur mit US-Proxy)
oder http://www.archive.org/details/Katzer1892GeologievonBoehmen


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Antwort #1 am: Sonntag, den 14.03.2010 um 18:00:27 Uhr