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Der "Plauische Grund" zwischen Dresden und Freital

tags: plauenscher grund, historie, hornsteine, a17, coschütz, dölzschen, plauen, freital
Lithographie aus E. Sommer, 1835: Saxonia - Museum für sächsische Vaterlandskunde (Google Books)
Lithographie aus E. Sommer, 1835: Saxonia - Museum für sächsische Vaterlandskunde (Google Books)
Der Plauensche Grund ist ein Durchbruchstal im Süden der Stadt Dresden. Vom Stadtzentrum kommend, bildet der heutige Dresdner Ortsteil Plauen das "Tor" zu diesem beliebten Naerholungsziel. Der Plauensche Grund erstreckt sich, bei Plauen eng begrenzt, bis nach Thrandt, wo das Tal sich bereits deutlich ausgeweitet hat. Vom Bergbau und Steinbruchbetrieb geprägt, sind Einblicke in Geologie und die Geschichte des Tales noch heute möglich.

Der Plauensche Grundumfasste eine (ehemals urige) Landschaft zwischen dem Dorf Plauen (in Abb.1  links) im Nordosten und den Ortschaften Freital und Tharandt im Südwesten (in Abb.1 auf der rechten Bildseite). Der Begriff stand für eine ländliche Gegend vor den Toren der Residenzstadt Dresden. In älterer Literatur finden sich die Schreibweisen "Plauischer Grund" sowie "Plaunscher Grund". Auf dessen Hängen wurde Wein angebaut; entlang dem Elbezufluss Vereinigte Weißeritz, entstanden viele Mühlen.

Topographische Karte von 1799

Abb. 1: Historische topographische Karte des Plauenschen Grundes von Dresden-Plauen (linke Seite) bis Freital von 1799[1]. Die Karte ist nicht genordet. Am oberen Bildrand ist Südöst - Norden befindet in etwa in Richtung der unteren linken Ecke (siehe Pfeil).(Originalversion von archive.org)

Im und am Pl. Grund befanden sich Ortschaften, wie "Koschitz" (Coschütz), "Töltzschen" (Dölzschen) und das Dorf Plauen am nordwestlichen schmalen Ausgang des Grundes. Heute gehören die ehemaligen Dörfer im und oberhalb des Pl. Grundes zu Freital (z.B. Potschappel), oder wurden zur Stadt Dresden eingemeindet.

Detail am Rande: in historischen Ansichten finden sich Titel, wie "Eingang in den Plauischen Grund bei Dresden". Beachtet man jedoch die Fließrichtung der Weißeritz, ist die Lagebezeichnung "Ausgang des Plauischen Grundes eher treffend. Oft genug ist auf vielen historischen Abbildungen der letzte Abschnitt bei Plauen gemeint, wenn vom "vordern Plaunschen Grund" gesprochen wird.

Der Plauensche Grund zwischen Dresden-Plauen und Freital heute

Dieser Beitrag beschränkt sich auf die Beschreibung des letzten Abschnittes des Pl. Grundes. Die Sedimente der Kreideformation, die unmittelbar am Grund auftreten, sind bis etwa Höhe  Autobahnbrücke/Heidenschanze zu beobachten.

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Autobahnbrücke über den Plauenschen Grund an der Begerburg und HeidenschanzeDie 2002 errichtete Brücke verbindet den Dölzschener Tunnel, bestehend aus 2 getrennten Röhren (siehe Abb.), mit dem Coschützer Tunnel. Dabei quert sie die Weißeritz. Oberhalb dieser Brücke befindet sich die Begerburg (in Abb.2 oben rechts), zu der ein Klettersteig führt. Der Coschützer Tunnel unterfährt dabei direkt das Gelände der Heidenschanze, nebst ehemaligen Sandsteinbruch.

Abb. 2: Blick von der Heidenschanze auf die Brücke im Weißeritztal. Die Eingänge zum Tunnel Dölzschen befinden sich am Fuße der "Begerburg" (oben rechts).

Abbildung 3 zeigt die Geologie am Plauenschen Grund zwischen Plauen und dem nordwestlichen Ortseingang Freital ohne kanäozoische Sedimente. Grün - Sedimente der Kreide, Braun - Döhlener Becken, Pink - Monzonit (Syenodiorit). Die Daten stammen aus der Geologischen Karte der eiszeitlichen Gebiete von Sachsen 1:50.000.

entnommen aus der Geologischen Karte 1:50.000, Blatt Dresden (LfULG)

Abb. 3.: Darstellung der Daten auf Grundlage der Geologischen Karte der eiszeitlichen Gebiete von Sachsen GK50 (Blatt Dresden) des sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Geodaten © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA.

