ehemaliger Ratssteinbruch, Dresden-Dölzschen (Plauen)

Ratssteinbruch Nord im Februar 2010 Der Ratssteinbruch befindet sich im Plauenschen Grund - einem Tal der Weißeritz. Im Stadtteil Plauen beginnend, öffnet der schmale Plauensche Grund sich teilweise nach Freital hin auf. Er durchschneidet einen Teil der Rotliegendsenke "Döhlener Becken" (Perm) und den rötlichen Monzonit (in älterer Literatur als Syenit, oder Syenodiorit klassifiziert) mit aufgelagerten Kreidesedimenten. Einen Steinwurf vom Aufschluss entfernt, liegen die historische Kreidefundstelle "Am Forsthaus" und auf der anderen Seite, oberhalb des Tales, eine unter Schutz gestellte Klippe - der Hohe Stein.

Abstract

The Plauenscher Grund is a small valley in Freital and Dresden. It indents the Elbe valley in the southern part of Dresden. The former quarry Ratssteinbruch is one of the last remained quarries of the Plauenscher Grund. With An intersting profile, where the Cretaceous rocks overlay the reddish Monzonite, this outcrop do cleary demonstrate an important part the Saxonian Cretaceous of the Elbe valley.

Lage

Foto: Göpfert

Der Ratssteinbruch liegt an der Tharandter Strasse, die von Dresden nach Freital führt. Er wird im Süden durch einen 1993 erichteten Tunnel begrenzt und streicht am nördlichen Ende aus, an dem sich Kleingärten befinden.

Abbildung 1: alte Halde im Nordteil des Ratssteinbruch

Vor der Abbruchwand befindet sich im nördlichen Teil eine überwachsene Halde (Foto links). DIe Halde am Tunnel (Südende) ist weniger stark verwildert und von großen Monzonitblöcken übersäht. Dazwischen finden sich ab und zu fossilführende Konglomeratblöcke. Das Gelände ist jedoch (teilweise) eingezäunt und vor Steinschlag muss eindringlich gewarnt werden!

Stratigraphie

Petrascheck 1899

Einen besonders guten Eindruck von der Geologie erhält man vom auf der anderen Talseite liegenden Aussichtspunkt Hoher Stein. Der nördlich einfallende rötliche Monzonit ("Syenit") des Meißner Massivs wird von Konglomeraten und (kalkigem) Pläner der plenus-Zone (Dölzschener Formation) bedeckt.

Abbildung 2: Konglomerate & Pläner auf dem Syenit, Petrascheck, 1899

 

Foto. Göpfert Abbildung 3: Brandungstasche im südlichen Teil

Die plenus-Zone wird u.a. durch das Leitfossil Praeactinocamax plenus charakterisiert und dem oberen/obersten Cenoman zugeschrieben. Die Grenze zum unteren Turon ist fließend und nicht eindeutig erkennbar. Allerdings ist eine lithologische Veränderung nach Oben hin zu beobachten.

Die Transgression, also das Vordringen des Meeres, im oberen Cenoman drückt sich in den vorhanden Konglomeraten aus. Diese Sedimente entstanden in einem flachen, stark bewegtem Wasser. Der feinkörnige Pläner des unteren Turons zeugt hingegen von einem tieferen und ruhigerem Ablagerungsmilieu. Die Konglomerate finden sich aber nicht an allen Stellen des Bruches. Sie fehlen im Südteil des Bruches teilweise und treten dort als "[...] lokale Ausfüllungen von Vertiefungen der Syenitoberfläche [...]" auf. Dort schließen feste, graublaue Pläner das Profil nach oben hin ab.

Ratssteinbruch Die Abtragung der Kreidesedimente wurde durch das Abkippen (Hebung im Süden) des Untergrundes in Richtung Elbe verhindert. Im gesamten Bereich des ehehemaligen Steinbruches befinden sich die Schichten oberhalb der Abbruchkante und sind nicht ohne weiteres zu erreichen. Lediglich am nördlichen Ende "sinkt" das Profil auf wenige Meter über Strassenniveau ab. Kleingärten und private Grundstücke versperren allerdings hier den Zugang. 

Abbildung 4: Monzonit, der vom Pläner überlagert wird

 

Funde

Ratssteinbruch kurz nach Sonnenaufgang

Der Abbau des rötlichen Monzonites im Ratssteinbruch ermöglichte umfangreiche Aufsammlungen  obercenomaner Fossilien im 20. Jahrhundert. Im Fokus der Erforschung lag das, über weite Grenzen hinaus bekanntgewordene, Transgressionsprofil.

Abbildung 5: Blick vom Hohen Stein bei Sonnenaufgang

Im Gegensatz zu den, bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als "alt" zu bezeichnenden Fundstellen (Heidenschanze, Hoher Stein, Forsthaus) konnte in den 1930ern durch J. Schmidt aus dem damals aktiven Steinbruch viel neues Material zur obercenomanen Fauna gewonnen werden.

