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Die Sandsteingewinnung im Elbsandsteingebirge: Einführung und Stratigraphie

tags: elbsandsteingebirge, sächsische schweiz, stratigraphie, schmilka-formation, postelwitz-formation, schrammstein-formation, steinbruch, elbsandstein
Die Bastei mit Aussichtspunkt zwischen 1890 und 1900
Die Bastei mit Aussichtspunkt zwischen 1890 und 1900
Das Elbsandsteingebirge befindet sich etwa 30 Kilometer südöstlich vom Dresdner Stadtzentrum. Es erstreckt sich beiderseits der Elbe zwischen Pirna und Decín (Tetschen) auf tschechischer Seite. Der Elbsandstein ist als Bau- und Werkstoff seit Jahrhunderten begehrt. Die barocken Bauten des Elbflorenz', allen voran die Dresdner Frauenkirche - bestehen aus diesem bekannten Naturprodukt.

 Schandau - Ruge 1903 - nach A. ZinggIm frischen Zustand von gelblich-weißer Farbe, erhält er im Laufe der Jahre eine natürliche Patina von schwarzer Farbe. Durch die gute Verwitterungsbeständigkeit und gute Bearbeitbarkeit wurde der Sandstein bereits in vorbarocker Zeit für bedeutende sakrale (Meißner Dom) und weltliche Bauten (Schloss in Torgau, das Rathaus in Hamburg, das Schloss in Kopenhagen) genutzt. Die mannigfaltigen "Erscheinungsformen" erlaubten neben der Verwendung als Bau- und Skulpturstein, auch den Einsatz als Schleif-, Mühl- und Wasserbausteine. Auch als loser Scheuersand erfuhr dieser reizvolle Rohstoff Anwendung.

Zur Geschichte der Steinbrüche möchte ich lediglich auf die zahlreich vorandene Literatur verweisen. Auf www.steinbruchfuehrungen.de kann ein erster Eindruck gewonnen werden. Die dort angebotene Führung kann ich empfehlen. Der Schwerpunkt liegt auf der Technik- und Technikgeschichte.

Geologische Übersichtskarte der vorderen Sächsischen Schweiz (Legende)

GK50 der eiszeitlich bedeckten Gebiete von Sachsen

Sandsteinvarietäten und stratigraphische Einordnung

Der Elbsandstein wird nach dessen Erscheinungsbild und insbesondere mechanischen Eigenschaften unterschieden (siehe Grunert 2007, 15). Die stratigraphische Einordnung der Varietäten kann daher nicht pauschalisiert werden.

  • Cottaer Sandstein ("Cottaer Bildhauersandstein")
  • Kirchleite-Sandstein bzw. Reinhardtsdorfer Sandstein (Handelsname)
  • Postaer Sandstein

Tabelle 1: Lithostratigraphische Gliederung - ohne Berücksichtigung der Mächtigkeiten (nach Seifert 1955; Wilmsen et al. 2010).

unteres Coniac Sandstein e Schrammstein-Formation
oberes Turon δ2
Sandstein d
γ3
Sandstein c c3 Postelwitz-Formation
c1+c2
β3
Sandstein b
α3
mittleres Turon Sandstein a a3
a2
a1
unteres Turon Labiatussandstein Schmilka-Formation

Die Gliederung der Sandsteine erfolgt mit den Buchstaben a-e (vom Liegenden zum Hangenden). Feinkörnige Sedimentlagen, wie Mergel oder Tone erhielten von Lamprecht die griechischen Buchstabenbezeichnungen (α-δ).


Die Steinbrüche

Rutschbahnen (Schleppen) auf der HaldenterrasseInsbesondere unmittelbar am Elblauf sind heute noch die Spuren des jahrhundertelangen Sandsteinabbaus zu sehen. Bereits am "Tor zum Elbsandsteingebirge" bei Pirna wurden zahlreiche Steinbrüche betrieben (Steinbrüche bei Copitz: Postaer Brüche - bis nach Jessen: Liebethaler Brüche). "Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts existierten ca. 500 Steinbrüche." (Wilmsen, Grunert et al. 2010; Exkursionsführer, unveröffentlicht). Heute werden durch die Sächsischen Sandsteinwerke, den Bamberger Natursteinwerken und der Erich Seubert GmbH in sieben Steinbrüchen die drei verschiedenen Sandsteinvarietäten des unteren, mittleren und oberen Turons abgebaut.

Folgend eine Auswahl von überwiegend aufgelassenen Steinbrüchen, die im Geologischen Führer von H. Rast (1955) erwähnt werden. Das Buch ist empfehlenswert. Ab und an wird das Werk von Antiquariaten angeboten - allerdings zu einem teils stolzen Preis.  Wer günstig ein Exemplar erwerben kann, sollte dies in jedem Fall tun. Vergleichbare Veröffentlichungen jüngeren Datums sind mir nicht bekannt.