Karbon-Perm: Die Döhlener Senke (Döhlener Becken)

Der Plauensche Grund liegt innerhalb des Döhlener Beckens (DB). Der Begriff "Döhlener Becken" und umfasst im wesentlichen ein Sedimentationsbecken des Perms. Das DB ist eine zwischen Karbon und Perm "vulkanotektonisch geprägte" Senke, die im Rotliegend innerhalb mehrere Zyklen mit Sedimenten verfüllt wurde.

Datenquelle: GUEK200/Geologische Übersichskarte 1:200.000, © BGR Hannover

Abb. 4: Übersicht über das Döhlener Becken (braune Farbe), sowie über die Kreide des Elbtales bei Dresden. Datenquelle: GUEK200, © BGR Hannover; Map tiles by Stamen Design, under CC BY 3.0; © OpenStreetMap und Mitwirkende; © ASTER GDEM is a product of METI & NASA , Imagery GIScience Research Group @ Heidelberg University

Mehrere Kohleflöze, in den bis zu 600m mächtigen Sedimenten, machten das Gebiet für den erblühenden Bergbau im 18./19. Jahrhundert interessant. Intensiver Abbau der Kohlevorkommen brachten, neben, teils räumlich erhaltenen, pflanzlichen Resten (Dresden-Gittersee) auch Funde von permischen Branchiosauriern (Amphibien) und Saurieren (Haptodus saxonicus Foto) in Freital-Döhlen, 1901 hervor.

Der "Madenfarn" Scolecopteris im Hornstein von Kleinnaundorf

Kupferstich vom Windberg aus dem 18. JahrhundertDer mit Blättchen des Farnes Scolecopteris durchsetzte permische (Unterrotliegendes) Hornstein wurde erstmals Mitte des 18. Jahrhunderts am Windberg (siehe Abb. 6 links) in Kleinnaundorf/Freital entdeckt. Während des siebenjährigen Krieges wurden dort "Verschanzungen" [Becker, 1799: S. 81] ausgehoben und dabei Hornsteingerölle zu Tage gefördert. Bereits wenige Jahre später wurde das attraktive Material eifrig gesammelt, geschnitten und zu Schmuck verarbeitet.

[...] und seiner seltenen röthlich-braunen Farbe wegen, haben die Liebhaber es so sorgfältig zusammen gesucht, daß sich auch nicht das Mindeste an diesem Orte mehr findet, [...]

[...] Für Sammler von Steinen will ich hier noch die Bermerkung anschließen, daß eben diese mittelste Kalksteinschicht von einem schönen, theils bluthrothen, theils röthlich-braunen Hornstein durchwachsen ist, der, geschliffen, ein schönes Ansehn hat, und daher von Liebhabern zu Ringsteinen und kleinen Tafeln eifrig gesucht wird. Der rothe Hornstein spielt in dem graulich-weißen Kalksteine öfters so seltsam, daß man artige Zeichnungen von Bäumen, Blumen und allerleit Gestalten, die freilich erst von der geschäftigen Phantasie ihre bestimmtern Umrisse erhalten, darin zu erblicken glaubt.

Becker, 1799: S. 81-83

Eine der merkwürdigsten Versteinerungen aber ist ehedem auf dem Windberge gefunden worden. Als im siebenjährigen Kriege sich das kaiserliche Lager auf demselben verschanzte, grub man ein paar Ellen tief in die erste darin liegende Conglomeratschicht und warf viele Hornsteingeschiebe mit heraus, welche eine rötlich- und gelblichbraune in einander sich meist streifenweis verlaufende Farbe hatten, un in denen eine bis jetzt noch ubekannte Art versteinerter Körper in Menge über und neben einander von graulich- und gelblichweiser, auch perlgrauer Farbe lagen, deren ehemaligen organischen Bau man deutlich wahrnehmen konnte, welcher einem sich krümmenden Wurme ähnlich sah, und daher auch von Steinschneidern den Name Madenstein bekam.