Fortsetzung folgt

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Ratssteinbruch, Februar 2010 - Bitte klicken für größeres Bild Ratssteinbruch, Februar 2010
Eisbildungen im Nordbruch
Ratssteinbruch, Nordteil, März 2009 - Bitte klicken für größeres Bild Ratssteinbruch, Nordteil, März 2009
Ratssteinbruch-Südteil - Bitte klicken für größeres Bild Ratssteinbruch-Südteil
Zwischen den Monzonitblöcken finden sich mitunter größere Konglomeratbrocken mit reicher Fauna, vor allem Korallen und Schnecken
Ratssteinbruch-Südteil - Bitte klicken für größeres Bild Ratssteinbruch-Südteil
Protocallianassa antiqua (Roemer) - Bitte klicken für größeres Bild Protocallianassa antiqua (Roemer)
Krebsschere, Ratssteinbruch-Nordteil, Slg. Göpfert
"Turbo" leblanci (d´Archiac) - Bitte klicken für größeres Bild "Turbo" leblanci (d´Archiac)
unvollständiges Exemplar in Schalenerhaltung, wie sie für den ehemaligen Fundpunkt Forsthaus typisch war, Ratssteinbruch-Nordteil, Slg. Göpfert
Nerita nodosa Geinitz - Bitte klicken für größeres Bild Nerita nodosa Geinitz
juveniles Exemplar in Seitenansicht, Ratssteinbruch-Südteil, Slg. Göpfert
Pyropsis (Fusus) corneti (Geinitz) sp. - Bitte klicken für größeres Bild Pyropsis (Fusus) corneti (Geinitz) sp.
Ratssteinbruch, Nordteil, Slg. Göpfert
Turritella kirsteni (Geinitz) - Bitte klicken für größeres Bild Turritella kirsteni (Geinitz)
Ratssteinbruch-Nordteil, Slg. Göpfert
Cerithium tectiforme (Binkhorst) - Bitte klicken für größeres Bild Cerithium tectiforme (Binkhorst)
von Geinitz als Cerithium Margaretae vom ehemaligen Fundpunkt Forsthaus Plauen beschrieben, Ratssteinbruch-Nordteil, Slg. Göpfert
Cerithium guentheri (Geinitz) - Bitte klicken für größeres Bild Cerithium guentheri (Geinitz)
Ratssteinbruch-Nordteil, Slg. Göpfert
Natica cf. pungens (Sowerby) - Bitte klicken für größeres Bild Natica cf. pungens (Sowerby)
Ratssteinbruch, Nordteil, diese Art wurde bisher nur von der ehemaligen Fundstelle "Forsthaus" beschrieben und liegt laut Deninger nur in einem Exemplar vor, Slg. Göpfert
"Turbo" goupilianus (d`Orbigny) - Bitte klicken für größeres Bild "Turbo" goupilianus (d`Orbigny)
Ratssteinbruch, Südteil, Slg. Göpfert
"Turbo" goupilianus und Cerithium sp. - Bitte klicken für größeres Bild "Turbo" goupilianus und Cerithium sp.
Ratssteinbruch, Südteil, Handstück mit vier Schnecken, Slg. Göpfert
"Trochus" geinitzi (Reuss) - Bitte klicken für größeres Bild "Trochus" geinitzi (Reuss)
neben Turbo goupilianus und Trochus geslini die am häufigsten zu findende Schneckenart in beiden Teilen des Ratssteinbruches, Slg. Göpfert
"Trochus" (Craspedotus) geslini (d`Archiac) - Bitte klicken für größeres Bild "Trochus" (Craspedotus) geslini (d`Archiac)
ein recht häufig zu findende Schneckenart, hauptsächlich im Nordbruch, Slg. Göpfert
Serpula ootatoorensis (Stoliczka) - Bitte klicken für größeres Bild Serpula ootatoorensis (Stoliczka)
Wurmröhre, recht häufig im Ratssteinbruch, Slg. Göpfert
unbestimmte Auster - Bitte klicken für größeres Bild unbestimmte Auster
Oktober 2009, Slg. Fengler
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Literatur 

Geinitz, Hanns B. 1839.
Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsischen Kreidegebirges. Erstes Heft. Der Tunnel bei Oberau in geognostischer Hinsicht und die dieser Bildung verwandten Ablagerungen zwischen Oberau, Meißen und dem Plauen'schen Grunde bei Dresden. : 1-28.

Geinitz, Hanns B. 1840.
Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsischen Kreidegebirges. Zweites Heft. A. Das Land zwischen dem Plauen'schen Grunde bei Dresden und Dohna. B. Fische, Crustaceen, Mollusken. : 31-62.

Häntzschel, Walter. 1940.
Zur Fauna der Pläner und Konglomerate im Ratssteinbruch Dresden-Dölzschen. - Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS Dresden 1938/1939 : 187-192.

Petrascheck, Wilhelm. 1899.
Studien über Faziesbildungen im Gebiet der sächsischen Kreideformation. - Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft ISIS Dresden 1899 : 31-84.

Tröger, Karl-Armin. 1956.
Über die Kreideablagerungen des Plauenschen Grundes (sediment- petrographische und biostratonomisch - paläontologische Untersuchungen). - Jahrbuch des Staatlichen Museums für Mineralogie und Geologie Dresden Dresden 2 : 22-124.

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  • Seifert, 1938. Das Cenoman-Vorkommen westlich vom Letzten Heller bei Dresden
  • Der
  • Halde am Tunnel Dresden-Coschütz
  • Schlönbach, 1868. Kleine paläontologische Mittheilungen - III. Die Brachiopoden der böhmischen Kreide
  • Petrascheck, 1902. Die Ammoniten der sächsischen Kreideformation
  • cenomane Brandungsklippe Gamighübel, Leubnitz
  • Geinitz, 1893. Der Syenitbruch an der Königsmühle im Plauenschen Grunde bei Dresden
  • Schlönbach 1867. Über die Brachiopoden der Norddeutschen Cenoman-Bildungen
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