Gebiet Aufschluss Klassifikation nach Rast 1955  Stratigraphie Bemerkung
Stufe Formation; Biozone
bei Pirna s.l.              
  rechtselbisch            
    aufgelassener Steinbruch am Burglehn c3 mittleres-oberes Turon Postelwitz-Formation Infos zur Postelwitz-Formation in LithoLex
    Steinbruch im Mockethaler Grunde c3, darüber Burglehntonbank γ3 mittleres-oberes Turon Postelwitz-Formation; Schrammstein-Formation Infos zur Schrammstein-Formation in LithoLex
    Steinbruch am Hang des Riesenfußes d oberes Turon-unteres Coniac Schrammstein-Formation Riesensteinflexur
    Postaer Steinbrüche östlich von Zatschke        
      Alte Poste d oberes Turon-unteres Coniac Schrammstein-Formation  
      Herrenleite d oberes Turon-unteres Coniac Schrammstein-Formation  
    Liebethaler Steinbrüche (Wesenitztal) d oberes Turon-unteres Coniac Schrammstein-Formation  
      Lochmühle        
  linkselbisch            
    Steinbruch Rottwerndorf Labiatussandstein unteres Turon; M. labiatus-Zone Postelwitz-Formation

in Betrieb; siehe Quellmalz & Beeger 1995

    Lohmgrund Labiatussandstein +Lohmgrundmergel unteres Turon; Basis M. labiatus Postelwitz-Formation  in Betrieb
    Großcotta a mittleres Turon; I. lamarcki-Zone Postelwitz-Formation "Cottaer Bildhauersandstein"
               
Basteigebiet (zwischen Wehlen und Rathen)              
  rechtselbisch            
    Weiße Brüche b, c unteres-mittleres Turon; I. lamarcki-Zone Schmilka-Formation; Postelwitz-Formation Infos zur Schmilka-Formation in LithoLex
    zwischen Rathewalder Mühle und Rathewalde        
      Steinbruch in Rathewalde e oberes Turon-unteres Coniac Schrammstein-Formation  
               
    Hocksteinschänke bei Zeschnig        
      Kalkbergwerk Zeschnig Kalkkonglomerat Jura, aufgearbeitet im oberen Cenoman, P. plenus-Zone  
      Wartenbergstr.        
Hohnstein              
    Hohnsteiner Kalkwerk   Jura Bruder, 1885
    Steinbruch am Diebeskeller (Polenztalwände) d, e oberes Turon-unteres Coniac Schrammstein-Formation  
Waltersdorf bei Rathen              
  rechtselbisch            
    Schulhainer Steinbrüche a, b mitleres Turon; I. lamarcki-Zone Postelwitz-Formation  
Liliensteingebiet              
  rechtselbisch            
    Kirchleite-Steinbrüche Labiatussandstein; a, b  unteres Turon, M. labiatus-Zone; mitleres Turon, I. lamarcki-Zone Schmilka Formation; Postelwitz-Formation  
Schrammsteingebiet              
    Postelwitzer Steinbrüche+Halden a, b; c mitleres Turon, I. lamarcki-Zone Postelwitz-Formation  
"Steine" zwischen Königstein und Kleinhennersdorf              
  linkselbisch            
    Hampelhöle am Kleinhennersdorfer Stein c, d mittleres-oberes Turon Postelwitz-Formation; Schrammstein-Formation Verwendung als Scheuersand?
    Specksteinstollen am Gohrisch (Steinbruch+Stollen) Basaltstock Postkretazisch   Brauneisenerz; Versuche auf Kohlen
Gebiet zwischen Schmilka und Zschirnsteine              
  linkselbisch            
    Steinbruch Reinhardtsdorf a, b; c mittleres-oberes Turon Postelwitz-Formation  in Betrieb

Tabelle 2: Liste einiger aufgelassener und aktiver Steinbrüche im Elbsandsteingebirge (nach Rast 1955; Wilmsen, Grunert et al. 2010).

Impressionen einiger Steinbrüche

Steinbrüche in der alten Posta

Steinbruch in der alten Posta Steinbruch in der alten Posta bei Pirna
 Abbildungen aus Ruge, 1903

Liebethaler Brüche

historischer Stich von Ludwig Richter "Die Liebethaler Brüche scheinen die ältesten des Elbsandsteingebirges zu sein. Einer von ihnen wird bereits 1364 erwähnt." (Rast 1955, 65). Etwa 50 Steinbrüche haben das heute malerische Wesenitztal entscheidend geprägt. Gegen Ende des 19. jahrhundert waren es noch 9, bis 1955 der letzte Steinbruch geschlossen wurde.