Tauber, 1799: S. 36

Becker, 1799 Innerhalb cenomaner Flußablagerungen wurden in Kleinnaundorf/Freital aufgearbeitete permische Hornsteingerölle nachgewiesen.
Abb. 6: Kupferstich eines sog. "Madensteins" vom Windberg bei Kleinnaundorf/Freital, Tauber, 1799 [1]. Der Name rührt von der Verwechslung der weiß erhaltenen Farnblättchen mit versteinerten Würmern her. [hohe Auflösung]

Im frühen Cenoman existierte ein Entwässerungssystem im sogenannten Niederschönaer Paläotal. Die kettenartig erhaltenen Erosionsreste der (fluvialen) Sedimente lassen sich heute zwischen Tharandter Wald und Elbe (West-Ost-Richtung) nachweisen. Das permische Material wurde also während der Kreidezeit verfrachtet. Das ursprüngliche Originalvorkommen ist nicht bekannt. Die Ortschaft Kleinnaundorf ist die Typuslokalität von Scolecopteris elegans (Blättchen), wo auch der zugehörige Stamm (Psaronius) zu finden ist.

Bis in das späte 19. Jahrhundert wurden diese fossilen pflanzlichen Einschlüsse für Überreste tierischer Lebewesen gehalten. Auch Hanns-Bruno Geinitz (1814-1900) unterlag diesem Irrtum und sah in den Versteinerungen Reste permischer Gliederfüßer (Geinitz, 1873: "Myriapoden"). Hornsteine des Döhlener Beckens lassen sich auch heute noch auf Feldern und Baugruben in der Dresdner und Kleinnaundorfer Gegend finden. Durch die körperliche Erhaltung der feinen Pflanzenteile ist die Bedeutung dieser fossilführender Silizite für die Paläobotanik immens.

Mehr zum Thema Hornsteine finden Sie auf der Seite von Ralph Kretzschmar, Chemnitz:  www.kieseltorf.de

Steinbruchbetrieb und Bergbau im Plauenschen Grund

folgt [....]

klassische Oberkreidefundstellen am Plauenschen Grund

Becker, 1799Am Forsthaus (Hegereiter)
Historische Fundstelle oberhalb des Hegereiterhaus (Forsthaus) an der Hegereiterbrücke. Mit dem Ausbau der Bahnstrecke Dresden-Freital Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Fundstelle verschüttet. Der Aufschluss lieferte unzählige Funde, noch bevor der Ratssteinbruch kreidezeitliche Sedimente offenlegte.

Profil mit cenomanen SandsteinenHeidenschanze
Die Heidenschanze ist ein bewaldetes Gelände oberhalb  der A17-Brücke nahe dem Ortsteil Coschütz. Auf dem Gelände einer ehemaligen, bronzezeitlichen Wallanlage wurden in Steinbrüchen bis in das 20. Jahrhundert der Monzonit des Plauenschen Grundes, sowie kreidezeitliche Sandsteine der Dölzschen Formation Oberhäslich-Formation abgebaut. Heute ist das Gelände Naturdenkmal und außerdem für Boulderer erschlossen. Mehr dazu im Beitrag zum ehemaligen Sandsteinbruch an der Heidenschanze.

Ratssteinbruch, Nordteil, 2005Ratssteinbruch
Der Aufschluss, links der Weißeritz, ist der offenkundigste verliebene Zeuge des regen Steinbruchbetriebes im Plauenschen Grund. Abbgebaut wurden dort die rötlichen Monzonitoide. Den Monzoniten lagern obercenomane Konglomerate und Pläner der sogenannten "Schwellenfazies" auf. Ausführlicher Beitrag zum ehemaligen Ratssteinbruch in Dresden-Dölzschen.

Zeichnung von C.G. Carus in GeinitzHoher Stein
Der restaurierter Aussichtsturm "Frobergs Burg" steht oberhalb einer obercenomanen Brandungstasche. Die wohl bekannteste historische Fundstelle der sächsischen Kreide steht unter Schutz. "Pickern verboten" - seit  dem 19. Jahrhundert. Mehr dazu im Beitrag Hoher Stein, Dresden-Plauen.

 

 

Kreide-Versteinerungen des Plauenschen Grundes im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert  haben einige Geognosten und Naturforscher Abhandlungen zum Bergbau und zu den Petrefacten des Plauenschen Grundes veröffentlicht. Arbeiten über die "Versuche auf Kohlen" oder der Beschreibungen der Geologie und der Fossilien sind von Leuten, wie J.C. Helck, C.G. Hoffmann und A. Tauber gemacht worden. In einem eigenen Beitrag zur Kreidehistorie des Plauenschen Grundes im 18. Jahrhundert sind meine bisherigen Rechercheergebnisse zusammengetragen.

Impressionen und historische Ansichten vom Plauenschen Grund

 
Beschreibung
keine Beschreibung verfügbar
Literatur
Funde

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