ehemaliger Ratssteinbruch, Dresden-Dölzschen (Plauen)

erstellt: M. Göpfert (23.04.2008)
bearbeitet: M. Fengler (10.11.2011)
kreidefossilien.de
Ratssteinbruch Nord im Februar 2010
Der Ratssteinbruch befindet sich im Plauenschen Grund - einem Tal der Weißeritz. Im Stadtteil Plauen beginnend, öffnet der schmale Plauensche Grund sich teilweise nach Freital hin auf. Er durchschneidet einen Teil der Rotliegendsenke "Döhlener Becken" (Perm) und den rötlichen Monzonit (in älterer Literatur als Syenit, oder Syenodiorit klassifiziert) mit aufgelagerten Kreidesedimenten. Einen Steinwurf vom Aufschluss entfernt, liegen die historische Kreidefundstelle "Am Forsthaus" und auf der anderen Seite, oberhalb des Tales, eine unter Schutz gestellte Klippe - der Hohe Stein. Abb.: Ratssteinbruch Nord im Februar 2010

Lage

Ratssteinbruch-Südteil
Ratssteinbruch-Südteil - Aussicht vom Gelände am Hohen Stein, Plauener Seite des Plauenschen Grundes
Der Ratssteinbruch liegt an der Tharandter Strasse, die von Dresden nach Freital führt. Er wird im Süden durch einen 1993 erichteten Tunnel begrenzt und streicht am nördlichen Ende aus, an dem sich Kleingärten befinden. Vor der Abbruchwand befindet sich im nördlichen Teil eine Halde. Die Halde am Tunnel (Ratssteinbruch-Süd) ist von großen Monzonitblöcken übersäht. Dazwischen finden sich ab und zu fossilführende Konglomeratblöcke. Das Gelände ist jedoch eingezäunt und vor Steinschlag muss eindringlich gewarnt werden!

Stratigraphie

Einen besonders guten Eindruck von der Geologie erhält man vom auf der anderen Talseite liegenden Aussichtspunkt Hoher Stein. Der nördlich einfallende rötliche Monzonit ("Syenit") des Meißner Massivs wird von Konglomeraten und (kalkigem) Pläner der geslinianum-Zone (plenus-Event, Dölzschener Formation) bedeckt.

Foto: Göpfert
Foto: Göpfert - Südteil
Die geslinianum-Zone wird u.a. durch das Leitfossil Praeactinocamax plenus und dem Namesgebenden Ammoniten Metoicoceras geslinineanum charakterisiert und dem oberen/obersten Cenoman zugeschrieben. Die Grenze zum unteren Turon ist fließend und nicht eindeutig erkennbar. Allerdings ist eine lithologische Veränderung nach Oben hin zu beobachten.

 

Ratssteinbruch-Nord
Ratssteinbruch-Nord - Profil
Die Transgression, also das Vordringen des Meeres, im oberen Cenoman drückt sich in den vorhanden Konglomeraten aus. Diese Sedimente entstanden in einem flachen, stark bewegtem Wasser. Der feinkörnige Pläner des unteren Turons zeugt hingegen von einem tieferen und ruhigerem Ablagerungsmilieu. Die Konglomerate finden sich aber nicht an allen Stellen des Bruches. Sie fehlen im Südteil des Bruches teilweise und treten dort als "[...] lokale Ausfüllungen von Vertiefungen der Syenitoberfläche [...]" auf. Dort schließen feste, graublaue Pläner das Profil nach oben hin ab.

Im gesamten Bereich des ehehemaligen Steinbruches befinden sich die Schichten oberhalb der Abbruchkante und sind nicht ohne weiteres zu erreichen. Lediglich am nördlichen Ende "sinkt" das Profil auf wenige Meter über Strassenniveau ab. Kleingärten und private Grundstücke versperren allerdings hier den Zugang.

Funde

Ratssteinbruch-Nord
Ratssteinbruch-Nord - Der ehemaligen Steinbruch von der anderen Talseite aus gesehen
Der Abbau des rötlichen Monzonites im Ratssteinbruch ermöglichte umfangreiche Aufsammlungen  obercenomaner Fossilien im 20. Jahrhundert. Im Fokus der Erforschung lag das, über weite Grenzen hinaus bekanntgewordene, Transgressionsprofil.

Im Gegensatz zu den, bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als "alt" zu bezeichnenden Fundstellen (Heidenschanze, Hoher Stein, Forsthaus) konnte in den 1930ern durch J. Schmidt aus dem damals aktiven Steinbruch viel neues Material zur obercenomanen Fauna gewonnen werden.

Fortsetzung folgt

Seite: 1 | 2 | 3 | vorwärts »
Seite: 1 | 2 | 3 | vorwärts »

Literatur 

Artikel bewerten:
  • Momentan1.8235294117647/5 Sterne
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertungen: 17

verwandte Artikel

  • Fritsch, 1911. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Ergänzung zu Band I
  • Forschung (BCB): Entwässerungssysteme im böhmischen Kreidebecken
  • Geinitz, 1840. Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsischen Kreidegebirges. Zweites Heft.
  • Dohna: Kahlbusch
  • Otto, 1856. Blatt-Abdruck aus dem Schieferthon des untern Quader von Paulsdorf bei Dippoldiswalde
  • Meusegast: Brücke über das Seidewitztal
  • Häntzschel, 1930. Ein neuer Granit- und Cenoman-Aufschluss nördlich Dohna bei Dresden
  • Velenovsky, 1887. Neue Beiträge zur Kenntnis der Pflanzen des böhmischen Cenomans
  • Der Plauensche Grund
  • Schlönbach 1867. Über die Brachiopoden der Norddeutschen Cenoman-Bildungen
  • Geinitz, 1848. Über obern Quader
  • Schlönbach, 1868. Kleine paläontologische Mittheilungen - III. Die Brachiopoden der böhmischen Kreide
  • Dresden-Coschütz: Tunnelbau
  • Engelhardt, 1891. Ueber Kreidepflanzen von Niederschöna
  • Weinart, 1781. Beschreibung des Plauischen Grundes bey Dresden
Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar verfassen

  • Pflichtfelder sind mit * markiert.

Sollte der Sicherheitscode unleserlich sein, kann durch einen Klick auf das Bild ein neuer Sicherheitscode erzeugt werden.
 
Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, auf dem Server von kreidefossilien.de im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert wird. Die Angabe einer E-Mail-Adresse ist freiwillig. Weder E-Mail-Adresse, noch IP-Adresse sind öffentlich sichtbar und werden nicht an Dritte übermittelt. IP-Adressen werden nach 30 Tagen gelöscht.

Top 10 Artikel