Wenige hundert Meter nordwestlich wird derzeit (2012/2013) die Ortsumgehung Bonnewitz-Wünschendorf gebaut. In (verfrachteten) Tonmergeln konnten zahlreiche Fossilien geborgen werden. Diese Tonmergel dürften bereits in das Coniac gehören, während der Sandstein im Liegenden (im Bonnewitzer & Liebethaler Grund) zum Oberturon gestellt wird. Die Fauna scheint der des Brausnitzbachmergels zu ähneln (Seifert 1955 stellt ihn noch in das obere Mittelturon zwischen Stufe d und e).

Steinbrüche im Lohmgrund und bei Rottwerndorf

Das Gebiet liegt zwischen Rottwerndorf und Gross-Cotta. Die Bezeichnung Lohmgrund soll auf das altslawische lomu=Steinbruch zurückgehen (Rast 1955, 67). Heute wird dort in zwei Steinbrüchen (Tagebau Lohmgrund I und II) der Cottaer Sandstein bgebaut. Stratigraphisch werden die Sandsteine in das untere Turon der W. coloradoense/M. nodosoides-Zone gestellt. Ammonitenfunde sind dort allerdings selten. Häufig sind vor allem Inoceramen (M. labiatus) und Steckmuscheln der Gattung Pinna, teils in Lebendstellung zu finden.

Schichtungsfugen im Cottaer SandsteinSteinbruchbetrieb im Gebeite des Cottaer BildhauersandsteinsFoto vom Steinbruch Lohmgrund
 

Postelwitzer Steinbrüche

Elbe bei PostelwitzDie Postelwitzer Steinbrüche befinden sich zwischen den Orten Postelwitz und Schmilka. Sie ziehen sich etwa zweieinhalb Kilometer oberhalb der Elbe entlang. Die Wände und mächtigen Halden prägen dieses Bereich des Elbtals in besonderer Weise. Die Halden sind allerdings vollständig bewachsen. Der Beginn der Sandsteingewinnung geht wohl bis auf das beginnende 17. Jahrhundert zurück. Der letzte Steinbruch wurde hier 1907 geschlossen (Rast 1955, 150).

 

ÖlgemäldeDie Originalkuppel der Dresdner Frauenkirche wurde aus diesem besonders festem Sandstein gebaut. Außerdem auch die katholische Hofkirche , Kreuzkirche und die alte Augustusbrücke, das Brandenburger Tor und das Reichstagsgebäude in Berlin (Rast 1955, 150). Ölgemälde links: "Elbearbeiter" von Robert Sterl  - Im Hintergrund die Augustusbrücke, die 1907 teilweise abgetragen wurde. Es existieren weitere Zeichnungen und Gemälde von Robert Sterl, wie "Elbebaggerer" oder "Steinbrecher".

weitere Steinbrüche

  • Steinbruch an der Mühlleite, Lohmen (in Betrieb)
  • Steinbruch an der Herrenleite, Lohmen (in Betrieb)
  • Reinhardtsdorf II, Reinhardtsdorf (in Betrieb)
  • Steinbruch Wehlen (in Betrieb)
  • Steinbruch Neundorf, Pirna-Neundorf (in Betrieb)

Der Zutritt sollte mit den jeweiligen Steinbruchbetreibern abgestimmt werden.
 

Fortsetzung folgt...

Beschreibung

Einzelnachweise

Beeger, H.-D. & Quellmalz, W. 1994. Dresden und Umgebung. Sammlung geologischer Führer (Gebrüder Borntraeger) Stuttgart 87: 1-205.

Grunert, S. 2007. Der Elbsandstein: Vorkommen, Verwendung, Eigenschaften [Elbe Sandstone: deposits, use, properties]. Geologica Saxonica - Journal of Central European Geology (Museum für Mineralogie und Geologie Dresden) Dresden 52/53: 3-22. PDF

Rast, H. 1955. Geologischer Führer durch das Elbsandsteingebirge. Akademie-Verlag (Freiberg): 1-224.

Tröger, K.-A. & Voigt, T. 2008. Schmilka-Formation. In: LithoLex [Online-Datenbank]. litholex.bgr.de/gesamt_ausgabe_neu.php?id=2008100

Tröger, K.-A. & Voigt, T. 2008. Postelwitz-Formation. In: LithoLex [Online-Datenbank]. litholex.bgr.de/gesamt_ausgabe_neu.php?id=2008102

Tröger, K.-A. & Voigt, T. 2008. Schrammstein-Formation. In: LithoLex [Online-Datenbank]. litholex.bgr.de/gesamt_ausgabe_neu.php?id=2008106

Wilmsen et al. 2010. Exkursionsführer: Ablagerungen der Elbtalkreide zwischen Dresden und Schöna - Geologie, Naturkunde und Landeskultur [unpublished] (Dresden): 1-42.

Literatur
Links
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Funde

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