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S191n - Baubeginn der Umgehungsstraße Bannewitz-Rippien-Goppeln

tags: s191, untercenoman, goppeln, rippien, bannewitz-welschhufe
Exemplare von Ammonites mantelli (tatsächlich wohl Calycoceras naviculare); Figur 1: aus Bannewitz-Welschhufe, Figur 2: aus Rippien (H.B. Geinitz, Das Elbthalgebirge; Unterquader)
Exemplare von Ammonites mantelli (tatsächlich wohl Calycoceras naviculare); Figur 1: aus Bannewitz-Welschhufe, Figur 2: aus Rippien (H.B. Geinitz, Das Elbthalgebirge; Unterquader)
Wie die SZ vom 14.10.2011 berichtet, wird seit Anfang Oktober offiziell an der neuen Ortsumgehung zwischen Bannewitz und Goppeln gebaut. Die neue S191 soll vom Bannewitzer Ortsteil Welschhufe bis zur Anschlussstelle Dresden-Nickern bei Goppeln führen.

Ziel ist die Entlastung der Ortsdurchfahrt in Rippien. Die S191n wird 3,4km lang und erhält eine Brücke. Bei Kosten von knapp 10 Millionen Euro soll die Trasse 2013 fertig werden. Was für die Anwohner in Rippien ein Segen ist, stellt sich wohl als Fluch für Landwirte, Naturfreunde und die Bewohner von Goppeln heraus.

Beim Bau der A17 (1998-2006) konnten am Gebergrund bei Goppeln zahlreiche Fossilien einer unterturonen Plänerfazies geborgen werden - darunter zahlreiche Ammoniten der Mammites nodosoides/Inoceramus labiatus-Biozone. Hanns-Bruno Geinitz beschrieb im ersten Teil seines Elbthalgebirges (1871-1875, "Der untere Quader") Arten aus dem unteren Obercenoman (Calycoceras naviculare-Biozone). Dessen Vorkommen bei Bannewitz-Welschhufe ist an eine Sandsteinfazies gebunden. Die geplante Route führt durch eben diese ältesten Schichten des oberen Cenomans. H.B. Geinitz stellte Funde des Ammoniten C. naviculare aus "Welschhufa" und Rippien allerdings fälschlicherweise zu der Art "Ammonites" mantelli. Biostratigraphisch war dies ein Problematikum. Die (revidierte) Art Mantelliceras mantelli ist ein Leitfossil des tieferen Untercenomans (!). Die falsche Bestimmung suggerierte also ein zu hohes Alter (tieferes Untercenoman) der Sedimente in Bannewitz/Goppeln. Diese wären demnach älter, als die tatsächlich ältesten Schichten der "sächsischen Kreide" - der Meißen Formation (z.B. "Klippe" in Meißen-Zscheila).

Trassenführung der neuen S191 bei Rippien

Darstellung der Daten auf Grundlage der Geologischen Übersichtskarte von Sachsen GÜK400 (1:400.000) des sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Geodaten © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA, WISE (eea.eu).

Blick Nordost/Ost

Update, 31. Oktober, 2011: Baugrube an einem landwirtschaftlichem Weg nördlich von Rippien. Der Pläner war nach erster Sichtung leider fossilleer.

Quellen:

  1. Geinitz, H.B. 1871-1875. Das Elbthalgebirge in Sachsen. 1. Theil. ebook
  2. Tröger, K.-A. & Voigt, T. 2008. Meißen-Formation. In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Avaible from litholex.bgr.de
  3. Weiß, V. Buddeln für die Ortsumgehung. Sächsische Zeitung vom 15.10.2011. online, online-Archiv

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